Yashica Mat-124G, zweiäugige Mittelformatkamera von vorn

Yashica Mat 124G, 124 und 635 im Vergleich: welche Yashica lohnt sich?

Titelbild: Wilfredor, CC0 via Wikimedia Commons

Du scrollst durch die Anzeigen und stutzt, weil die alte Yashica-Mat fast wie die 124G heißt, aber deutlich weniger kostet. Dabei hat sie in fast allen Baujahren dasselbe Aufnahmeobjektiv. Der Aufpreis steckt oben auf der Kamera: Drehst du bei der 124G an Zeit und Blende, wandern dort in einem kleinen Fenster zwei Zeiger aufeinander zu, bis sie sich decken. Nur verlangt dieser eingebaute Belichtungsmesser eine Quecksilberzelle, die es längst nicht mehr gibt, und mit einer gewöhnlichen Knopfzelle treffen sich die Zeiger an der falschen Stelle. Nach diesem Guide weißt du, ob dir die wandernden Zeiger den Aufpreis wert sind oder ob das gesparte Geld besser in Film steckt.

Du hast schon eine 124 oder 124G und suchst nur die passende Batterie? Die Antwort steht in Kapitel 3 und in unserer Batterieübersicht für Yashica.

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Yashica Mat hast du vor dir?
  2. Was unterscheidet die 124 von der 124G?
  3. Welche Yashica Mat braucht eine Batterie?
  4. Wie kommt Kleinbildfilm in die 635?
  5. Welches Zubehör passt auf die Yashica Mat?
  6. Was eine Yashica Mat 2026 kostet
  7. 6x6-Negative digitalisieren
  8. Welche soll es werden?

1. Welche Yashica Mat hast du vor dir?

Von vorn sehen alle Kurbel-Yashicas gleich aus: ein schwarzer Kasten, oben das Sucherobjektiv, darunter das Aufnahmeobjektiv, an der linken Seite der Fokusknopf, an der rechten die Kurbel. Welches Modell du in der Hand hast, verrät das Typenschild über dem Sucherobjektiv. Achte dort vor allem auf eine Sache: Sitzt neben dem Schriftzug ein Fenster für einen Belichtungsmesser, und wenn ja, welches? An diesem Fenster hängt fast alles, was die Modelle unterscheidet, auch die Frage nach der Batterie.

Die Yashica-Mat, die erste mit Kurbel

Yashica-Mat ohne Belichtungsmesser mit Kurbel und geöffnetem Lichtschacht

Die schlichte Yashica-Mat: kein Fenster für einen Belichtungsmesser auf dem Typenschild, dafür die Kurbel, die den Verschluss gleich mitspannt. Foto: dw_ross, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Im April 1957 kam die Yashica-Mat auf den Markt, gebaut wurde sie bis Anfang der Siebziger. Einen Belichtungsmesser hat sie nicht, eine Batterie braucht sie auch nicht. Die Kurbel schiebst du einmal bis zum Anschlag nach vorn, das transportiert den Film, und wieder zurück, das spannt den Verschluss. Beim Einlegen legst du den Pfeil auf dem Schutzpapier auf die Dreiecke an der Filmkammer, schließt die Rückwand und kurbelst, bis das Zählwerk bei 1 stoppt.

Die allerersten Exemplare von 1957 tragen ein Objektiv namens Lumaxar. Ab Juli 1958 steht Yashinon 80 mm f/3,5 auf dem Ring, ein Vierlinser in Tessar-Bauart. Genau dieses Objektiv sitzt bis 1986 in jeder 6x6-Yashica mit Kurbel, auch in der 124G. Das Sucherobjektiv ist mit f/3,2 etwas dunkler als bei den späteren Modellen, erst die letzten Serien ab Juni 1970 bekamen ebenfalls f/2,8. Wer ohnehin mit Handbelichtungsmesser oder Handy-App misst, bekommt mit der Yashica-Mat die Negative einer 124G ohne deren Batteriefrage.

Mat-LM und Mat-EM mit Selenzelle

Yashica-Mat LM mit Plakette LM und Wabenfenster der Selenzelle

Mat-LM: Die kleine Plakette neben dem Typenschild nennt das Modell, das Wabenfenster darüber gehört zur Selenzelle. Foto: shando., CC BY-SA 2.0 via Flickr, verkleinert

Die Mat-LM kam um 1960 (die Quellen schwanken zwischen 1958 und 1960), die Mat-EM folgte 1964 und blieb bis 1967 im Programm. Beide tragen über dem Sucherobjektiv ein Wabenfenster. Dahinter sitzt eine Selenzelle, die ihren Strom aus dem Licht selbst erzeugt, deshalb brauchen auch diese beiden keine Batterie. Mit Zeit und Blende gekoppelt ist ihr Belichtungsmesser allerdings nicht. Bei der LM zeigt die Nadel eine Kennzahl, die du am Ring am Fokusknopf einstellst, um dort ein passendes Paar aus Zeit und Blende abzulesen und an die Kamera zu übertragen. Bei der EM drehst du einen Knopf, bis ein grüner Pfeil auf der roten Nadel liegt, und liest das Paar in einem Fenster ab.

Yashica-Mat EM mit Plakette EM, schräg von vorn

Die Mat-EM, erkennbar an der Plakette „EM“. Foto: Joe Haupt, CC BY-SA 2.0 via Flickr, verkleinert

Selenzellen altern. Nach sechzig Jahren zeigt manche Nadel zu wenig an oder bewegt sich gar nicht mehr, und passenden Ersatz gibt es praktisch nicht. Rechne eine LM oder EM deshalb als Kamera ohne Belichtungsmesser und freu dich, wenn er noch mitspielt. Beim Preis merkst du das: In den Kleinanzeigen und bei eBay lagen beide bei unserer Erhebung sogar unter der schlichten Yashica-Mat.

Wie gut das in der Praxis aufgeht, beschreibt der Fotograf Eric L. Woods in seinem Blog: Seine Mat-LM kostete bei einem US-Händler weniger als die Hälfte einer 124G. Den Selen-Belichtungsmesser vermisst er nicht, er misst ohnehin extern. In der Flickr-Gruppe zur Yashica Mat fand ein Besitzer, der EM und 124G von innen kennt, die ältere sogar sorgfältiger verarbeitet.

Mat-124 und Mat-124G mit gekoppeltem Belichtungsmesser

Yashica Mat-124 mit verchromtem Schriftzug und silberner Objektivplatte

Die Mat-124 mit verchromtem Schriftzug. Rechts neben dem Logo sitzt das runde Fenster der CdS-Messzelle. Foto: A Vahanvaty, CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons, verkleinert

Die Mat-124 wurde von 1968 bis August 1970 gebaut (die ersten Seriennummern stammen schon von Ende 1967), die 124G danach bis 1986. Beide Modelle haben rechts neben dem Yashica-Logo ein kleines rundes Fenster. Dahinter sitzt eine CdS-Zelle, und dieser Belichtungsmesser ist mit den Einstellrädern gekoppelt. Klappst du den Lichtschacht auf, schaltet er sich ein. Am Zeitenrad bewegt sich der eine Zeiger im Fenster oben auf der Kamera, am Blendenrad der andere, und liegen beide übereinander, stimmt die Belichtung. Klappst du den Schacht wieder zu, ist er aus.

Yashica Mat-124G mit schwarzem Gehäuse und goldenem G auf dem Typenschild

Die Mat-124G: schwarze Zierteile, Schriftzug „Mat-124“ mit goldenem G. Foto: Biswarup Ganguly, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Den Strom liefert eine 1,3-Volt-Quecksilberzelle, die es nicht mehr gibt (mehr dazu in Kapitel 3). Außerdem können beide neben 120er- auch 220er-Film, dafür wird die Andruckplatte umgestellt. Das Sucherobjektiv hat f/2,8, dazu kommt eine Fresnellinse im Sucher. An der linken Seite sitzt ein Zubehörschuh. Laut Anleitung wiegen beide 1.100 Gramm. Auseinanderhalten kannst du sie am schnellsten an der Farbe. Die 124 hat verchromte Zierteile und einen verchromten Schriftzug. Bei der 124G sind fast alle Zierteile schwarz, und das G ist golden abgesetzt. Was sonst noch anders ist, steht in Kapitel 2.

Wenn du die 124G erst einmal in Bewegung sehen willst: Arndt stellt sie auf seinem Kanal ausführlich auf Deutsch vor und nimmt sie danach mit auf einen Waldspaziergang.

Video: „Yashica Mat 124G - Review und Waldspaziergang“, Arndts analoge Abenteuer. Die Vorstellung der Kamera läuft in den ersten zwölf Minuten.

Die 635 mit Knopf und zweitem Filmformat

Yashica 635 mit Knopftransport, Blick auf die linke Seite

Die Yashica 635 hat keine Kurbel, sondern Knöpfe. Foto: Steve (Flickr: sids1), CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Die 635 lief von 1958 bis 1971 und gehört streng genommen nicht zur Mat-Linie, weil sie keine Kurbel hat. Nach jeder Aufnahme drückst du eine Freigabetaste und drehst den Transportknopf bis zum Anschlag, den Verschluss spannst du getrennt mit einem Hebel. Weil beides getrennt ist, verhindert nichts eine Doppelbelichtung. Einen Belichtungsmesser hat sie nicht. Bis August 1970 steckt ein einfacher Dreilinser namens Yashikor in der 635, erst die letzten Exemplare bekamen das Yashinon mit vier Linsen und das hellere Sucherobjektiv. Der Name verrät ihre Besonderheit: 6 für 6x6 auf Rollfilm, 35 für Kleinbild, und den Umbausatz dafür lieferte Yashica gleich mit. Wie das funktioniert, zeigt Kapitel 4.

Alle Modelle auf einen Blick

Modell Gebaut Belichtungsmesser Batterie Film Transport Zubehörschuh
Yashica-Mat 1957 bis Anfang 1970er keiner keine 120 Kurbel nein
Mat-LM ca. 1960 bis 1964 Selen, ablesen und übertragen keine 120 Kurbel nein
Mat-EM 1964 bis 1967 Selen, ablesen und übertragen keine 120 Kurbel nein
Mat-124 1968 bis 1970 CdS, mit Zeit und Blende gekoppelt 1,3 V, Größe PX625 120 und 220 Kurbel ja, seitlich
Mat-124G 1970 bis 1986 CdS, mit Zeit und Blende gekoppelt 1,3 V, Größe PX625 120 und 220 Kurbel ja, seitlich
635 1958 bis 1971 keiner keine 120 und Kleinbild (Umbausatz) Knopf, Verschluss getrennt spannen ja

Allen gemeinsam ist der Copal-Zentralverschluss mit Zeiten von 1 bis 1/500 s plus B und das Bajonett für Filter und Gegenlichtblende, das Bay I heißt (mehr dazu in Kapitel 5). Die Bauzeiten stammen von Paul Sokk, der auf yashicatlr.com Seriennummern von mehreren tausend Yashica-Zweiäugigen ausgewertet hat. Dort kannst du auch dein eigenes Exemplar anhand der Seriennummer datieren.

Und die anderen zweiäugigen Yashicas?

Bei der Suche tauchen noch einige Verwandte auf, die in diesem Vergleich nur am Rand vorkommen. Die Yashica D ist im Aufbau nah an der 635, nur ohne Kleinbild-Umbausatz: ebenfalls mit Knopf, ohne Belichtungsmesser und bis 1970 mit dem Dreilinser. Die Yashica A ist die einfachste von allen, mit Knopf und rotem Fenster auf der Rückwand, einem Verschluss von 1/25 bis 1/300 s und Aufsteckfiltern mit 32 mm statt Bay I. Die Yashica 44 belichtet 127er-Film im Format 4x4 und ist entsprechend kleiner. Den gekoppelten CdS-Belichtungsmesser der 124 haben schon die beiden seltenen Modelle Yashica 24 (1965 bis 1967) und Yashica 12 (1967 bis 1968). Die 24 war ursprünglich nur für 220er-Film gedacht, die 12 nur für 120er. Die Mat-124B schließlich wurde Anfang der Achtziger in Brasilien montiert und ist eine 124G ohne Belichtungsmesser.

Eine Namensfalle zum Schluss: Die Yashica LM von 1956 ist nicht die Mat-LM. Die ältere LM hat einen Knopf statt der Kurbel und ein einfacheres Objektiv. Steht in einer Anzeige nur „Yashica LM“, frag nach, ob eine Kurbel dran ist.

2. Was unterscheidet die 124 von der 124G?

Weniger, als der Preisunterschied beim Händler vermuten lässt. Leg die Originalanleitungen der Mat-124 und der Mat-124G nebeneinander. Du findest dasselbe Objektiv, denselben Copal-SV-Verschluss, denselben Messbereich von ASA 25 bis 400 und dieselbe Batterie, sogar Maße und Gewicht stimmen überein. Die Unterschiede stecken im Detail, und sie sprechen nicht alle für die jüngere.

Wofür das G steht

Yashica hat es in einem Prospekt von etwa 1970 selbst erklärt: Die Kontakte am Schalter des Belichtungsmessers sind vergoldet (im frühen 124G-Prospekt heißt es wörtlich „The meter switch contacts are finished in gold“). Dieser Schalter hängt am Lichtschacht und schaltet den Belichtungsmesser beim Aufklappen ein. Laut Paul Sokk wurde er für die 124G überarbeitet, weil der Schalter der 124 als unzuverlässig galt. Für dich heißt das: Zuckt bei einer 124 der Zeiger trotz frischer Batterie oder bleibt er ganz stehen, ist der Schalter der erste Verdächtige. Genau diesen Fall bespricht ein Thread im Classic Camera Repair Forum.

Wo die ältere 124 im Vorteil ist

Ausgerechnet bei den Dichtungen. Die 124 dichtet ihre Rückwand mit einem Garn ab, das nach fünfzig Jahren meistens noch hält. Bei der 124G hat Yashica auf Schaumstoff umgestellt, und der zerfällt mit der Zeit zu einer klebrigen Krümelmasse, die im schlimmsten Fall die Rückwand festklebt. Eine 124G ohne neue Dichtungen solltest du deshalb immer so einpreisen, als müsstest du sie noch neu abdichten. Auch der Batteriedeckel und der Verriegelungsknopf am Boden sind bei der 124 aus Metall, bei der 124G aus Kunststoff.

Wo die 124G im Vorteil ist

Innen hat die 124G wieder Lichtfallen, die Streulicht in der Kamera abfangen, und eine Rolle als Filmführung. Im Fokusknopf sitzt eine kleine Filmerinnerung, an der du einstellst, welcher Film gerade drin ist. Dazu kommt der überarbeitete Schalter am Lichtschacht. Der größte Vorteil ist aber schlicht die Menge: Die 124G wurde sechzehn Jahre lang gebaut, die 124 keine drei. Bei unserer Preiserhebung waren 61 von 80 deutschen Angeboten der ganzen Familie eine 124G, du hast also die größere Auswahl und findest leichter ein gutes Exemplar.

Zwei Mythen kannst du vergessen. Die 124G hat keine Plastikzahnräder, Paul Sokk hat in zerlegten Kameras keine gefunden, Kunststoff steckt nur in Anbauteilen wie dem Batteriedeckel. Und die Andruckplatte zum Schieben, mit der du zwischen 120er- und 220er-Film wechselst, ist kein Merkmal der 124G. Die Schiebeplatte kam schon im letzten halben Jahr der 124. Bei früheren 124 nimmst du die Platte heraus und setzt sie um 90 Grad gedreht wieder ein. Für dich spielt das ohnehin kaum eine Rolle, weil es 220er-Film heute kaum noch gibt.

Nebeneinander in der Hand zeigt ForesthillFilmLab die beiden Modelle, mit Verkleidung, Andruckplatte und Transportgeräusch im direkten Vergleich:

Video: „Yashica-mat 124 vs. 124G“, ForesthillFilmLab. Der eigentliche Vergleich beginnt nach knapp einer Minute, später folgen Filmeinlegen und Beispielbilder.

Geöffnete Rückwand einer Yashica Mat-124G mit eingelegtem 120er-Film

Blick in die Filmkammer einer 124G mit eingelegtem Rollfilm. Die Schaumstoffdichtungen der Rückwand müssen bei fast jeder 124G erneuert werden. Foto: Nesster, CC BY-SA 2.0 via Flickr, verkleinert

Welche soll es sein?

Privat kosten beide praktisch dasselbe: In unserer Erhebung lag die 124 bei einem Median von 330 Euro, die 124G bei 349 Euro, wobei es von der 124 nur fünf Angebote gab. Erst beim Händler liegt das G deutlich höher: Der finnische Händler Kamerastore nennt als Referenzpreis für eine geprüfte 124 rund 549 Euro, für eine 124G rund 749 Euro. Den Aufpreis rechtfertigt die Technik nicht. Kauf das bessere Exemplar, nicht den Buchstaben: Eine 124 mit intaktem Garn und funktionierendem Belichtungsmesser ist mindestens so gut wie eine 124G, und bei der 124G planst du neue Dichtungen ein.

3. Welche Yashica Mat braucht eine Batterie?

Nur die Mat-124 und die 124G, dazu die seltenen Modelle 24 und 12. Und auch bei ihnen versorgt die Batterie ausschließlich den Belichtungsmesser. Verschluss, Kurbel und Objektiv arbeiten rein mechanisch, eine 124G ohne Batterie fotografiert also genauso gut, du misst dann eben mit einem Handbelichtungsmesser oder einer App. Yashica-Mat, Mat-LM, Mat-EM und 635 brauchen überhaupt keine.

Yashica Mat-124G von vorn, an der linken Seite unten der Batteriefachdeckel

Das Batteriefach der 124G sitzt an der linken Seite unter dem Fokusknopf, verschlossen mit einem Schraubdeckel (hier mit unserem Ersatzdeckel). Foto aus unserem eigenen Bestand.

Was die Anleitung verlangt

Die Originalanleitung der 124G nennt eine Quecksilberzelle mit 1,3 Volt, „Mallory PX-13B, Eveready EPX-13 or equivalent“, die der 124 dieselbe Zelle. Dieselbe Baugröße kennst du heute als PX625 oder MR9, unter diesen Namen steht sie in Foren und Batterietabellen. Quecksilberzellen dürfen längst nicht mehr verkauft werden. Das Fach sitzt links unter dem Fokusknopf, der Minuspol zeigt nach innen. Bei der 124 ist der Deckel aus Metall und hat einen Schlitz für eine Münze. Bei den frühen 124G ist er aus glattem Kunststoff und wird mit dem Finger gedreht, ab etwa 1979 hat auch er einen Schlitz.

Eingeschaltet ist der Belichtungsmesser nur, solange der Lichtschacht offen steht. Klapp ihn zu, wenn du die Kamera weglegst, dann hält die Zelle deutlich länger.

Warum eine 1,5-Volt-Knopfzelle nicht reicht

Manche Kameras gleichen eine abweichende Batteriespannung über eine sogenannte Brückenschaltung aus, dann ist es egal, was im Fach steckt. Für die 124 und 124G gibt es dafür keinen Beleg. Alles spricht für eine einfache Schaltung, bei der die Batteriespannung direkt auf die Anzeige durchschlägt. Ken Nadvornick besitzt seine 124G seit den Siebzigern. Im Photrio-Forum schreibt er, dass jede Abweichung von 1,35 Volt die Anzeige verschiebt, seine Kamera mit der richtigen Spannung und nach dem Justieren aber genau mit seinen Handbelichtungsmessern übereinstimmt. Ein Nutzer in der Flickr-Gruppe zur Yashica Mat 124 hat das nachgemessen: Mit einer 1,35-Volt-Zelle lag seine Kamera innerhalb einer halben Blende an einem Handbelichtungsmesser, mit einer 1,5-Volt-Zelle klar daneben. Gebrauchtkameras weichen nicht immer in dieselbe Richtung ab, denn manche Vorbesitzer haben den Belichtungsmesser auf 1,5 Volt nachjustiert. Prüf deshalb jede gebrauchte 124 gegen eine App oder einen Handbelichtungsmesser, bevor du ihr einen Film anvertraust.

Auch mit der richtigen Zelle hat der eingebaute Belichtungsmesser Grenzen. Er misst einen breiten Mittenwert. Unter Lichtwert 8, also etwa in Innenräumen oder in der Dämmerung, ist er laut dem Reparateur Matz praktisch nicht mehr zu gebrauchen, so steht es in seinem Testbericht auf lichtgriff.de. Für Diafilm oder starkes Gegenlicht nimmst du ohnehin besser einen Handbelichtungsmesser.

Was heute ins Fach passt

Lösung Spannung im Betrieb Was du wissen musst
Zink-Luft-Zelle Typ 675 im Adapter ca. 1,35 bis 1,4 V günstig, in jeder Drogerie; trocknet nach dem Aktivieren in wenigen Wochen aus
Silberoxidzelle mit Spannungswandler im Adapter ca. 1,35 V lange Laufzeit; der Adapter senkt die Spannung per Elektronik ab, etwa der MR-9-Adapter von C.R.I.S. aus den USA
NiMH-Akku Varta V80H ca. 1,25 bis 1,30 V passt ohne Adapter, wiederaufladbar, braucht ein passendes Ladegerät; unter etwa 5 °C unzuverlässig
Alkaline oder Silberoxid ohne Anpassung 1,5 bis 1,55 V passt mit Distanzring mechanisch; ohne Umstellung in der Werkstatt liegt die Messung daneben

Zwei dieser Lösungen gibt es bei uns: den PX625-Adapter für Zink-Luft-Zellen (22,95 € mit sechs Zellen) und den V80H-Akku mit unserem USB-C-Ladegerät (49,95 €). Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.

Wer Zink-Luft-Zellen nutzt, kann einen Trick aus den Foren ausprobieren: Drei der vier Luftlöcher mit Klebeband abdecken, dann trocknet die Zelle langsamer aus. Ein Nutzer berichtet im oben verlinkten Photrio-Thread, dass eine so abgeklebte Zelle bei ihm fast drei Jahre durchhielt. Die ausführliche Abwägung aller Varianten mit Spannungskurven steht in unserem Ratgeber zum PX625-Problem. Fehlt an deiner 124 oder 124G der Batteriefachdeckel, gibt es dafür einen Ersatzdeckel (19,95 €). Wie der Wechsel an der 124G aussieht, zeigt unser kurzes Video:

Video: „How to Change Battery on a Yashica Mat 124G“, Ausgeknipst. Unter einer Minute, ohne Ton zu verstehen.

Es geht auch ganz ohne Adapter: Du kannst den Belichtungsmesser in einer Werkstatt auf 1,5 Volt umstellen lassen, dann läuft er mit einer normalen Knopfzelle und einem Distanzring. Genau das hat die Braunschweiger Werkstatt FFS+TriTec 2023 bei einer 124G gemacht, wie ein Besitzer im APHOG-Forum berichtet. Lohnt sich vor allem, wenn die Kamera ohnehin zur Wartung muss.

Oder ganz ohne eingebauten Belichtungsmesser

Viele Yashica-Besitzer messen gar nicht mit der Kamera, sondern mit einer Belichtungsmesser-App auf dem Handy oder einem kleinen Handbelichtungsmesser wie dem Sekonic L-208 Twinmate, der sich auch auf einen Zubehörschuh stecken lässt. Mit dieser Arbeitsweise ist die Batteriefrage erledigt, und die günstigeren Modelle ohne CdS-Zelle werden plötzlich zur ernsthaften Alternative. Bei LM und EM gilt ohnehin: Die Selenzelle braucht keine Batterie, ob sie nach sechzig Jahren noch richtig misst, verrät dir nur der Vergleich mit einem zweiten Belichtungsmesser.

4. Wie kommt Kleinbildfilm in die 635?

Die 635 ist die einzige zweiäugige Yashica, die ab Werk für zwei Filmformate gedacht war. Der Umbausatz für Kleinbild lag im Karton, der britische Importeur Photax warb damit, dass er im Kamerapreis enthalten ist. Aus einer normalen Kleinbildpatrone werden damit 36 Aufnahmen im Format 24x36. Weil der Film senkrecht durch die Kamera läuft, entstehen sie im Hochformat.

Geöffnete Yashica 635 mit eingesetztem Kleinbild-Umbausatz und Andruckplatte

Die 635 mit eingesetztem Umbausatz: Bildrahmen mit Transportzahnrad, daneben die zweite Andruckplatte mit der Aufschrift „120 or 35mm FILM“. Foto: Martinvl, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons, verkleinert

Zum vollständigen Satz gehören laut Anleitung ein Bildrahmen mit Transportzahnrad, eine eigene Andruckplatte, eine Aufwickelspule für Kleinbild, ein Adapter für die Patrone, ein Distanzring für den unteren Spulenzapfen und eine Maske für den Sportsucher. Der Wechsel läuft so ab:

  1. Die Rückspul-Entriegelung „R“ herausziehen und drehen, den Bildrahmen einsetzen, R wieder zurückstellen.
  2. Den Distanzring auf den unteren Spulenzapfen schrauben, die Patrone mit Adapter unten einsetzen, die Kleinbild-Spule oben, dann die Kleinbild-Andruckplatte einsetzen und die Rückwand schließen.
  3. Transportiert wird jetzt über den oberen Spulenknopf, nach jedem Bild drückst du die Kleinbild-Filmsperre. Das eigene Kleinbild-Zählwerk stellst du von Hand auf 1.
  4. Zum Zurückspulen R lösen und am unteren Spulenknopf drehen.

Wie das in der Hand aussieht, zeigt Ozzoy PhotOz Schritt für Schritt, samt der Perforationsbilder, die er danach ausprobiert:

Video: „The Experience – Yashica 635 35mm Kit & Sprocket Hole Photography“, Ozzoy PhotOz. Der Einbau des Umbausatzes beginnt nach gut anderthalb Minuten.

Welcher Ausschnitt belichtet wird, zeigt die Mattscheibe mit einem roten Rechteck und vier kurzen Strichen für den Parallaxenausgleich im Nahbereich. Im Alltag ist das langsamer als jede Kleinbildkamera. Der Reiz liegt woanders: Mit einer Kamera und zwei Filmformaten in der Tasche entscheidest du unterwegs, ob die nächste Rolle quadratisch wird oder Kleinbild.

Frag beim Kauf nach dem Umbausatz. Der Umbausatz besteht aus rund sieben Kleinteilen. Nach fünfzig Jahren fehlt oft eins, das hat auch der Blogger hinter chopsphoto erlebt. Prüf auch die Mattscheibe: Manche 635 haben eine getauschte Scheibe ohne das rote Kleinbild-Rechteck, dann fotografierst du im Kleinbild blind. Ohne Umbausatz bleibt eine Knopf-Yashica für 120er-Film, technisch nah an der Yashica D. Ist alles da, funktioniert das System gut: In der Flickr-Gruppe zur 635 bestätigen Besitzer, dass die Kamera auch im Kleinbild sauber bei jedem Bild stoppt. In unserer Erhebung lag die 635 privat bei einem Median von 205 Euro, geprüft beim Händler bei rund 299 Euro. Beim Händler ist sie damit das günstigste Modell dieses Vergleichs, privat liegt sie etwa gleichauf mit LM und EM. Die Angebote waren allerdings dünn gesät.

Kleinbild in der 124 oder 124G

Für die Kurbelmodelle ist kein Umbausatz von Yashica bekannt. Wer trotzdem Kleinbild durch eine 124G schicken will, zentriert die Patrone mit Adapterstücken in der 120er-Filmkammer. Der Film läuft dann ohne Schutzpapier durch die Kamera und wird über seine volle Breite belichtet. Heraus kommen Bilder mit sichtbarer Perforation, kein sauberes Kleinbildformat wie bei der 635. Weil das Schutzpapier fehlt, spulst du den Film am Ende im Dunkeln von Hand zurück. Ein Nutzer in der Flickr-Gruppe zur 124 beschreibt, wie er das in einem dunklen Schrank erledigt. Solche Adapterstücke gibt es von mehreren Anbietern, von uns etwa einen Adapter für Kameras mit normaler 120er-Spulenaufnahme (19,95 €). Saubere Bildabstände garantiert bei dieser Bastellösung niemand, die erste Rolle ist ein Versuch. Dazu passt unsere Suchermaske für die 124 und 124G (22,95 €), die im Sucher den Streifen markiert, den der Kleinbildfilm tatsächlich abbekommt.

5. Welches Zubehör passt auf die Yashica Mat?

Alle Yashica Mat, die 635 und die D tragen an beiden Objektiven dasselbe Bajonett für Filter, Deckel und Gegenlichtblenden. Dieses Bajonett heißt Bay I, Yashica selbst sprach vom 30-mm-Bajonett. Dasselbe Bajonett sitzt an der Rolleiflex T, an den meisten Rolleicords und an der Minolta Autocord, deshalb passt deren Zubehör auch an die Yashica und umgekehrt. Welche Rollei welches Bajonett hat, steht in unserer Übersicht der Bajonette Bay I bis III. Zwei Ausnahmen gibt es in der Familie: Die Yashica A nimmt 32-mm-Aufsteckfilter, und die Yashica 44 hat ein kleineres Bajonett mit 28,5 mm, das manche Händler ebenfalls Bay I nennen.

Zuerst eine Gegenlichtblende

Das Yashinon ist scharf, aber bei hellem Himmel und seitlichem Licht anfälliger für Streulicht als die Objektive der teuren Rolleiflex. Ian Grant, der Yashica und Rolleiflex nebeneinander nutzt, rät im Photrio-Forum deshalb, die Gegenlichtblende immer auf dem Objektiv zu lassen. Zum selben Ergebnis kommt Aivaras bei 35mmc: In der Auflösung hält seine 124G mit seiner Rolleiflex 2.8GX mit, bei Gegenlicht ist die Rollei klar kontrastfester. Original-Blenden von Yashica und Rollei tauchen gebraucht auf, daneben gibt es Nachbauten verschiedener Hersteller.

Gegenlichtblende mit Kaltschuh und aufgestecktem kleinem Belichtungsmesser am Aufnahmeobjektiv einer Yashica Mat

Gegenlichtblende für Bay I mit eingebautem Kaltschuh, darauf ein kleiner Belichtungsmesser. So bekommen auch Modelle ohne Zubehörschuh einen Platz für einen externen Belichtungsmesser. Foto aus unserem eigenen Bestand.

Aus unserer Fertigung passen auf alle Bay-I-Kameras eine Gegenlichtblende (24,95 €, mit Kaltschuh 34,95 €) und ein Doppeldeckel für beide Objektive (17,95 €). Für normale Schraubfilter gibt es eine Blende mit Filtergewinde für 39 oder 46 mm (24,95 €). Alles Weitere, vom Filteradapter bis zum Batteriedeckel, steht gesammelt auf unserer Seite für Yashica-Mat-Zubehör.

Vorsätze für Tele und Weitwinkel

Wechselobjektive hat keine Yashica Mat. Yashica bot stattdessen Vorsätze an, die paarweise auf Aufnahme- und Sucherobjektiv gesteckt werden. Laut Kyocera-Prospekt wird die Brennweite damit zu etwa 113 mm beziehungsweise 58 mm. Dazu kamen Nahlinsen in zwei Stärken. Heute sind die Sätze selten und nicht billig. Wie sie abbilden, zeigt der oben verlinkte Test bei 35mmc, und was es sonst an Original-Zubehör gab, listet Paul Sokk auf seiner Zubehörseite.

Zubehörschuh und Blitz

Die 124 und 124G haben an der linken Seite einen Zubehörschuh ohne Mittenkontakt. Der Blitz zündet über das Kabel an der Blitzbuchse, mit Elektronenblitz in Stellung X bei allen Zeiten bis 1/500 s, weil der Zentralverschluss im Objektiv sitzt. Steckst du einen kleinen Belichtungsmesser oder eine Wasserwaage in diesen Seitenschuh, zeigt das Zubehör zur Seite statt nach vorn. Für diesen Fall gibt es Winkeladapter, auch von uns als 90-Grad-Kaltschuh (21,95 €). Yashica-Mat, LM und EM haben gar keinen Schuh. Die Anleitungen sehen für den Blitz eine Schiene am Stativgewinde vor.

Eine hellere Mattscheibe?

Bevor du Geld in eine neue Scheibe steckst, lohnt sich ein Blick auf die alte. Oft ist der Sucher nur dunkel, weil der Spiegel verschmutzt ist oder sich Staub zwischen Fresnellinse und Mattscheibe gesammelt hat. Beides beschreibt auch Matz in seinem Testbericht. Wie Mattscheibe und Spiegel ausgebaut und gereinigt werden, zeigt ein ausführliches Video von Visuals by Kam. Im Vergleich mit Rolleiflex und Rolleicord fand ein Moderator im hobbyphoto-forum das Sucherbild der 124G sogar bis in die Ecken gleichmäßiger hell. Wer trotzdem aufrüsten will, findet bei Rick Olesons BrightScreen Nachrüstscheiben, die laut Kundenbewertungen auch in die 124G eingebaut wurden. Eine bebilderte Einbauanleitung für zweiäugige Kameras hat Emulsive.

6. Was eine Yashica Mat 2026 kostet

Für die Preise haben wir am 28. September 2026 alle Angebote auf Kleinanzeigen und bei eBay mit Standort Deutschland ausgewertet, Zubehör, Konvolute und Gesuche aussortiert und je Modell den Median gebildet. Gemeint sind Angebotspreise, gezahlt wird meist etwas weniger. Die Reihenfolge der Modelle ist belastbarer als der einzelne Euro, zumal es außer von der 124G jeweils nur eine Handvoll Angebote gab.

Modell Angebote Median mittlere Hälfte geprüft beim Händler
Yashica-Mat 4 225 € 194 bis 280 € 499 €
Mat-LM 2 189 € 164 bis 214 € 529 €
Mat-EM 3 179 € 172 bis 239 € 549 €
Mat-124 5 330 € 300 bis 369 € 549 €
Mat-124G 61 349 € 280 bis 399 € 749 €
635 4 205 € 199 bis 270 € 299 €

Angebotspreise Kleinanzeigen und eBay (Artikelstandort Deutschland), erhoben am 28.09.2026. Spalte „geprüft beim Händler“: Durchschnittspreis für den Zustand „Certified“ laut Modellseiten von Kamerastore in Helsinki, kein aktuelles Angebot.

Zwei Dinge fallen auf. Privat liegen 124 und 124G etwa gleichauf vorn, die alten Modelle ohne CdS-Zelle kosten etwa die Hälfte bis zwei Drittel. Beim Händler schrumpft der Abstand dagegen, dort kosten fast alle Kurbelmodelle zwischen 500 und 750 Euro. Bezahlt wird dort vor allem das geprüfte Exemplar. Eine Rolleiflex T mit vergleichbarem Vierlinser stand in denselben deutschen Angeboten übrigens bei einem Median von 624 Euro. Bei eBay bieten außerdem viele Händler aus dem Ausland an, vor allem aus Japan. Dort lag der Median für die 124G bei rund 370 Euro, dazu kommen Versand und bei Ware von außerhalb der EU Einfuhrabgaben.

Die Checkliste vor dem Kauf

Blick von oben in den geöffneten Lichtschacht einer Yashica-Mat LM auf die Mattscheibe

Blick in den Lichtschacht einer Mat-LM: Das Bild auf der Mattscheibe steht seitenverkehrt, oben sitzt die Skala der Selenzelle. Foto: shando., CC BY-SA 2.0 via Flickr, verkleinert

  1. Einen Testfilm durchkurbeln. Stoppt die Kurbel bei jedem der zwölf Bilder? Transportfehler bis hin zu überlappenden Bildern kommen bei gebrauchten Yashicas häufig vor und sind schwer zu reparieren, wie mehrere Besitzer im Photrio-Forum berichten. Bei langen Zeiten erst kurbeln, wenn der Verschluss abgelaufen ist.
  2. Alle Verschlusszeiten anhören. Die langen Zeiten ab 1 s müssen hörbar verschieden lang laufen. Hängt eine lange Zeit, deutet das auf ein verharztes Hemmwerk hin, dann ist eine Wartung fällig. Den Selbstauslöser nie in Stellung M benutzen, davor warnt schon die Anleitung.
  3. Das Aufnahmeobjektiv durchleuchten. Mit einer Taschenlampe von hinten durch das untere Objektiv schauen. Laut einer TLR-Werkstatt auf Reddit sitzen die typischen Fehler in der hinteren Linsengruppe: Schleier aus alten Verschlussfetten, Pilz, sich lösender Kitt. Kratzer im oberen Objektiv stören nur das Sucherbild.
  4. Den Belichtungsmesser prüfen (124 und 124G). Mit einer 1,35-Volt-Zelle und offenem Lichtschacht gegen eine App vergleichen. Ein toter Belichtungsmesser ist kein Grund, die Finger von der Kamera zu lassen, aber ein gutes Argument beim Preis.
  5. Dichtungen und Rückwand ansehen (124G). Krümeliger oder klebriger Schaumstoff muss raus, sonst fällt Licht auf den Film.
  6. Ins Batteriefach schauen. Ausgelaufene alte Zellen hinterlassen grüne Korrosion an den Kontakten. Und prüf, ob der Deckel noch da ist.

Wie so ein Durchgang an einer echten Yashica Mat aussieht, vom Verschlusszeiten-Test bis zum Blick durchs Objektiv, zeigt oldengguy in seinem Kamera-Check auf YouTube.

Was eine Wartung kostet und wer sie macht

Eine Yashica, die jahrzehntelang im Schrank lag, braucht fast immer eine Wartung, also Reinigen, Schmieren und Justieren, im Fachjargon CLA. Aktuelle deutsche Preise haben wir nicht gefunden. In Foren nennen Besitzer für 2025 und 2026 rund 300 bis 400 Dollar in den USA, in Großbritannien wurden für eine Mat-LM rund 250 Pfund angefragt. Die bekanntesten Spezialisten sind knapp: Mark Hama, früher im Yashica-Werk, war 2026 für mehrere Anfragende schwer zu erreichen. Der zweite bekannte Name, Bob Sara, ist laut Reddit auf rund zwei Jahre ausgebucht. In Deutschland hat FFS+TriTec in Braunschweig 2023 eine 124G samt neuer Dichtungen gewartet. Der Besitzer lobt im APHOG-Forum die saubere Arbeit, billig sei sie nicht gewesen.

Weitere Adressen findest du in unserer Übersicht der Reparaturwerkstätten und in der Werkstattliste von analoge-fotografie.net. Rechnest du eine private 124G und eine Wartung zusammen, landest du schnell in der Nähe eines geprüften Händlerexemplars. Ob sich die Wartung bei deinem Exemplar lohnt, hilft unser Artikel „Braucht jede kaputte Analogkamera ein CLA?“ abzuwägen.

7. 6x6-Negative digitalisieren

Zwölf quadratische Negative mit gut 5,6 cm Kantenlänge pro Rolle, das ist fast die vierfache Fläche eines Kleinbildnegativs. Genau diese Reserve willst du beim Digitalisieren nicht verschenken.

Winterliches Ufer in Toronto mit kahlem Baum vor blauem Himmel, quadratisches Farbnegativ

Sunnyside Beach in Toronto, aufgenommen mit einer Yashica Mat-124G auf Kodak Ektacolor PRO 160. Foto: 柳雩, CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons, verkleinert

Der bequemste Weg ist der Scan vom Labor, das deinen Film ohnehin entwickelt. Frag dort nach, in welcher Auflösung gescannt wird, und ob es für Mittelformat eine größere Stufe gibt. Welche Labore in deiner Nähe 120er-Film annehmen, zeigt unsere Karte der Filmlabore. Auch ein Flachbettscanner nimmt 120er-Film, wenn seine Durchlichteinheit für Mittelformat ausgelegt ist. Er ist aber langsam und holt aus dem großen Negativ meist weniger heraus, als drinsteckt.

Mehr Detail bekommst du, wenn du die Negative mit einer Digitalkamera und einem Makroobjektiv abfotografierst. Dafür brauchst du eine gleichmäßige Lichtquelle und einen Halter, der den Film plan hält. Solche Systeme bieten mehrere Hersteller an, etwa Valoi aus Finnland, und auch wir haben ein Scanner-Set für 120er-Film (ab 54,95 €). Wie sich die Systeme im Alltag unterscheiden, haben wir in einem eigenen Vergleich der Filmscanner-Sets gegenübergestellt.

Welche soll es werden?

Misst du ohnehin mit App oder Handbelichtungsmesser, nimm eine Yashica-Mat, eine LM oder eine EM. Du bekommst dasselbe Yashinon wie in der 124G, brauchst keine Batterie und sparst deutlich. Selbst die frühen Exemplare mit Lumaxar-Objektiv machen laut dem ausführlichen Test bei Casual Photophile kaum sichtbar andere Bilder. Du verzichtest dafür auf den Zubehörschuh und bei den meisten Exemplaren auf eine Spur Helligkeit im Sucher.

Willst du den Belichtungsmesser in der Kamera haben, nimm eine 124 oder 124G, und zwar das bessere Exemplar, nicht den besseren Buchstaben. Plane eine 1,35-Volt-Lösung oder die Umstellung auf 1,5 Volt in der Werkstatt ein, bei der 124G außerdem neue Dichtungen.

Willst du Mittelformat und Kleinbild aus einer Kamera, nimm eine 635 mit vollständigem Umbausatz und nimm in Kauf, dass Knopf und getrennt gespannter Verschluss langsamer sind als die Kurbel. Ein Besitzer auf Reddit hält den Knopf dafür für die zuverlässigere Mechanik.

Und gegen eine Rolleiflex?

Diese Frage kommt immer. Die ehrliche Antwort hängt von der Blende ab. Ein Fotograf, der eine 124G und eine Rolleiflex 3.5 mit Planar besitzt, schreibt auf Reddit, ab Blende 8 sehe er kaum noch einen Unterschied in der Schärfe. Bei Gegenlicht schlägt sich das Planar besser. Ein langjähriger Rollei-Besitzer im selben Thread sieht das Planar offen und in den Ecken klar vorn. Die Rolleiflex ist in der Bedienung geschmeidiger und solider gebaut, kostet aber auch deutlich mehr. Wer sich dafür interessiert, findet in unserer Rolleiflex-Kaufberatung die ganze Modellfamilie von der Rolleicord bis zur 2.8F. Den direkten Vergleich mit einer Rolleicord, der einfacheren Rollei-Linie, zeigt Kyle McDougall:

Video: „Rolleicord vs. Yashica Mat 124G | Which TLR should you buy?“, Kyle McDougall. Bau, Bedienung, Sucherbild und Bildqualität in eigenen Kapiteln.

Weiterlesen und weiterfragen

Die gründlichste Quelle zu allen zweiäugigen Yashicas ist die Seite von Paul Sokk, yashicatlr.com. Dort findest du die Modellgeschichte, Details zu Gehäuse und Zierteilen und eine Tabelle, mit der du dein Exemplar über die Seriennummer datierst. Eine neutrale Übersicht aller Kurbelmodelle hat camera-wiki.org. Die Originalanleitungen der Yashica-Mat, Mat-LM und Mat-EM liegen als PDF im Netz, die der 124, 124G und 635 sind oben in den Kapiteln verlinkt. Fragen zu einem konkreten Exemplar beantwortet dir die Flickr-Gruppe zur Yashica Mat 124(G) oder die Community auf r/AnalogCommunity.

In eigener Sache: Alles, was wir für die Yashica Mat fertigen, steht auf unserer Zubehörseite. Weitere Kaufberatungen von der Rollei 35 bis zur Mamiya findest du in der Übersicht unserer Ratgeber.

Quellen

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