Minox 35 EL vs. GT vs. ML vs. GT-E - der Ultimate Guide

Minox 35 EL vs. GT vs. ML vs. GT-E - der Ultimate Guide

Die Minox 35 ist die kleinste Vollformat-Kleinbildkamera ihrer Zeit: kompaktes Makrolon-Gehäuse, rund 190 g. Je nach Modell werden unterschiedliche Batterien benötigt, bei manchen Varianten ist die originale Zelle nicht mehr erhältlich. Dieser Guide erklärt, welches Modell passt und wie du die Kamera am Leben hältst.

Wer mich kennt, weiß: Die Minox 35 gehört zu meinen absoluten Lieblingskameras. Wir bei Ausgeknipst konstruieren Teile für Dutzende Kamerasysteme. Aber wenn ich ehrlich bin, gibt es eine Kamera, die ich immer wieder in die Tasche stecke, wenn ich privat unterwegs bin. Es ist keine Leica und keine Nikon. Es ist meine abgerockte Minox 35 GT (rechts im Bild).

Warum? Weil sie Ingenieurskunst im Westentaschenformat ist. 1974 hat Minox (vorher bekannt für Spionagekameras) damit die Fotowelt geschockt: Eine Vollformat-Kleinbildkamera, kleiner als viele Halbformatkameras und mit knapp 190 g nur etwa halb so schwer wie die damals schon sehr beliebte Rollei 35, dazu deutlich flacher in der Tasche. Das Tolle an der Minox 35 gegenüber der Rollei 35 ist: Das Objektiv verschwindet hinter einer Klappe, wenn die Kamera nicht in Gebrauch ist, und liegt so geschützt in der Tasche. Und weil das Gehäuse aus glasfaserverstärktem Makrolon besteht, wiegt die Kamera fast nichts.

Aber: Die Minox 35 konnte nur so klein werden, weil für die damaligen Verhältnisse eine Menge Elektronik darin steckt, und genau das macht sie leider auch recht fehleranfällig. Von den über 100 Minox 35, die mir seit der Gründung von Ausgeknipst durch die Hände gingen, waren schätzungsweise 50 % kaputt (etwa 30 % der kaputten konnten wir reparieren, denn meistens muss nur der Verschlussmagnet gereinigt werden).

Doch das kommt später. Erst einmal musst du dich für ein Modell entscheiden, und genau dabei hilft dieser Guide: das richtige Modell finden und es am Leben halten.

Früher nutzte die Minox die mittlerweile verbotene PX27-Quecksilberzelle. Mit unserem passgenauen Batterieadapter kannst du deine Kamera problemlos mit vier modernen SR44-Knopfzellen betreiben. Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.

Teil 1: Der Minox-Stammbaum (Welche soll ich kaufen?)

Es gibt unzählige Varianten, aber wir können sie grob in drei Familien einteilen. Hier ist der Überblick, damit du im Dschungel der Bezeichnungen durchblickst.

1. Die Klassiker (EL, GL, GT, PL)

Das sind die Modelle mit der typischen abfallenden Gehäuseoberseite und der Nadel im Sucher.

Minox 35 EL (1974): Die Urmutter. Zeitautomatik (du wählst die Blende, die Kamera die Zeit). Historisch wichtig, aber technisch noch roh (kein Gegenlichtschalter, kein Selbstauslöser).

Minox 35 GL (1979): Das Update. Bekam einen Gegenlichtschalter („2x“), der die Belichtung verdoppelt. Wichtiges Feature!

Minox 35 GT (1981): Der Bestseller und mein persönlicher Favorit. Hat alles, was die GL hat, plus Selbstauslöser. Das Objektiv ist das legendäre Color-Minotar 35 mm f/2.8. Scharf und kontrastreich, mit einem Charakter, den du auf den Bildern wiedererkennst.

Minox 35 PL (1982): Die „Program“-Version. Vollautomatik für Leute, die nicht über Blenden nachdenken wollen. Gut für Schnappschüsse, aber weniger kreative Kontrolle.

Achtung zur Stromversorgung: Diese Modelle liefen ursprünglich mit der Quecksilberbatterie PX27 (5,6 V). Die gibt es nicht mehr.

Die Lösung: Die Minox-Elektronik arbeitet mit einer Brückenschaltung und verträgt deshalb kleine Abweichungen bei der Spannung: Die 6 V aus vier SR44-Knopfzellen sind elektrisch kein Problem (warum keine LR44, steht unten bei den Bedienungshinweisen). Entscheidend ist der Batterieadapter, eine Hülse. Die Knopfzellen sind zu klein: Ohne Adapter bekommen sie keinen Kontakt oder verursachen sogar einen Kurzschluss. Unser PX27-Adapter nimmt die modernen Knopfzellen auf, verbindet sie korrekt und sorgt dafür, dass deine Minox wieder zuverlässig Strom bekommt. Alternativ kannst du die teurere Golden Power PX27 verwenden. Die hat aber weniger Kapazität als vier Knopfzellen und ist oft nur in Spezialgeschäften erhältlich.

Alle Infos zu Batterien und Bedienungsanleitungen findest du hier: Minox 35 Batterie- & Anleitungsübersicht

2. Die „Automatischen“ (ML, MB)

Ab 1985 wurde das Design etwas eckiger („Brikett-Form“).

Minox 35 ML: Für viele das beste Modell. Die ML bietet Programmautomatik und zusätzlich Zeitautomatik. Statt einer Nadel gibt es LEDs im Sucher. Außerdem hat sie einen „Exposure Lock“ (Messwertspeicher), extrem nützlich bei schwierigem Licht.

Minox 35 MB: Quasi eine ML, aber ohne Programmautomatik. Nur Zeitautomatik.

Stromversorgung dieser Serie: Die Modelle nutzen ab Werk die PX28-Batterie (6 V). Die ist heute schwerer zu finden als Standard-Knopfzellen, deshalb benötigst du unseren PX28-Adapter. Der Adapter ist eine einfache Hülse ohne Elektronik, in die vier einzelne, günstige SR44-Knopfzellen passen.

3. Die Modernen (GT-E, GT-S, MDC)

Ende der 80er gab es ein Update unter der Haube. Das Objektiv hieß jetzt „MC Minoxar“ (Mehrschichtvergütung) und hatte oft einen eingebauten Skylight-Filter.

Minox 35 GT-E (1988): Technisch sehr ausgereift. Naheinstellgrenze runter auf 70 cm (statt 90 cm). Robusteres Innenleben (die GT-S ist eine GT-E, die die Filmempfindlichkeit automatisch am DX-Code der Patrone abliest).

Minox 35 MDC: Die Luxusversion der ML mit titan-eloxiertem Aluminiummantel. Eher was für die Vitrine, aber wunderschön. Es gibt sie auch als vergoldete Sammlervariante (siehe Titelbild).

Batteriehinweis: Die Modelle GT-E und GT-S besitzen ein geändertes Batteriefach und nutzen ab Werk zwei CR 1/3 N Lithium-Batterien (je 3 V = 6 V). Hier wird kein Adapter benötigt. Die MDC (als ML-Derivat) nutzt die PX28 und benötigt unseren PX28-Adapter.

Teil 2: Kaufberatung (die Minox-Krankheiten)

Wenn du eine gebrauchte Minox 35 auf dem Flohmarkt oder bei eBay siehst, musst du drei Dinge prüfen. Sonst kaufst du Elektroschrott.

Der „Klick“-Test (Verschluss)

Das größte Problem der Minox 35 ist der Verschluss. Wenn die Kamera lange liegt, verharzen die Magnete oder die Elektronik gibt auf.

Der Test: Batterie rein, Frontklappe ganz aufklappen, Filmtransporthebel zweimal betätigen, Auslöser drücken. Du hörst ein „Klick“. Aber: Öffne die Rückwand, halte die Kamera gegen das Licht und schau von hinten durch das Objektiv. Öffnen sich die Lamellen wirklich? Oft klickt es zwar (der Auslösemagnet), aber der Verschluss bleibt zu. Wir haben das früher oft repariert, aber es ist fummelig.

Tipp zur Selbstreparatur: Wer sich zutraut, den Verschlussmagneten selbst zu reinigen, findet hier die Video-Anleitung: YouTube-Video: Verschlussmagnet reinigen.

Das ISO-Rad des Todes

Bei vielen GT und GL ist die Beschriftung des ISO-Rads an der Kameraunterseite einfach abgerieben. Du weißt nicht mehr, ob du ISO 100 oder 400 eingestellt hast. Das ist nervig, aber kein Totalschaden.

Die Lösung: Wir fertigen eine Ersatz-Plakette für das ISO-Rad, bei der die Zahlen graviert sind und nicht nur gedruckt. Einmal draufkleben, Ruhe haben.

Der verlorene Batteriedeckel

Klassiker. Die Dinger sind winzig und fehlen bei 30 % der gebrauchten Kameras. Ohne Deckel kein Stromkreis. Kein Stromkreis, kein Auslösen. Falls deiner fehlt: Wir haben Ersatzdeckel im Programm, die selbst elektrisch leitfähig sind und so den Kontakt sicherstellen.

 

Wichtige Bedienungshinweise

Drei Feinheiten, die jeder Minox-Neuling kennen muss, bevor er denkt, seine Kamera sei kaputt:

  • Doppelhub-Filmtransport: Der Filmtransporthebel muss bei der Minox 35 zwingend zweimal betätigt werden, um den Verschluss vollständig zu spannen. Nach nur einem Hub löst die Kamera nicht aus. So ist die Kamera gebaut.
  • Frontklappe = Hauptschalter: Die Elektronik bekommt erst Strom, wenn die Frontklappe zu 100 % aufgeklappt und eingerastet ist. Schon bei 99 % löst die Kamera nicht aus. Beim Aufklappen auf ein deutliches Einrasten achten.
  • SR44 statt LR44: Falls du einen unserer Adapter mit Knopfzellen nutzt, verwende unbedingt SR44 (Silberoxid) statt LR44 (Alkaline). Alkaline-Zellen verlieren kontinuierlich an Spannung, was bei der Minox mangels echter Spannungsregelung irgendwann zu Fehlbelichtungen führt. SR44-Zellen halten die Spannung bis zum Ende konstant auf 1,55 V.

Teil 3: Wie du bessere Bilder machst (Zone Focus!)

Die Minox 35 ist keine Point & Shoot mit Autofokus (außer die hässlichen späten AF-Modelle, über die wir hier nicht reden). Die Kamera hat Zonenfokus.

Du musst die Entfernung schätzen. Klingt gruselig? Ist es nicht.

  • Bei Blende 8 und Einstellung auf 3 Meter ist fast alles von 2 m bis 5 m scharf.
  • Bei Landschaft: Unendlich.
  • Bei Street: Blende 8, 3 Meter vorfokussieren („Snap-Focus“) und einfach abdrücken, wenn das Motiv in der Zone ist.

Der Auslöser ist fast geräuschlos, das macht die Minox zur Ninja-Kamera für Street Photography.

Welche Minox 35 ich dir empfehle

Brauchst du heute noch eine Minox 35? Ja. Es gibt kaum eine Kamera, die so viel Bildqualität pro Kubikzentimeter liefert. Meine besten Fotos sind mit der Minox 35 GT entstanden, einfach weil ich sie immer dabei hatte, wenn die große SLR zu schwer war.

Meine Empfehlung für Käufer:

Der Preis-Leistungs-Sieger: Die Minox 35 GT. Beste Balance aus Features und Verfügbarkeit.

Der Profi-Tipp (Upgrades): Die Minox 35 GT-E oder die MDC. Die GT-E bietet die besten optischen und technischen Upgrades (MC-Objektiv, 70 cm Naheinstellgrenze). Die MDC ist die einzige mit titan-eloxiertem Aluminiummantel: ein unzerstörbares Sammlerstück (aber teuer!). Die ML bietet zwar LEDs im Sucher, ist aber qualitativ nicht zwingend besser als eine gut erhaltene GT.

Falls du Zubehör brauchst, um dein Flohmarkt-Fundstück wieder fit zu machen, schau gerne bei uns im Shop vorbei. Wir haben uns darauf spezialisiert, diese Legenden am Leben zu halten.

Gut Licht! Euer Vladi

Nützliche Links aus dem Artikel:

Finde alle passenden Produkte, Filme und Adapter in unserer Minox-35-Übersicht.

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1 Kommentar

Ha sido un hallazgo encontrar esta vuestra página, gracias!!. Ahora la pregunta, tengo una 35 EL, está muy bien cosméticamente pero averiada (lo habéis descrito perfecto, suena el click pero no abre obturador); ¿es recomendable arreglarla o es mejor comprar otra (GT, ML)?

Francisco

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