Fünf Pentax-Spiegelreflexkameras nebeneinander, darunter MX und ME Super

Pentax ME vs ME Super vs MX: Welche kompakte Pentax passt zu dir?

Die Pentax ME, ME Super und MX teilen sich das gleiche kompakte M-Gehäuse, sind aber drei grundverschiedene Kameras: Die ME ist eine reine Zeitautomatik für alle, die nur fotografieren wollen. Die ME Super ergänzt manuelle Zeiten per Drucktasten und belichtet bis 1/2000 s. Die MX ist voll mechanisch, läuft auch ohne Batterie und hat das größte Sucherbild ihrer Klasse. Alle drei nutzen zwei handelsübliche SR44-Knopfzellen — kein Quecksilber-Problem, kein Adapter nötig.

Titelbild: Thomas Backa — CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Inhaltsverzeichnis

  1. Drei Kameras, ein Gehäuse — der Überblick
  2. Technische Daten im direkten Vergleich
  3. Bedienphilosophie: Automatik, Tasten oder Räder
  4. Der Sucher — das unterschätzte Kaufargument
  5. Batterie: SR44 rein, fertig (mit einer Falle)
  6. Schwachstellen und Gebraucht-Checkliste
  7. Welche passt zu dir? (Und warum die K1000 zu teuer ist)
  8. Objektiv-Empfehlungen für den Einstieg
  9. Zubehör und Digitalisieren

Drei Kameras, ein Gehäuse — der Überblick

1972 stellte Olympus die OM-1 vor und machte über Nacht alle anderen Spiegelreflexkameras dick und schwer. Pentax brauchte vier Jahre für die Antwort. Ende 1976 kamen ME und MX gleichzeitig auf den Markt — zwei Kameras im praktisch identischen Kompaktgehäuse, aber mit entgegengesetzter Philosophie.

Die ME war radikal: nur Zeitautomatik, keine manuellen Zeiten, nichts zum Verstellen außer der Blende. Die MX war das Gegenteil — voll mechanisch, voll manuell, gebaut als kleinere Alternative zur Profiklasse. 1979 schob Pentax die ME Super nach, die der ME manuelle Zeiten per Drucktasten und einen 1/2000-Verschluss spendierte.

Zur Einordnung, weil die M-Serie schnell unübersichtlich wird: Die MV und MG sind abgespeckte Budget-Automatiken, die ME-F von 1981 ist die erste Serien-Autofokus-SLR der Welt (technisch interessant, praktisch belanglos), und die LX von 1980 ist das wetterfeste Profi-Flaggschiff mit Wechselsuchern. Die K1000 gehört gar nicht zur M-Serie — sie ist größer, schwerer und schlichter, kostet aber dank ihres Rufs als Schulkamera inzwischen mehr als die technisch bessere MX. Dazu später mehr.

Kleiner als eine OM-1

Die ME misst 131 × 82,5 × 49,5 mm bei 460 g — in jeder Dimension ein paar Millimeter kleiner als die Olympus OM-1 und rund 60 g leichter. Die MX ist mit 135,5 mm Breite und 495 g minimal größer, bleibt aber flacher und niedriger als die OM-1. ME und MX gehören damit zu den kleinsten 35mm-Spiegelreflexkameras, die je gebaut wurden.

Technische Daten im direkten Vergleich

Pentax ME Pentax ME Super Pentax MX
Baujahre 1976–1979 1979–1984 1976–1984
Verschluss Seiko, Metall, vertikal, elektronisch Metall, vertikal, elektronisch Stoff, horizontal, mechanisch
Zeiten 8 s – 1/1000 4 s – 1/2000 1 s – 1/1000 + B
Blitzsync 1/100 1/125 1/60
Belichtung nur Zeitautomatik Zeitautomatik + manuell (Tasten) nur manuell
Sucher 0,97×, 92 % 0,95×, 92 % 0,97×, 95 %, 8 Wechselscheiben
Anzeige im Sucher Zeiten-LEDs Zeiten-LEDs 5 LEDs + Zeit und Blende ablesbar
Batterie 2× SR44/LR44 2× SR44/LR44 2× SR44/LR44
Ohne Batterie nur B + 1/100 nur B + 1/125 alle Zeiten, nur Messung tot
Maße (mm) 131 × 82,5 × 49,5 131,5 × 83 × 49,5 135,5 × 83,5 × 49,5
Gewicht (Body) 460 g 460 g 495 g
Motor Winder ME (1,5–2 B/s) Winder ME/ME II Winder MX (2 B/s), Motor Drive (5 B/s)
Gebrauchtpreis 2026* ca. 40–80 EUR ca. 60–120 EUR ca. 110–220 EUR

*Funktionsfähige, ungewartete Bodies auf dem EU-Gebrauchtmarkt; händlergeprüfte Exemplare mit Garantie liegen darüber. Alle drei nehmen jedes Pentax-K-Objektiv — von 1975 bis zu aktuellen Limited-Objektiven.

Ein Hinweis für alle, die Spezifikationen nachschlagen: Die englische Wikipedia listet für die ME die Maße der MX (Copy-Paste-Fehler). Die korrekten ME-Werte stehen oben.

Bedienphilosophie: Automatik, Tasten oder Räder

Pentax ME in Chrom mit SMC Pentax-M Objektiv
Die Pentax ME: keine manuellen Zeiten, kein Zeitenrad — nur Blende wählen und auslösen. Foto: Colleen, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Pentax ME — die konsequente Automatik

Die ME hat kein Zeitenrad. Du wählst die Blende am Objektiv, die Kamera wählt die Zeit — stufenlos zwischen 8 Sekunden und 1/1000. Das klingt nach Bevormundung, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich gut: Der mittenbetonte Messer trifft zuverlässig. CasualPhotophile hat es getestet und in über 72 Aufnahmen keine einzige Fehlbelichtung gesehen — ihr Fazit: „one of those rare values".

Wer Belichtung als Gestaltungsmittel nutzt, greift zur Belichtungskorrektur (±2 Blenden am Ring um die Rückspulkurbel). Mehr manuelle Kontrolle gibt es nicht. Genau das macht die ME zum Geheimtipp für alle, die einfach fotografieren wollen — und zum günstigsten Einstieg in die M-Serie.

Pentax ME Super — Automatik plus Tasten

Pentax ME Super in Chrom, Frontansicht mit Gehäusedeckel
Die ME Super: Automatik plus Drucktasten-Manuell — die flexibelste der drei. Foto: Martin Pettitt, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Die ME Super kann alles, was die ME kann, und dazu manuelle Zeiten von 4 s bis 1/2000. Eingestellt werden sie nicht per Rad, sondern über zwei Drucktasten neben dem Auslöser. Das ist der umstrittenste Designentscheid der ganzen Serie. Manche kommen sofort damit klar, andere nie. Hamish Gill von 35mmc störte sich am winzigen Entriegelungsknopf für den Moduswechsel und am fehlenden AE-Lock — sein Urteil: „Not for me, but a great camera regardless".

Unterm Strich ist die ME Super die flexibelste der drei. Wer nur eine M-Kamera besitzen will und sowohl Automatik als auch manuelle Kontrolle braucht, landet hier.

Pentax MX — die Mechanische

Pentax MX in Chrom, Frontansicht
Die MX: Zeitenrad statt Elektronik — läuft auch mit leerer Batterie. Foto: Jimby 99, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Die MX verzichtet komplett auf Elektronik im Verschluss. Zeitenrad oben, Blende am Objektiv, fünf LEDs im Sucher zeigen die Abweichung (grün = passt, orange = halbe Blende daneben, rot = eine ganze oder mehr). Die Batterie versorgt nur den Belichtungsmesser — die Kamera selbst läuft ohne.

Im Photrio-Forum bringt es Ian Grant auf den Punkt: „I have both but prefer the MX — it's a mechanical shutter so will keep working even if the battery goes flat. I also find it much quicker to use." Und CasualPhotophile nennt die MX „the Mazda Miata of 35mm SLRs … a street photography machine".

Hack: Zeitenrad im Sucherbetrieb

Das kleine MX-Zeitenrad ist am Auge etwas fummelig — das ist konstruktionsbedingt und kein Defekt. Trick aus der Community: Zeigefinger auf die Rändelung legen und das Rad mit dem Mittelfinger gegenhalten, statt es zwischen zwei Fingern zu drehen. Nach zwei Filmen sitzt der Griff.

Der Sucher — das unterschätzte Kaufargument

Auf dem Papier trennt die drei fast nichts: 0,95× bis 0,97× Vergrößerung. Am Auge trennt sie eine Welt.

Die MX zeigt 95 % des Bildfelds bei 0,97facher Vergrößerung — das größte und hellste Sucherbild der Klasse, größer als bei mancher Profikamera. Dazu kommen acht wechselbare Mattscheiben (die sie sich mit der LX teilt) und die Anzeige von Zeit und Blende im Sucher. Du siehst deine komplette Belichtung, ohne das Auge vom Motiv zu nehmen. Bei ME und ME Super siehst du nur die Zeit.

Ein ehrlicher Einwand aus dem Photrio-Thread: Die LED-Zeitenanzeige der ME Super ist bei wenig Licht leichter abzulesen als die kleinen LEDs der MX. Wer viel in Dämmerung fotografiert, sollte beide einmal ans Auge halten.

Batterie: SR44 rein, fertig (mit einer Falle)

Hier gibt es gute Nachrichten. Anders als bei den Klassikern der Quecksilber-Ära (Stichwort PX625) brauchen alle drei Pentax-Modelle schlicht zwei 1,5-V-Knopfzellen vom Typ SR44 oder LR44 — bis heute überall erhältlich, kein Adapter, keine Spannungskorrektur. Die Messschaltung arbeitet mit einer Brückenschaltung, der die exakte Zellspannung weitgehend egal ist.

Silberoxid (SR44) hält die Spannung bis kurz vor Schluss konstant und lebt deutlich länger als Alkaline (LR44). Nimm Markenzellen — ausgelaufene No-Name-Zellen sind eine der häufigsten Ursachen für korrodierte Batteriefächer bei Gebrauchtkameras.

Achtung: Die stille Fehlbelichtung der ME

Mit leerer Batterie schaltet die ME auf Automatik nicht ab — sie löst weiter aus, klingt völlig normal und belichtet trotzdem falsch. Du merkst es erst am entwickelten Film. Die ME Super und MX sind hier gutmütiger. Also: Bei der ME immer eine frische Zelle einlegen, bevor ein wichtiger Film durchläuft, und im Zweifel den Batterietest nutzen.

Schwachstellen und Gebraucht-Checkliste

Pentax MX Frontansicht mit SMC Pentax-M Objektiv
Nach 45+ Jahren zählt der Zustand des Einzelexemplars mehr als das Modell. Foto: Zefke, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Alle drei Kameras sind 40 bis 50 Jahre alt. Was dann zählt, ist weniger das Datenblatt als die Frage: Was geht kaputt, und was lässt sich retten?

ME und ME Super: der verharzte Spiegeldämpfer

Das bekannteste Problem der elektronischen Modelle sitzt im Spiegelkasten. Der Luftdämpfer des Spiegels enthält Gummiteile, die nach Jahrzehnten zäh werden und verkleben. Symptome: Der Spiegel bleibt oben hängen, läuft träge, oder nach längerer Pause passiert beim Auslösen erstmal gar nichts. Steve Roberts beschreibt es im Photrio-Forum drastisch: Die alternden Gummiteile verwandeln sich „steadily into goo". Die Reparatur ist machbar (iFixit dokumentiert den kompletten Spiegelkasten-Service), lohnt bei Bodypreisen von 40–100 EUR aber selten beim Fachbetrieb — eher ein Fall für Bastler oder für den Kauf eines besseren Exemplars.

Die ME Super hat zusätzlich zwei eigene Baustellen: Der Aufzugsmechanismus fällt bei viel genutzten Exemplaren gern aus (ein Forennutzer sammelt sie inzwischen: „They aren't worth repairing — I just buy another"), und oxidierte Kontakte am ASA-/Korrektur-Ring lassen die Anzeige sporadisch auf Extremwerte springen. Letzteres lässt sich oft durch mehrfaches Hin- und Herdrehen des Rings beheben.

MX: fast alles reparierbar

Die MX altert anders. Lichtdichtungen und Spiegelpuffer zerbröseln — Standard bei jeder SLR dieser Ära und für kleines Geld selbst zu beheben. Der mechanische Verschluss lässt sich warten wie ein Uhrwerk. Ein spezifisches, selteneres MX-Problem ist Ritzelverschleiß im horizontalen Verschluss, der eine ungleichmäßige Belichtung über die Bildbreite erzeugt („step exposure") — das erkennst du nur am Testfilm oder an einer gleichmäßig grauen Fläche bei 1/1000. Grundsätzlich gilt aber: Weil nichts Elektronisches sterben kann, ist die MX die langlebigste der drei. Ob sich ein voller Service lohnt, hängt vom Einzelfall ab — unser Artikel „Braucht jede kaputte Analogkamera ein CLA?" hilft bei der Entscheidung, und in der Werkstatt-Übersicht findest du Betriebe, die Pentax noch anfassen.

Checkliste für den Gebrauchtkauf

  1. Frische SR44 mitbringen. Ohne Batterie kannst du bei ME und ME Super fast nichts testen.
  2. Spiegel-Test (ME/ME Super): Zehnmal hintereinander auslösen, auch nach einer Minute Pause. Jeder Hänger, jedes träge Hochklappen = Dämpfer-Problem.
  3. Aufzug (ME Super): Mehrere Transportzyklen durchziehen — der Hebel muss sauber zurückfedern und der Auslöser danach spannen.
  4. Alle Zeiten durchschalten (MX): 1 s hörbar zählen, schnelle Zeiten gegen eine helle Fläche prüfen — der Schlitz muss gleichmäßig durchlaufen.
  5. Anzeige gegenprüfen: Messwert mit einer Handy-App oder bekannten Kamera vergleichen; bei der ME Super den ASA-Ring auf Kontaktprobleme testen (springt die Zeit wild, ist der Kontakt oxidiert).
  6. Lichtdichtungen und Batteriefach: Klebrige schwarze Krümel an der Rückwand sind normal und billig zu beheben; grüner Belag im Batteriefach ist ein Warnsignal für tiefere Korrosion.

Welche passt zu dir? (Und warum die K1000 zu teuer ist)

Schwarze Pentax MX neben einer 35mm-Filmpatrone als Größenvergleich
Größenreferenz: die MX neben einer Kleinbildpatrone. Foto: Bilby, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Du willst … Nimm die Warum
einfach fotografieren, kleinstes Budget ME Treffsichere Automatik, ab ~40 EUR — mehr Kamera pro Euro gibt es in der M-Serie nicht
eine Kamera für alles ME Super Automatik für unterwegs, manuell wenn es drauf ankommt, 1/2000 als Reserve
volle Kontrolle, Street, Zuverlässigkeit MX Mechanik ohne Elektronik-Risiko, bestes Sucherbild, läuft ohne Batterie
den Namen aus dem Fotokurs K1000 Ehrlich: lieber nicht — siehe unten

Zur K1000, weil die Frage immer kommt: Sie ist eine gute, unverwüstliche Kamera. Aber sie kostet gebraucht inzwischen 120–230 EUR — so viel wie die MX und mehr als die doppelt so gut ausgestattete ME Super. Dafür bekommst du weniger: keinen Selbstauslöser, keine Abschaltung des Messers, größeres und schwereres Gehäuse, Blitzsync identisch. Der Aufpreis ist reiner Namens-Hype aus zwanzig Jahren Fotokurs-Empfehlungen. Eine ME Super ist die klügere K1000, eine MX die bessere.

Unabhängige Stimmen aus der Community

Der Photrio-Thread „ME Super vs MX: most reliable?" ist die beste Sammlung von Langzeit-Erfahrungen:

  1. Zur MX: „The MX is a tank and the meter is excellent. Slide film or night shots are no problem." (Don Promillo)
  2. Zur ME Super: „The ME Super is prone to failure in the winding mechanism." (Jeff Bradford) — dagegen die Bildqualität: „excellent", nur die Tasten bleiben Geschmackssache (Michael W)
  3. Ausgleichende Sicht: „Which of these two cameras is more reliable? Neither." — beide sind alt, entscheidend ist der Zustand des Einzelexemplars (dynachrome)

Objektiv-Empfehlungen für den Einstieg

Alle drei Kameras nehmen jedes K-Bajonett-Objektiv. Für den Start haben sich vier SMC-Pentax-M-Objektive bewährt:

Objektiv Gebraucht ca. Einschätzung
SMC-M 50mm f/1.7 30–60 EUR Der Standard-Tipp. Ab f/2 durchgehend scharf, kompakt, solide gebaut — „for the price this lens is a banger"
SMC-M 28mm f/2.8 60–110 EUR Günstiges Weitwinkel mit ordentlicher Leistung — für Street und Reise
SMC-M 50mm f/1.4 80–140 EUR Eine halbe Blende mehr Licht, kontrastreicher Look — der Aufpreis lohnt nur für Offenblenden-Fans
SMC-M 40mm f/2.8 Pancake 150–450 EUR Kult-Objektiv, macht die kleine Kamera jackentaschentauglich — Nachfrage treibt den Preis

Faustregel: Body mit 50/1.7 kaufen, oft ist das Objektiv im Set fast gratis dabei. Das Pancake später nachrüsten, wenn dich das Format gepackt hat.

Zubehör und Digitalisieren

Das nützlichste Zubehör für eine 45 Jahre alte Pentax ist unspektakulär: frische Batterien, neue Lichtdichtungen, Deckel für Body und Objektive. Genau dafür fertigen wir Ersatz:

Und wenn die ersten Filme entwickelt sind: Selbst scannen ist der Punkt, an dem die Kosten pro Film drastisch fallen. Wie das komplette Setup aus Kamera, Filmhalter und Lichtquelle aussieht, erklärt unser Scanning-Guide.

Video-Tipps

Zwei sehenswerte Vergleiche und Reviews zur M-Serie:

Romping Bronco vergleicht ME Super und MX direkt — inklusive der Tasten-gegen-Rad-Frage.

David Hancock geht die MX im Detail durch — mit Beispielfotos und Praxistipps.

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