Kodak Ektar H35 Halbformatkamera in Sage-Grün mit aufgesetztem Objektivdeckel

Kodak Ektar H35 vs. H35N: der komplette Guide zur Halbformat-Linie von RETO

Die Kodak Ektar H35 und H35N sind Halbformatkameras. Sie belichten 18x24 mm statt 24x36 mm und holen damit 72 Bilder aus einem 36er-Film. Gebaut werden sie nicht von Kodak, sondern von RETO Production Ltd. in Hongkong als Markenlizenznehmer. Die H35N hat die bessere Optik, die ältere H35 die etwas hellere Blende. Und beim Entwickeln wird Halbformat in fast jedem Labor zum Sonderfall mit Aufpreis. Dieser Guide sortiert, was du vor dem Kauf wissen solltest und was danach schiefgehen kann.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wer baut die Kodak Ektar eigentlich?
  2. Was Halbformat im Alltag bedeutet
  3. Lohnt sich der Aufpreis zur H35N?
  4. Welchen Film du einlegen solltest
  5. Sechs Fehler, die dich einen halben Film kosten
  6. Wo du einen Halbformatfilm entwickeln lässt
  7. Wie du die kleinen Negative sauber digitalisierst
  8. Welches Zubehör es für die Ektar gibt
  9. Wann eine andere Kamera die bessere Wahl ist
  10. Fazit

Wer baut die Kodak Ektar eigentlich?

Auf der Kamera steht Kodak. Gebaut hat sie jemand anderes. Auf der offiziellen Produktseite von Kodak selbst steht der Satz im Kleingedruckten: „RETO Production Ltd. manufactures and sells this product. The Kodak trademark, logo and trade dress are used under license by RETO Production Ltd.“

Das ist keine Spitzfindigkeit. Wenn du ein Ersatzteil, eine Reklamation oder eine Kompatibilitätsauskunft brauchst, ist RETO in Hongkong dein Ansprechpartner, nicht Eastman Kodak. Es erklärt auch, warum die Kameras unter dem Kodak-Namen so unterschiedlich ausfallen: Sie sind Produkte eines eigenständigen Herstellers, der eine Marke lizenziert hat.

Fünf recht verschiedene Geräte laufen inzwischen unter diesem Label. Die Preise stammen aus dem offiziellen RETO-Shop, Stand August 2026.

Modell Was es ist Format Objektiv Herstellerpreis
Ektar H35 Wiederverwendbare Halbformatkamera 18x24 mm 22 mm f/9,5, Acryl 49,99 USD
Ektar H35N Überarbeitete Halbformatkamera 18x24 mm 22 mm f/11, Glas und Acryl 64,99 USD
EC35 Einfache Kleinbildkamera 24x36 mm Kunststofflinse 34,99 USD
Snapic A1 Motorisierte Kompaktkamera 24x36 mm 25 mm f/9,5, Glas-Triplet 99,00 USD
Charmera Digitale Schlüsselanhänger-Kamera digital, 1,6 MP fix 34,99 USD

Die Snapic A1 wird häufig mit der H35 verwechselt, weil beide vom selben Hersteller kommen und ähnlich retro aussehen. Sie ist aber eine Vollformatkamera mit motorisiertem Transport und einem echten Glas-Triplet, also ein anderes Gerät für einen anderen Zweck. Was sie kann und wo ihre Grenzen liegen, steht in unserem Test der Kodak Snapic A1. Kurz gesagt: mehr Kamera, mehr Geld, keine 72 Bilder.

Kodak Ektar H35 in Sage-Grün, schräg von oben fotografiert, daneben ein abgenommener Objektivdeckel und ein Filteradapter

Die Ektar H35 in der Farbe „Sage“. Zum Start gab es sie in fünf Farben: black, brown, sage, sand und off-white. Foto: Ausgeknipst

Was Halbformat im Alltag bedeutet

Eine normale Kleinbildkamera belichtet 24x36 mm quer. Eine Halbformatkamera belichtet 18x24 mm hochkant, also genau die halbe Fläche, um 90 Grad gedreht. Aus einem 36er-Film werden 72 Bilder, aus einem 24er-Film 48.

Drei Negativstreifen nebeneinander, links und rechts Halbformat mit kleinen hochkanten Einzelbildern, in der Mitte klassisches Kleinbild mit großen Querformat-Bildern

Links und rechts Halbformat, in der Mitte klassisches Kleinbild. Foto: Ashley Pomeroy, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Du hältst die Kamera anders. Wer ein Querformat-Bild will, muss die Ektar hochkant halten. Für Porträts und für alles, was ohnehin auf dem Handy landet, ist das eher ein Vorteil, denn Hochformat ist dort das Standardformat. Bei Landschaften ist es Gewöhnungssache.

Das Korn wird sichtbarer. Ein 18x24-mm-Negativ muss für dieselbe Bildgröße doppelt so stark vergrößert werden wie ein Kleinbildnegativ. In Postkartengröße merkst du davon nichts. Bei einem A3-Print schon.

Deine Bilder kommen paarweise. Auf dem Negativstreifen sitzen zwei Halbbilder nebeneinander an der Stelle, an der sonst ein Kleinbild sitzt. Viele Labore scannen sie deshalb als Paar. Wer das bewusst nutzt, fotografiert absichtlich Diptychen, also zwei Bilder, die zusammen eine Geschichte erzählen.

Halbformat spart weniger Geld, als die doppelte Bildzahl vermuten lässt. Die Filmkosten pro Bild halbieren sich tatsächlich, die Laborkosten aber nicht: Die fallen pro Film an, und darauf kommt noch der Halbformat-Aufschlag. Gerechnet mit einem Kodak Gold 200/36 (ab 7,99 € laut Geizhals) und Entwicklung samt Scan für 15,95 € landest du im Vollformat bei rund 0,67 € pro Bild. Im Halbformat sind es mit 5 € Aufschlag rund 0,40 €. Das sind rund 40 Prozent weniger, nicht die Hälfte.

Lohnt sich der Aufpreis zur H35N?

Die H35N kam 2023 als überarbeitete Version heraus. In Deutschland kostet sie rund 60 bis 69 Euro, die alte H35 rund 54 bis 57 Euro (Preisvergleich bei Geizhals, Stand August 2026). Hier stehen die Herstellerangaben beider Kameras nebeneinander, direkt von den offiziellen Produktseiten.

Ektar H35 Ektar H35N
Objektiv 22 mm, f/9,5 22 mm, f/11 (f/8 mit Blitz), vergütet
Linsenaufbau 2 Elemente, beide Acryl 2 Elemente, davon 1x Glas und 1x asphärisches Acryl
Verschluss 1/100 s 1/100 s, zusätzlich Bulb
Sternfilter nein eingebaut, per Hebel zuschaltbar
Stativgewinde und Kabelauslöser nein ja
Blitz eingebaut eingebaut
Strom 1x AAA Alkaline 1x AAA Alkaline
Material ABS ABS und Aluminium
Maße und Gewicht 110 x 62 x 39 mm, 100 g 110 x 62 x 39 mm, 110 g

Quellen: die offiziellen Produktseiten Ektar H35 und Ektar H35N bei RETO.

Der interessanteste Punkt dieser Tabelle wird in fast keinem Test erwähnt: Die neuere Kamera ist die dunklere. f/11 statt f/9,5 sind rund 0,4 Blendenstufen weniger Licht. Das Glaselement kauft dir Schärfe, nicht Helligkeit. Erst wenn du den Blitz einschaltest, springt die H35N auf f/8, und dann ist sie eine halbe Blende heller als die H35. Wer die neue Kamera überwiegend draußen ohne Blitz benutzt, arbeitet also mit etwas weniger Reserve als mit der alten.

Ob die zusätzliche Schärfe den Aufpreis wert ist, hängt von deinem Anspruch ab. My Favourite Lens beschreibt die Ergebnisse der H35N als überraschend nah an dem, was eine Kleinbildkamera liefert. Über die alte H35 urteilt Casual Photophile deutlich härter: starke Vignettierung, weiche Bildränder, wenig Kontrast, Bildqualität auf dem Niveau einer Einwegkamera. Beides kann stimmen. Es sind zwei verschiedene Ansprüche an dasselbe Genre.

Video: „Kodak Ektar H35 vs Kodak Ektar H35N - Comparison“ von 8storeytree. Beide Kameras nebeneinander, mit Beispielbildern aus derselben Situation.

Unsere Empfehlung, wenn das Geld keine große Rolle spielt: nimm die H35N. Sternfilter, Bulb-Funktion und Stativgewinde sind zusammen mehr wert als die 10 bis 15 Euro Unterschied, und der eingeschwenkte Sternfilter dient nebenbei als Objektivschutz. Wer sparen will oder eine gebrauchte H35 günstig bekommt, verpasst wenig: Die alte Kamera macht dieselbe Art von Bildern, nur etwas weicher. Bei einer Kamera, deren Reiz im Unperfekten liegt, ist das kein Ausschlusskriterium.

Zubehör lässt sich zwischen den beiden Modellen nicht tauschen. Die Gehäuse sind gleich groß, die Objektivfronten nicht. RETO schreibt zu den eigenen Farbfiltern aus dem H35N-Premium-Kit ausdrücklich „Filters do not fit on the H35 model“. Umgekehrt gilt dasselbe für Zubehör, das für die H35 konstruiert wurde. Nur die Unterwasserhülle von RETO passt laut Hersteller auf beide. Vor jedem Zubehörkauf also nachsehen, für welches der zwei Modelle es gemacht ist.

Welchen Film du einlegen solltest

Die Ektar hat keine Belichtungsmessung, keine Blendenwahl und keine ISO-Einstellung. Blende und Zeit stehen fest. Das einzige Stellrad, das dir bleibt, ist die Wahl des Films. Und der Blitzschalter.

Verschiedene analoge Filme auf einem Leuchttisch, darunter Schwarzweiß-Negative, Farbnegative und gerahmte Kleinbild-Dias

Foto: Friedrich Haag, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Was bei f/11 und 1/100 s in welchem Licht passiert:

Situation ISO 200 ISO 400 ISO 800
Praller Sonnenschein passt reichlich Reserve viel zu hell, aber unkritisch
Leicht bewölkt, heller Schatten knapp passt Reserve
Bedeckter Himmel zu wenig knapp passt
Tiefer Schatten, drinnen, Abend Blitz, sonst wird nichts daraus

Farbnegativfilm verzeiht Überbelichtung deutlich besser als Unterbelichtung. Deshalb ist die höhere Empfindlichkeit im Zweifel die sichere Wahl. Ein zu heller Negativfilm lässt sich beim Scannen zurückholen, ein zu dunkler nicht. ISO 400 deckt die meisten Situationen ab, ISO 200 reicht für einen Sommerurlaub, ISO 800 ist die Versicherung für Herbst und Innenräume.

Der YouTube-Kanal Anjroo hat nach über 400 Bildern mit beiden Ektar-Modellen die häufigsten Fragen dazu zusammengefasst. Er empfiehlt Empfindlichkeiten „between 200 and 400“ und ausdrücklich den günstigen Film statt des teuren, also Kodak Gold, Color Plus oder Fujifilm 400 statt Portra. Seine Warnung zur Belichtung ist knapp und trifft zu: „all of your pictures are probably going to come out darker than you think.“ Daraus folgt sein zweiter Rat, den Blitz viel häufiger zu benutzen als es sich anfühlt. Und wenn dir ein Motiv wichtig ist, löse einfach zweimal aus. Im Halbformat kostet dich das die Hälfte.

Wenn du selten fotografierst, nimm den 24er-Film. 72 Bilder klingen großartig, bis der Film ein halbes Jahr in der Kamera liegt und die Bilder vom letzten Sommer erst im Winter zurückkommen. Ein 24er-Film gibt dir 48 Halbbilder, immer noch doppelt so viele wie sonst. Dafür bist du in überschaubarer Zeit durch und siehst deine Ergebnisse, solange du dich an die Aufnahmen erinnerst.

Welcher Film für welchen Zweck taugt und was ISO im Detail bedeutet, steht in unserem Grundlagenartikel Analogfilm kaufen: welcher Film, welche ISO, welches Format. Wo du in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor Ort Film bekommst, zeigt unsere Karte der analogen Fotoläden.

Sechs Fehler, die dich einen halben Film kosten

Die Ektar hat wenige Bedienelemente, aber jedes davon kann dich Bilder kosten. Diese sechs Punkte tauchen in Tests und Community-Berichten immer wieder auf.

Näher als einen Meter herangehen. Die Kamera hat Fixfokus. Alles unter einem Meter wird unscharf, und die große Schärfentiefe rettet dich dort nicht mehr. Selfies mit ausgestrecktem Arm sind grenzwertig, Selfies mit angewinkeltem Arm sind verloren.

Dem Sucher glauben. Der Sucher ist ein Loch im Gehäuse, kein Messsucher, und er zeigt einen anderen Ausschnitt als das Objektiv. Gregory Gross beschreibt es so: „The viewfinder's field of view is a bit smaller than what actually gets captured on film.“ Je näher das Motiv, desto größer der Versatz. Wer ein Vordergrundelement bewusst platzieren will, sollte damit rechnen, dass es woanders landet.

Den Blitz zu selten benutzen. Das ist der häufigste Grund für schwarze Bilder. Die Blitzreichweite liegt bei etwa einem bis drei Metern, für Gruppenbilder aus fünf Metern reicht sie nicht. Er braucht außerdem einen Moment zum Laden. Erst wenn die Kontrollleuchte hell ist, ist er bereit.

Bei 1/100 s wackeln. Eine feste Verschlusszeit von 1/100 s ist nicht schnell. Kamera ans Gesicht, Ellenbogen an den Körper, ausatmen, dann auslösen. Das klingt banal und ist trotzdem die Ursache für die meisten weichen Bilder.

Die Kamera ungeschützt in die Tasche werfen. Hier gehen die Erfahrungen auseinander, und das gehört dazugesagt. Der Tester von ExpertPhotography berichtet, der Auslöser brauche einen tiefen Druckpunkt und sei ihm nie von allein losgegangen: „it never went off while in my camera bag.“ Bei uns melden Kundinnen und Kunden regelmäßig das Gegenteil, vor allem wenn die Kamera lose zwischen Schlüsseln und Kopfhörern liegt. Unabhängig davon bleibt die Linse ungeschützt, und Acryl verkratzt schneller als Glas.

Kodak Ektar H35 in Olivgrün mit aufgesetztem schwarzem Objektivdeckel, der auch den Auslöser mit abdeckt

Wer eine H35N hat, kann ihren Sternfilter als improvisierten Objektivschutz vorziehen. Genau so macht es der Kanal Anjroo in seinem Video. Bei der H35 gibt es diese Möglichkeit nicht. Foto: Ausgeknipst

Den Sternfilter vergessen. Das betrifft nur die H35N. Der Filter hat keine auffällige Anzeige, und wenn er versehentlich eingeschwenkt bleibt, sitzt ein Stück Kunststoff vor dem Glaselement. Damit ist genau der Vorteil verschenkt, für den du bezahlt hast. Shoot It With Film nennt das ausdrücklich als Schwachpunkt der Konstruktion.

Video auf Deutsch: „analoge Fotografie | Die perfekte Kamera für Anfänger? | Kodak Ektar H35“ von shhluu. Zeigt Handhabung und Ergebnisse aus Sicht einer Einsteigerin.

Wo du einen Halbformatfilm entwickeln lässt

Das ist der Teil, den fast niemand vor dem Kauf bedenkt, und der Teil, der am häufigsten schiefgeht. Entwicklungsmaschinen und Scanner sind auf 24x36 mm eingestellt. Ein Halbformatfilm hat doppelt so viele, halb so große Bilder an ungewohnten Positionen, und das muss die Software erst einmal mitmachen.

Im Drogeriemarkt ist es Glückssache. Im APHOG-Forum fällt die Bilanz nüchtern aus: „es läuft alles auf Fragen und/oder Glückspiel hinaus“. Die Filme gehen von dm und Rossmann an große Zentrallabore weiter, und ob dort jemand den handschriftlichen Vermerk „Halbformat“ liest, entscheidet über das Ergebnis. Es gibt Berichte, in denen alles gut lief, und Berichte, in denen die Halbbilder einzeln und schief abgezogen wurden.

Fachlabore können Halbformat, verlangen aber einen Zuschlag. Sie müssen die Filme anders behandeln, und das steht bei den meisten offen in der Preisliste. Ein paar konkrete Zahlen, Stand August 2026:

Labor Basis, Kleinbild mit Entwicklung und Scan Halbformat
blFOTO (DE) 15,95 € in Größe L „Bei Halbformat, Panorama und Sonderformaten berechnen wir 5 € Aufschlag pro Film.“
Fotospeed (AT) 15,00 € „Aufpreis für Kleinbild-Halbformat (Negativformat 18x24 mm): 8,00 €/Film“
Spieker Film Lab (DE) ab 12,50 € „Halbformat bitte mit XL buchen, dort könne wir knapp 16mpx scannen.“
MeinFilmLab (DE) siehe Preisliste Halbformat nicht gelistet, vorher anfragen

Ein Satz auf der Filmtasche spart dir den Ärger. Schreib „Halbformat 18x24 mm, bitte einzeln scannen, nicht paarweise“ auf die Tüte oder ins Bestellformular und frag beim ersten Mal kurz nach, bevor du drei Filme auf einmal wegschickst. Ein Testfilm bei einem neuen Labor ist billiger als 72 Bilder, die als 36 Doppelbilder zurückkommen.

Karte von Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Markierungen für über hundert aktive Filmlabore

Ausschnitt aus unserer Laborkarte. Screenshot: Ausgeknipst, Kartendaten von OpenStreetMap-Mitwirkenden

Wir pflegen eine Übersicht aller aktiven Filmlabore im deutschsprachigen Raum mit Versand- und Vor-Ort-Filter: Film entwickeln lassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Worauf du bei der Auswahl sonst noch achten solltest, steht in Das richtige Fotolabor finden.

Wie du die kleinen Negative sauber digitalisierst

Hier steckt die zweite Falle. Wenn ein Labor einen „Scan in Größe L“ anbietet, meint es meistens eine feste Pixelzahl für ein Kleinbildnegativ. Dein Halbbild ist halb so groß und bekommt in derselben Scanstufe entsprechend weniger Pixel. Daher der Hinweis von Spieker Film Lab, Halbformat gleich in XL zu buchen. Erst dann landen knapp 16 Megapixel auf dem kleinen Bild.

Weg Auflösung beim Halbbild Aufwand Kosten
Labor-Standardscan gering, oft unter 4 MP keiner im Preis enthalten
Labor-Großscan als XL oder TIFF gut, um 16 MP keiner Aufpreis pro Film
Flachbettscanner mit Durchlichteinheit mittel, Schärfe begrenzt hoch, sehr langsam Gerät ab etwa 150 €
Abfotografieren mit Digitalkamera hoch, abhängig vom Sensor einmaliger Aufbau vorhandene Kamera plus Halterung

Bei 72 Bildern pro Film wird das Abfotografieren schnell zum pragmatischsten Weg, sobald du regelmäßig fotografierst. Der Aufbau kostet einmal Zeit, danach ist ein Film in wenigen Minuten durch. Der Haken liegt im Einstieg, weil Kamera, Makroobjektiv, Lichtquelle und eine plane Filmhalterung zusammenpassen müssen.

Aufbau zum Abfotografieren von Negativen mit einer Digitalkamera auf einem Reprostativ über einer flachen Filmhalterung

Ein typischer Aufbau zum Abfotografieren von Negativen. Foto: Ausgeknipst

Wie so ein Aufbau im Detail funktioniert, welche Fehler dabei die Schärfe kosten und was die einzelnen Komponenten leisten müssen, steht in unserem Guide Film mit der Digitalkamera scannen. Wer lieber im Labor scannen lässt, kann das ohne schlechtes Gewissen tun. Bei Halbformat ist die Scanstufe wichtiger als der Weg.

Welches Zubehör es für die Ektar gibt

Offenlegung vorweg: Wir stellen selbst Zubehör für die Ektar H35 her und verdienen daran. Deshalb hier zuerst, was es sonst noch gibt.

Vom Hersteller selbst. RETO bietet eine Unterwasserhülle bis 5 Meter für 17,99 USD an, die auf beide Modelle passt. Das Premium Kit der H35N für 89,99 USD enthält zusätzlich einen Kabelauslöser und zwei Farbfilter, die allerdings nur auf die H35N passen. Tasche und Trageriemen liegen beiden Kameras ab Werk bei.

Was serienmäßig fehlt. Beide Kameras kommen ohne Objektivdeckel. Bei der H35N kannst du den eingeschwenkten Sternfilter als Notlösung nehmen, bei der H35 gibt es gar nichts. Ein Filtergewinde hat ebenfalls keine der beiden. Wer mit Farb-, Effekt- oder UV-Filtern arbeiten will, braucht also einen Adapter.

Was wir dazu beitragen. Genau diese zwei Lücken schließen unsere Teile, und zwar für die H35, nicht für die H35N. Der Objektivdeckel Pro deckt zusätzlich Sucher und Auslöseknopf ab und blockiert den Auslöser dadurch physisch. Der Filteradapter nimmt handelsübliche 30,5-mm-Filter auf, also die kleine, gut verfügbare Standardgröße.

Nahaufnahme des Objektivs einer grünen Kodak Ektar H35 mit aufgeschraubtem 30,5-Millimeter-Filter auf dem Adapter

Ein handelsüblicher 30,5-mm-Filter auf der H35. Foto: Ausgeknipst

Unsere Teile sind für die H35 konstruiert, nicht für die H35N. Bei der H35N sitzt vor der Linse der Mechanismus des Sternfilters, die Front ist also anders gebaut. Wir haben die Passform dort nicht geprüft und behaupten deshalb nichts. Wenn du eine H35N hast und unsicher bist, frag lieber kurz nach. Das ist billiger als eine Rücksendung.

Ob du das brauchst, entscheidest du. Wenn dir der Auslöser noch nie von allein losgegangen ist und du die Kamera ohnehin in ihrer mitgelieferten Tasche transportierst, brauchst du weder Deckel noch Adapter. Der Adapter lohnt vor allem dann, wenn du mit Farbfiltern oder einem Diffusor experimentieren willst. Bei fester Blende und fester Zeit ist der Filter die einzige kreative Stellschraube, die dir noch bleibt.

Wann eine andere Kamera die bessere Wahl ist

Die Ektar-Linie hat einen engen Einsatzbereich: helles Licht, kurze Distanzen, kein Anspruch auf Kontrolle. Wer sich in einem der folgenden Sätze wiedererkennt, sollte woanders schauen.

„Ich will Halbformat, aber mit einer richtigen Kamera.“ Die Pentax 17 ist die einzige neu gebaute Halbformatkamera mit Belichtungsautomatik, Zonenfokus und einem lichtstarken 25-mm-f/3,5-Objektiv. Sie kostet in Deutschland ab rund 449 Euro (Geizhals), also das Sechs- bis Achtfache der Ektar. Dafür fotografiert sie auch bei bedecktem Himmel ohne Blitz.

Pentax 17 Halbformatkamera in Dark Silver mit Objektiv, Zonenfokus-Hebel und Aufzugshebel

Foto: MIKI Yoshihito, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Video: „Film Wars: Pentax 17 vs Kodak Ektar H35N“ von Amateur Photographer TV. Der direkte Vergleich zwischen teurer und billiger Neuentwicklung im Halbformat.

„Ich will Halbformat, aber günstig und aus Metall.“ Der Gebrauchtmarkt ist voll mit Halbformatkameras aus den Sechzigern. Die Olympus Pen EE-Serie ist die bekannteste, dazu kommen Canon Demi, Ricoh Auto Half, Yashica Half 17 und die russische Agat 18k. Viele davon haben eine Belichtungsautomatik und ein lichtstärkeres Objektiv als jede Ektar. Bezahlt wird das mit dem üblichen Gebrauchtrisiko: verharzte Verschlüsse, tote Selenzellen, poröse Lichtdichtungen. Eine gute Übersicht liefert analog.cafe mit „10 Half-Frame Film Cameras for Under $500“.

Olympus Pen EE-2 Halbformatkamera aus den Sechzigerjahren mit Selenzellen-Ring um das Objektiv

Olympus Pen EE-2, der Klassiker unter den Halbformatkameras. Foto: Banffy, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Worauf du beim Gebrauchtkauf achten solltest, damit aus dem Schnäppchen kein Reparaturfall wird, steht in Gebrauchte Analogkamera kaufen: wo suchen, was prüfen, was zahlen.

„Mir ist Halbformat egal, ich will einfach eine kleine Kamera.“ Dann ist eine gebrauchte Kompaktkamera aus den Neunzigern fast immer die bessere Wahl. Olympus AF-10, Minolta AF-E, Canon Sure Shot und Dutzende ähnliche Modelle haben Autofokus, Belichtungsautomatik und Blenden um f/2,8 bis f/3,5. Sie lassen also drei bis vier Blendenstufen mehr Licht durch als eine Ektar. Für 40 bis 80 Euro bekommst du damit ein deutlich flexibleres Gerät, allerdings ohne Garantie.

„Ich will etwas Neues mit mehr Anspruch.“ Neben der Snapic A1 aus demselben Haus ist die Lomo MC-A der zweite ernstzunehmende Neuzugang der letzten Jahre, mit Autofokus, manueller Kontrolle und Metallgehäuse, aber auch zu einem ganz anderen Preis. Unsere Einschätzung dazu steht im Technik-Check der Lomo MC-A.

Yashica Half 17 Halbformatkamera aus den Sechzigern in Chrom und Schwarz

Yashica Half 17, gebaut um 1965. Foto: Thomas Backa, CC0 via Wikimedia Commons

Fazit

Die Ektar H35 und H35N sind keine guten Kameras im technischen Sinn, und sie geben auch nicht vor, welche zu sein. Sie sind billig, leicht, robust genug für den Rucksack und liefern bei Sonne Bilder, die aussehen, wie viele Leute sich analoge Fotografie vorstellen. Die 72 Bilder pro Film senken die Hemmschwelle, überhaupt auszulösen. Bei einer Kamera zum Mitnehmen ist das mehr wert als eine bessere Optik.

Wer eine kauft, sollte drei Dinge einplanen: einen Film mit ISO 400, den Blitz häufiger als erwartet und ein Labor, das Halbformat kann. Wer bei bedecktem Himmel ohne Blitz scharfe, kontrollierte Bilder will, steckt das Geld besser in eine gebrauchte Kompaktkamera oder in die Pentax 17.

Die laufend gepflegte Sammlung zum Thema Halbformat steht beim Half Frame Club, inklusive einer eigenen Besprechung der H35. Unser Zubehör für die H35 findest du im Shop, die übrigen Kaufberatungen und Anleitungen in der Blog-Übersicht. Wenn du eine H35 oder H35N besitzt und etwas herausgefunden hast, das hier fehlt, schreib uns. Diese Guides leben davon, dass Leute korrigieren, was wir übersehen haben.

Quellen

Euer Vladi

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