Kodak Snapic A1 Test & Erfahrungen: Hoffnungsträger oder der nächste Plastikbomber?

Kodak Snapic A1 Test & Erfahrungen: Hoffnungsträger oder der nächste Plastikbomber?

Für das Geld einer neuen Kodak Snapic A1 bekommst du gebraucht eine Olympus AF-10 mit Autofokus, die wesentlich mehr Licht durchlässt, und hast noch etwas übrig. Trotzdem lohnt der Blick, denn endlich steckt wieder eine echte Glaslinse in einer neuen Einsteigerkamera, ein Triplet im vollen Kleinbildformat, das laut ersten Tests ordentlich scharf zeichnet. Dann kommt der Haken. Die Blende steht fest auf f/9.5, und an der Belichtung kannst du sonst nichts einstellen, keine Zeit, keine ISO: In der Sonne reicht das Licht, sonst hilft nur der Blitz oder ein empfindlicher Film. Dieser Artikel wägt ab, ob dir das reicht oder ob du mit einer gebrauchten Kompakten besser fährst.

Als Hersteller von Zubehör für die analoge Foto-Community sind wir daran interessiert, dass auch in Zukunft neue Analogkameras gebaut werden. Wenig kommt an die mechanische Qualität der Spiegelreflex- und Messsucherkameras aus der goldenen Analogzeit heran, aber gerade Neueinsteiger brauchen leicht erhältliche und zuverlässige neue Kameras.

Jetzt gibt es endlich Fakten: Nach der Lomo MC-A ist nun auch die Kodak Snapic A1 (vom Lizenznehmer RETO) da. Grundsätzlich ist das ein positives Signal für uns alle, denn neue Kameras sichern langfristig die Nachfrage nach Film. Wir haben uns die technischen Daten und die ersten Reviews genauer angesehen.

Was die technischen Daten hergeben

Kodak Snapic Lens

Das Teaservideo auf Instagram verriet bereits das Wichtigste: Verbaut ist eine 25-mm-Glaslinse (ein Triplet aus drei Linsen), und die Kamera belichtet im Vollformat (36x24mm). Das ist der entscheidende Unterschied zu den üblichen „Reusable“-Kameras, die oft nur eine einfache Kunststofflinse haben. Die Schärfe ist laut ersten Tests tatsächlich ordentlich, deutlich besser als der typische „Lomo-Look“.

Aber hier kommt unser Kritikpunkt:

Die Kamera arbeitet mit einer fixen Blende von f/9.5 und einer fixen Verschlusszeit von 1/100 Sekunde. Es gibt keine ISO-Einstellung. Das bedeutet: Die Kamera ist eine simple Knipse ohne Belichtungseinstellungen, mit Glaslinse und zum Nachladen.

Für den Preis von knapp 100 € (bzw. 99 $) solltest du dir das gut überlegen. Auf dem Gebrauchtmarkt bekommst du für deutlich weniger Geld Kameras wie eine Olympus AF-10, Minolta AF-E, Canon Sure Shot Max oder diverse Point-and-Shoots, die eine Blende von f/2.8 oder f/3.5 haben. Diese lassen wesentlich mehr Licht durch und haben oft variable Verschlusszeiten. Mit der f/9.5-Blende der Snapic bist du extrem auf Sonnenlicht angewiesen, oder du musst dauernd blitzen. Ein hochempfindlicher Film (z.B. ISO 800) gleicht einen Teil davon aus, der Spielraum bleibt bei f/9.5 und 1/100 s aber klein.

Was bringen Zonenfokus und OLED-Display?

Snapic Zone Focus

Fokussiert wird nach Zonen (0,5 m bis 1,5 m für Porträts, 1,5 m bis Unendlich für Landschaft). Physikalisch betrachtet ist das bei 25mm Weitwinkel und der winzigen Blende jedoch unkritisch. Die Schärfentiefe ist so groß, dass kaum ein Bild unscharf wird.

Interessant ist das OLED-Display auf der Oberseite. Laut den ersten Reviews ist es nützlicher als gedacht:

  • Es zeigt den Bildzähler und Blitzmodi an.
  • Praktisch: Die Kamera merkt sich die Blitzeinstellung beim Ausschalten, du musst den Blitz nicht jedes Mal neu einstellen.
  • Es zeigt den Doppelbelichtungsmodus an, der über einen eigenen Schalter läuft, eine nette Spielerei.

Achtung: Reviews zeigen mit Blitz einen sehr starken Lichtabfall (Flash Falloff: Was nah an der Kamera ist, wird hell, alles dahinter bleibt dunkel). Das musst du mögen.

Lomo MC-A gegen Kodak Snapic A1

Parallel zur Snapic sorgt die neue Lomo MC-A für Furore. Hier sehen wir zwei völlig unterschiedliche Ansätze. Die Lomo MC-A kostet mit ca. 550 € zwar das Fünffache, ist aber dafür eine „richtige“ Kamera:

  • Lichtstarkes 32mm f/2.8 Minitar-II Objektiv.
  • Echter Autofokus (LiDAR).
  • Manuelle Kontrolle über Blende und Fokus möglich.
  • Massives Metallgehäuse statt Kunststoff.
  • Komplett manueller Filmtransport (Aufzugshebel/Kurbel).
  • Aufladbarer CR2-Akku, Laden per USB-C.

Wer ernsthaft fotografieren will und Kontrolle braucht, landet bei der Lomo (oder eben bei Vintage-Kameras). Die Snapic A1 ist dagegen klar eine unkomplizierte „Fun-Kamera“: Einfädeln, Transport und Rückspulen laufen per Motor, Strom liefern zwei AAA-Batterien.

Unser Wunsch an die Industrie

Wir begrüßen die Snapic A1 als Einstieg für neue Analog-Fotografen. Der Markt wird aber gerade entweder mit extrem simplen Kunststoffkameras oder sehr teuren Premium-Neuauflagen geflutet.

Was wirklich fehlt, und das hören wir von Kunden immer wieder, ist der Mut zur Mechanik der Mittelklasse. Eine moderne Interpretation einer klassischen SLR, wie eine Pentax Spotmatic mit M42-Anschluss, wäre der Traum.

  • Vollmechanisch: noch in 50 Jahren reparierbar, und der Verschluss läuft auch mit leerer Batterie weiter.
  • Kompatibel mit Millionen existierender Vintage-Objektive.

Natürlich ist das in der Fertigung teuer und komplex. Aber bis sich ein Hersteller da wieder rantraut, halten wir die alten Schätze am Leben. Immerhin geht die Lomo MC-A mit ihrem komplett manuellen Filmtransport einen Schritt in diese Richtung.

Die Snapic A1 könnte eine lustige Kamera für den Strandurlaub sein: Dort ist genug Licht für f/9.5, und die teure Contax T2 bleibt lieber im Safe.

Wer aber auch bei schlechterem Licht ohne Blitz fotografieren will und nur 100 Euro hat, ist mit einer geprüften gebrauchten Kamera oft besser bedient. Das Risiko: Die Kamera kann irgendwann den Geist aufgeben, und Garantie gibt es keine.

Wenn du statt der Snapic über Kodaks Halbformat-Kameras nachdenkst: Im Guide zur Kodak Ektar H35 und H35N stehen die Unterschiede beider Modelle, die richtige Filmwahl und der Sonderfall Halbformat beim Entwickeln und Scannen.

Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.

Der Auslöser der Ektar H35 ist sehr leichtgängig, in der Tasche verschießt sie gern ein paar Bilder von allein. Unser Objektivdeckel deckt ihn mit ab, der Filteradapter nimmt handelsübliche 30,5-mm-Filter auf. Auf die Snapic A1 passt beides nicht, die ist anders geschnitten. Zum Ektar-Zubehör.

Wie siehst du das? Reicht dir f/9.5 für Schnappschüsse, oder ist das für dich ein Ausschlusskriterium?

Von neuem Zubehör zuerst erfahren: Wenn eine neue Analogkamera erscheint, bauen wir früher oder später das passende Zubehör dazu, etwa Deckel, Adapter oder Batterieersatz. Im Newsletter steht es zuerst: ausgeknipst.de/pages/newsletter

Euer Vladi

Bildnachweis: Die Bilder sind dem Teaservideo auf Instagram entnommen.

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1 Kommentar

Stimme voll zu, die Kamera ist für 100€ gut verarbeitet und besser als die billigeren. Aber es wäre super, wenn es im Segment 200-300€ auch bessere analoge gäbe, wenn man mehr will.

Henry Fendt

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