Hasselblad der 500er-Reihe in Schwarz mit Carl Zeiss Planar 2,8/80 mm T* von vorn

Hasselblad 500C, 500C/M, 501CM, 503CW: das V-System im Vergleich (mit Kiev 88)

Der silberne Würfel mit Lichtschacht und Kurbel sieht aus wie eine Hasselblad. Vielleicht ist er trotzdem keine: Die sowjetische Kiev 88 gleicht ihr von außen, kostet einen Bruchteil, und keins ihrer Objektive passt an eine echte. Auch zwei echte trennt erst der Blick durch den Sucher, sobald ein langes Tele vorne sitzt. Bei der 500C/M läuft dann der obere Bildrand dunkel zu, bei der 503CW bleibt er hell, und der Händler verlangt für sie rund 1.700 € mehr. Am Ende dieses Ratgebers weißt du, welche 500er vor dir liegt, bevor du zu viel dafür bezahlst oder sie zu billig hergibst.

Du kennst dein Modell schon und suchst nur die passende Batterie für eine 500 EL oder ein Messprisma? Die steht in unserer Hasselblad-Batterieübersicht.

Inhalt

  1. Warum eine Hasselblad aus Einzelteilen besteht
  2. Die Modelle von der 500C bis zur 503CW
  3. Welche 500er lohnt sich für dich?
  4. Welche Magazine, Sucher und Objektive passen?
  5. Wenn das Objektiv klemmt oder das Magazin Licht zieht
  6. Was taugt die Kiev 88 als Hasselblad-Ersatz?
  7. Zubehör, Digitalrückteil und Sofortbild an der 500er

1. Warum eine Hasselblad aus Einzelteilen besteht

Eine Hasselblad der 500er-Reihe ist keine Kamera im üblichen Sinn, sondern ein Satz aus vier Teilen, die du einzeln abnimmst und tauschst. Das Gehäuse in der Mitte enthält den Spiegel, die Kurbel und einen Hilfsverschluss, der den Film abdeckt, solange du durchs Objektiv schaust. Belichtet wird woanders: Jedes Objektiv trägt seinen eigenen Zentralverschluss mit Zeiten von einer Sekunde bis 1/500 s, und weil ein Zentralverschluss immer ganz öffnet, blitzt du bei jeder dieser Zeiten. Hinten sitzt das Wechselmagazin mit dem Film, oben der Sucher.

Daraus folgt der Grund, warum dieses System seit 1957 funktioniert. Die Rückseite aller V-Gehäuse ist gleich gebaut. Hasselblad Historical schreibt das über die Digitalrückteile so: Was an eine späte Kamera passt, funktioniert auch mit der ältesten 500C, die du finden kannst. Für Magazine und Objektive gilt dasselbe, mit je einer Ausnahme, zu der Kapitel 4 kommt. Nur bei Einstellscheiben und manchem Zubehör musst du aufs Modell achten. Wer also eine 500C/M mit einem Magazin aus den Sechzigern und einem Objektiv aus den Neunzigern fotografiert, macht nichts Exotisches. Genau so war das System gedacht.

Hasselblad 500C mit verchromtem Planar C 2,8/80 mm und geöffnetem Lichtschacht

Die erste 500C mit dem verchromten Planar 80 mm. Von der letzten 503CW trennt sie von außen fast nichts. Foto: Holger Ellgaard, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Der schwarze Sucher nach dem Auslösen ist kein Defekt. Bei allen Handkurbel-Modellen dieser Reihe bleibt der Spiegel nach der Aufnahme oben, und das Sucherbild bleibt dunkel, bis du die Kurbel eine volle Umdrehung weiterdrehst. So steht es auch im Handbuch der 503CW. Wer zum ersten Mal eine Hasselblad in der Hand hat, hält genau das oft für einen Schaden.

Leicht ist das Ganze nicht. Eine 500C/M mit dem 80-mm-Planar, Magazin und Lichtschacht wiegt laut Hasselblad 1,5 kg. Für eine Mittelformat-Spiegelreflexkamera ist das trotzdem kompakt, eine Mamiya RB67 bringt fast das Doppelte auf die Waage, wie wir im Mamiya-Guide nachgerechnet haben.

Wie die Teile zusammenspielen und warum Gehäuse und Objektiv immer im selben Zustand sein müssen, erklärt salossi auf Deutsch gründlicher, als es ein Absatz kann. Sein Video ist lang, aber für jeden, der gerade seine erste Hasselblad bekommen hat, die beste halbe Stunde Einstieg:

„Hasselblad Basics - Einige Grundlagen zu Funktion, Aufbau und Bedienung der klassischen Hassis“, salossi

2. Die Modelle von der 500C bis zur 503CW

Zwischen der ersten 500C und der letzten 503CW liegen 56 Jahre, und in dieser Zeit hat Hasselblad das Grundprinzip nie angefasst. Geändert haben sich Details: ob du die Einstellscheibe selbst tauschen kannst, wie hell sie ist, wie lang der Spiegel ist und ob die Kamera Blitzlicht selbst misst. Die Tabelle zeigt die Handkurbel-Modelle, die Motor-Linie und die Weitwinkel-Kamera SWC folgen weiter unten.

Modell gebaut Was neu war Einstellscheibe Blitzmessung durchs Objektiv Sucher ohne dunklen Rand bei langen Brennweiten
500C 1957 bis 1970 erstes Modell mit Zentralverschluss in jedem Objektiv nur in der Werkstatt wechselbar nein nein
500C/M 1970 bis 1994 Einstellscheibe selbst wechselbar; 1990 bis 1992 auch als „500 Classic“ im Set selbst wechselbar nein nein
503CX 1988 bis 1994 Blitzmessung auf der Filmoberfläche, hellere Acute-Matte-Scheibe ab Werk Acute-Matte, wechselbar ja nein
503CXi 1994 bis 1996 Nachfolger der 503CX Acute-Matte, wechselbar ja nein
501C 1994 bis 1997 vereinfachte 500C/M, nur schwarz, nur im Set mit Planar 80 mm und A12 Acute-Matte, wechselbar nein nein
501CM 1997 bis 2005 501C mit dem gleitenden Spiegel der 503CW Acute-Matte, wechselbar nein ja
503CW 1996 bis 2013 gleitender Spiegel, Anschluss für den Winder CW; letzte Kamera des V-Systems Acute-Matte, wechselbar ja ja

Baujahre nach der Modelltabelle von Hasselblad Historical und der Firmengeschichte von Hasselblad.

500C und 500C/M

Von der 500C hat Hasselblad bis 1970 rund 76.700 Stück gebaut. Ihr Nachfolger, die 500C/M, unterscheidet sich in genau einem Punkt, der im Alltag aber zählt: Die Einstellscheibe tauschst du selbst. Dafür nimmst du Magazin und Lichtschacht ab, schiebst die Haltehaken zur Seite und drehst die Kamera um, der Spiegel muss dabei unten sein. Bei der 500C ist das ein Fall für die Werkstatt.

Hasselblad 500C/M mit schwarzem Planar T* 80 mm, Gegenlichtblende und Kurbel

Die 500C/M, hier mit schwarzem Planar T* und Gegenlichtblende. Foto: デニス モジョ, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das Typenschild allein reicht nicht. Die ersten 500C/M liefen noch mit dem Schriftzug „500 C“ vom Band. Ob du eine C oder eine C/M vor dir hast, erkennst du sicherer an der Scheibe: Lässt sie sich nach dem Abnehmen von Magazin und Sucher über die Haltehaken lösen, ist es eine C/M.

Die 500C/M ist das Modell, das du am häufigsten findest. Bei unserer Zählung auf Kleinanzeigen am 28.09.2026 standen 24 Angebote für die 500C/M gegen je eines für die 503CX und die 503CW. Dass sie so verbreitet ist, hat einen praktischen Vorteil: Gebrauchte Teile, Werkstätten und Erfahrungsberichte zur 500C/M findest du leicht.

503CX, 503CXi und 503CW

Mit der 503CX kam 1988 die erste echte Neuerung seit Jahrzehnten. Die Kamera misst Blitzlicht während der Aufnahme direkt auf der Filmoberfläche und schaltet ein passendes Blitzgerät ab, sobald genug Licht angekommen ist. Dazu kam ab Werk die hellere Acute-Matte-Scheibe, die Minolta für Hasselblad entwickelt hat. Die 503CXi war ein kurzer Zwischenschritt.

Hasselblad 503CXi mit Planar CF 2,8/80 mm und Tragegurt

Eine 503CXi mit Planar CF 80 mm. Äußerlich unterscheidet sie sich kaum von der späteren 503CW. Foto: Cezary Piwowarski, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die 503CW ist das, was viele meinen, wenn sie von der besten 500er sprechen. Ihr wichtigstes Merkmal steckt innen: ein längerer Spiegel, der beim Hochklappen nach hinten gleitet. Hasselblad nennt das Gliding Mirror System. Im Sucher siehst du den Effekt sofort: Setzt du an eine ältere 500er ein langes Tele, wird der obere Rand des Sucherbilds dunkel, am deutlichsten ab 250 mm. An der 503CW bleibt er hell, laut Hasselblad bei allen Brennweiten über 100 mm. Auf dem Negativ fehlt übrigens bei keiner der beiden etwas, der dunkle Rand betrifft nur den Sucher. Dazu kommt ein Anschluss für den Winder CW, der den Film mit knapp einem Bild pro Sekunde transportiert. 2013 stellte Hasselblad die 503CW ein, und damit endete das V-System nach 56 Jahren.

Wesley King nennt die 503CW in seinem Erfahrungsbericht auf Beyond the Aperture seine Lieblingskamera, wegen des hellen Suchers und der Zeiss-Optik, und verschweigt den Haken nicht: den Preis. Was der genau ausmacht, steht in Kapitel 3.

501C und 501CM

Die 501C war eine abgespeckte 500C/M, die es nur schwarz und nur als Set mit Objektiv und Magazin gab, ohne das Signalfenster am Gehäuse. Interessant ist ihre Nachfolgerin: Die 501CM hat denselben gleitenden Spiegel wie die 503CW, verzichtet aber auf Blitzmessung und Winder. Wer nur den Sucher ohne dunklen Rand will, findet sie oft günstiger als eine 503CW.

Die Motor-Linie von der 500EL bis zur 555ELD

Parallel zu den Handkurbel-Modellen baute Hasselblad ab 1965 Kameras mit eingebautem Motor. Die Motorkameras nehmen dieselben Objektive, Magazine und Sucher, sind aber höher und schwerer, weil unten ein Motor mit Akkufach sitzt.

Modell gebaut Besonderheit
500EL 1965 bis 1970 erste Motor-Hasselblad, Einstellscheibe nur in der Werkstatt wechselbar
500EL/M 1970 oder 1971 bis 1984 Einstellscheibe selbst wechselbar (Hasselblad selbst nennt 1971 als Start)
500ELX 1984 bis 1988 Blitzmessung durchs Objektiv, größerer Spiegel ohne dunklen Rand
553ELX 1988 bis 1999 Mignonzellen statt Spezialakku
555ELD 1998 bis 2006 Kontakte für Digitalrückteile

Eine 500EL war auch die Kamera, die 1969 auf dem Mond fotografiert hat. Bei Apollo 11 flogen laut NASA drei Stück mit, eine davon als silberne „Data Camera“ mit Réseau-Platte für die Mondoberfläche. Die beiden Kameras aus der Mondfähre blieben oben, nur ihre Filmmagazine kamen zurück zur Erde. Nach Hasselblads eigener Zählung liegen von Apollo 11 bis 17 zusammen zwölf Kameragehäuse auf dem Mond. Die Beschreibung im Apollo Lunar Surface Journal der NASA liest sich wie ein Datenblatt aus einer anderen Welt: dünner 70-mm-Film, 160 Farbbilder je Magazin.

Astronaut Alan Bean mit der Hasselblad am Brusthalter auf der Mondoberfläche, Apollo 12

Alan Bean bei Apollo 12 mit der Hasselblad am Brusthalter, fotografiert von Pete Conrad. Foto: NASA, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Für den Alltag heute gilt etwas Nüchterneres. Ohne Strom bewegt sich bei den EL-Modellen nichts, und die originalen Akkus der 500EL, EL/M und ELX sind neu kaum noch zu bekommen. Welche Zelle heute in welches Modell gehört, steht in unserer Hasselblad-Batterieübersicht. Thomas betreibt seine 500EL/M wieder, mit unserem Batterieadapter für fünf AAA-Akkus. Die alten Akkus hat er für seine Bewertung gleich durchgestrichen. Geladen werden die AAA-Zellen dabei im externen Ladegerät, nie im Original-Ladegerät der Kamera. Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.

Hasselblad 500EL/M mit Prismensucher, davor zwei alte Nickel-Cadmium-Akkus, durchgestrichen

Eine 500EL/M mit den ausgedienten Originalakkus. Foto: Thomas P., aus seiner Bewertung bei uns

Die SWC, eine Hasselblad ohne Spiegel

Die SWC gehört zur Familie, ist aber eine andere Kamera. Das Objektiv, ein Zeiss Biogon 38 mm, ist fest eingebaut, Spiegel und Mattscheibe fehlen; du schaust durch einen Aufstecksucher und schätzt die Entfernung. Die Magazine teilt die SWC mit den 500ern. Gebaut wurde sie in mehreren Generationen von der SWC ab 1959 über die SWC/M bis zur 905 SWC, die 2006 auslief.

Hasselblad SWC/M mit Biogon 38 mm, Aufstecksucher und Handschlaufe

Eine SWC/M mit dem Biogon 38 mm und Aufstecksucher. Foto: erik gould, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

John A. Bennett hat nach einem Jahr mit seiner SWC/M auf 35mmc aufgeschrieben, wofür sie taugt: Landschaft und Architektur, wenn Zeit zum Komponieren ist. Als Kamera für immer dabei sieht er sie nicht.

3. Welche 500er lohnt sich für dich?

Die Preise zeigen, wo die Nachfrage liegt. Wir haben am 28.09.2026 zwei Märkte ausgewertet: den Bestand von Kamerastore, einem Händler, der Kameras prüft oder überholt und mit Garantie verkauft, und die privaten und gewerblichen Angebote auf Kleinanzeigen. Kleinanzeigen zeigt nur Angebotspreise, echte Verkaufspreise haben wir nicht erhoben. Die Händlerpreise stammen aus der finnischen Länderansicht und enthalten Prüfung oder Überholung und Garantie.

Modell Händler mit Garantie (Kamerastore) Angebotspreis auf Kleinanzeigen
500C Gehäuse ohne Objektiv und Magazin: 843 € (1 Angebot) Median 1.650 € (9 Angebote, meist mit Objektiv)
500C/M Set mit 80 mm und A12: Median 2.825 € (13 Angebote) Median 2.025 € (24 Angebote)
501C ohne Objektiv 2.207 bis 2.502 € (2) Median 2.900 € (3)
501CM nicht vorrätig mit 80 mm 3.349 und 3.500 €, Gehäuse allein 1.850 €
503CX 2.197 bis 3.605 € (3) 2.450 € (1, mit Sonnar 150)
503CW Set mit 80 mm und A12N: 4.325 und 4.775 € 3.540 € (1 Angebot)
500EL/M, 500ELX Gehäuse 475 bis 706 € Gehäuse 300 bis 700 €
SWC/M, 903 und 905 SWC 3.367 bis 4.499 € kaum Angebote
Kiev 88 218 bis 279 € Median 349 € (19 Angebote)

Beim Händler kostet das Set mit 503CW also rund 1.700 € mehr als dasselbe Set mit 500C/M, gut 60 Prozent. Auf Kleinanzeigen taucht die 503CW kaum auf, beim Händler findest du sie eher. Die aktuellen Bestände findest du selbst bei Kamerastore und in der Kategorie Foto auf Kleinanzeigen.

Warum die 500C/M für die meisten reicht

Der Aufpreis zur 503CW bezahlt drei Dinge: die hellere Scheibe, den Spiegel ohne dunklen Rand und die Blitzmessung. Die hellere Scheibe kannst du bei einer 500C/M nachrüsten. Die Acute-Matte D mit Schnittbild und Mikroprismenring passt in die 500C/M, in die 501er und 503er, nicht aber in die ursprüngliche 500C und die 500EL. Gebraucht kostet sie einen Bruchteil des Aufpreises. Wie viel heller sie ist, dafür gibt es keine Herstellerzahl, Besitzer beschreiben den Unterschied in Foren als ungefähr eine Blende.

Bleiben Spiegel und Blitzmessung. Den dunklen Rand im Sucher bemerkst du erst mit langen Teleobjektiven, mit dem Standardobjektiv 80 mm gar nicht. Und die Blitzmessung auf dem Film funktioniert nur mit passenden Blitzgeräten. Wer mit dem 80er oder einem Weitwinkel fotografiert und ohne Blitz, zahlt bei der 503CW für Dinge, die er nie sieht.

So sortiert sich die Reihe für die meisten Käufer:

  • 500C/M, wenn du einsteigst oder mit 50 bis 80 mm fotografierst. Du bekommst sie am leichtesten, und mit einer Acute-Matte wird ihr Sucher so hell wie bei den späten Modellen.
  • 501CM oder 503CW, wenn du viel mit langen Teleobjektiven arbeitest. Den gleitenden Spiegel haben beide; die 503CW bringt zusätzlich Blitzmessung und Winder-Anschluss mit.
  • 500C, wenn dich das Original reizt. Rechne damit, dass ein Scheibentausch in die Werkstatt muss (nur einige sehr späte 500C haben schon die wechselbare Scheibe), und lies vorher den Absatz zum Service in Kapitel 5.
  • 500EL/M oder 500ELX, wenn du ein günstiges Gehäuse für Stativ, Reproduktion oder Fernauslösung suchst und dich um die Stromversorgung kümmern willst.

Im direkten Vergleich zeigt ForesthillFilmLab, wie sich 500C/M und 503CW in der Hand unterscheiden, und kommt am Ende zum selben Schluss: Für die meisten Leute reicht die 500C/M.

„Hasselblad 500CM Vs. 503CW vintage camera review.“, ForesthillFilmLab

Was du beim Kauf prüfst

Eine Hasselblad ist robust, aber selbst die jüngste 503CW stammt spätestens aus 2013, die älteste 500C von 1957. Mit diesen Handgriffen findest du die meisten Probleme, bevor du bezahlst:

  1. Kurbel drehen, dann auslösen. Der Spiegel bleibt oben, die Kurbel läuft gleichmäßig und ohne Hakeln.
  2. Alle Verschlusszeiten am Objektiv durchgehen. Die volle Sekunde muss hörbar länger dauern als 1/500 s. Bei keiner Zeit darf der Verschluss hängen bleiben.
  3. Den Verkäufer bitten, das Objektiv abzunehmen und wieder anzusetzen. Abnehmen lässt es sich nur, wenn Kamera und Objektiv gespannt sind (Kapitel 5).
  4. Mit abgenommenem Objektiv von vorn in das Gehäuse schauen: Der Hilfsverschluss hinter dem Spiegel muss sauber öffnen und schließen.
  5. Magazin abnehmen und ansetzen. Das Abnehmen darf nur mit eingeschobenem Schieber gehen, und die Signalfenster an Gehäuse und Magazin müssen dieselbe Farbe zeigen. Hat das Gehäuse keins, wie die 501C, prüfst du nur das Magazin.
  6. In die Blende schauen, während du auf f/22 abblendest: Die Lamellen sind trocken und schließen gleichmäßig.
  7. Die Einstellscheibe auf Kratzer und Flecken prüfen. Bei einer 500C/M lohnt die Frage, ob eine Acute-Matte drin ist.
  8. Einen Testfilm durchziehen, bevor du dich festlegst. Lichteinfall am linken Bildrand deutet auf eine verbrauchte Lichtfalle im Magazin.

Unterschiedliche Nummern an Magazin und Einsatz sind kein Grund zur Sorge. Ab Werk tragen Magazinschale und Filmeinsatz dieselbe Nummer. Hasselblad Historical hat gemischte Paare getestet und keinen sichtbaren Unterschied gefunden. Wichtig ist, dass der Einsatz sauber einrastet und der Bildabstand auf dem Testfilm stimmt.

4. Welche Magazine, Sucher und Objektive passen?

Das meiste Zubehör passt an jede 500er. Die wenigen Ausnahmen stehen in diesem Kapitel.

Magazine

Das Magazin besteht aus der Schale und einem herausnehmbaren Einsatz, auf den du den Film spulst. Die A-Magazine transportieren bis zum ersten Bild und stoppen dort von selbst, die älteren C-Magazine hatten dafür noch ein Rotfenster. A12, A16, A24 und A32 sind mechanisch baugleich und unterscheiden sich nur in Film und Format.

Magazin Film Format Bilder je Rolle Anmerkung
A12 120 6x6 12 das Standardmagazin
A16 120 6x4,5 16 der Sucher zeigt mehr als das Bild
A16S 120 4x4 (Superslide) 16 für Dias im 5x5-Rahmen
A24 und A32 220 6x6 bzw. 6x4,5 24 bzw. 32 220er-Film führen nur noch wenige Händler, vor dem Kauf prüfen
C12 120 6x6 12 älter, Film per Rotfenster bis Bild 1
E12 120 6x6 12 ab 1994, mit Datenkontakten für die 200er-Reihe, an der 500er rein mechanisch
70-mm-Magazine 70 mm 6x6 70 bis 200 Spezialfilm, heute fast nur noch für Sammler

Eine Ausnahme bei der Kompatibilität gibt es: Sehr frühe „12“-Magazine mit Seriennummern unter 20.000 passen nicht an spätere Gehäuse. Wer ein uraltes Magazin im Nachlass findet, prüft das also zuerst. Die Übersicht über alle Magazin- und Rückteiltypen samt Polaroid- und Planfilm-Lösungen hat EMULSIVE zusammengestellt.

Hasselblad-Filmmagazin mit halb herausgezogenem Filmeinsatz und eingestecktem Magazinschieber

Ein Hasselblad-Magazin mit halb herausgezogenem Einsatz, der Schieber steckt. Foto: Hannes Grobe, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wie du ein A12 richtig lädst, zeigt Ruediger Schestag in sieben Minuten auf Deutsch, vom Umsetzen der Leerspule bis zum Zukleben der belichteten Rolle:

„Film einlegen bei der Hasselblad“, Ruediger Schestag

Sucher

Ab Werk sitzt auf den meisten 500ern der Lichtschacht: Du schaust von oben auf die Scheibe, das Bild ist seitenverkehrt, eine ausklappbare Lupe hilft beim Scharfstellen. Wer lieber auf Augenhöhe fotografiert, nimmt ein Prisma, entweder mit 45 Grad Einblick oder gerade durch. Die Prismen mit eingebautem Belichtungsmesser heißen bei Hasselblad PME und brauchen eine Batterie; welche, steht in der oben verlinkten Übersicht.

Es gibt eine deutlich günstigere Alternative zum PME. Die Sucher der Kiev 88 passen mechanisch auf die Hasselblad, auch das Kiev-Messprisma. Bei Kamerastore kostete ein Kiev-TTL-Prisma am 28.09.2026 um die 50 €, Hasselblad-Messprismen im Mittel 427 €. Die Einschränkung: Das Kiev-Prisma misst hinter der Einstellscheibe, du musst es je nach Scheibe einmal gegen einen Handbelichtungsmesser abgleichen. Fotos und Erfahrungen dazu sammelt pentaconsix.com.

Objektive

An jeder 500er laufen alle Hasselblad-Objektive seit 1957, mit einer Ausnahme: Die F- und FE-Objektive haben keinen eigenen Verschluss und gehören zur 200er-Reihe mit Schlitzverschluss. Alles andere trägt einen Zentralverschluss. Standardobjektiv ist bei allen Generationen das Zeiss Planar 2,8/80 mm.

Generation Erkennbar an Filterbajonett
C erst verchromt, ab etwa 1969 schwarz, ab 1973 mit T*-Vergütung B50 bei 80, 100, 150 und 250 mm (40 mm: B104)
CF ab etwa 1982, Prontor-Verschluss, schwarz B60 bei den meisten (40 mm: B93)
CB vereinfachte Linie, günstiger B60
CFi und CFE überarbeitete Fassung; CFE mit Datenkontakten für die 200er B60 bei den meisten (CFE 40 mm: B93, CFi 50 mm: B70)

Das Filterbajonett ist der Punkt, an dem Käufer am häufigsten danebengreifen: Ein B50-Filter passt nicht an ein CF-Objektiv und umgekehrt. Welches Objektiv welches Bajonett hat, steht auf den Zeiss-Datenblättern, die Hasselblad Historical gesammelt hat. Als Preisanker: Ein einzelnes Planar 80 mm C kostete am 28.09.2026 bei Kamerastore im Mittel 406 €, ein A12-Magazin 339 €.

5. Wenn das Objektiv klemmt oder das Magazin Licht zieht

Drei Pannen tauchen in Foren und Anleitungen zur Hasselblad immer wieder auf. Zwei davon löst du meist in Minuten selbst, die dritte ist Verschleiß, den jede Kamera irgendwann hat.

Das Objektiv lässt sich nicht abnehmen oder nicht ansetzen

Gehäuse und Objektiv sind über eine Welle gekoppelt, und beide müssen im selben Zustand sein: gespannt. Die Regel aus dem Handbuch lautet deshalb, das Objektiv nur bei aufgezogener Kamera abzunehmen, und nicht, während die Spiegelvorauslösung gedrückt ist. Geht es nicht ab, steht fast immer die Kamera im falschen Zustand. Hasselblads eigene Fehlertabelle rät dann schlicht: Kamera auslösen oder aufziehen, je nachdem, wo sie gerade steht.

Ein abgenommenes Objektiv, das versehentlich ausgelöst wurde, passt dagegen nicht mehr ans gespannte Gehäuse. Dann steckst du eine Münze in den Schlitz auf der Objektivrückseite und drehst im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag, bis der Schlitz auf den roten Punkt zeigt. Nimm dafür keinen Schraubendreher. Hasselblad warnt ausdrücklich davor, weil er abrutschen und die Hinterlinse zerkratzen kann. So steht es in der deutschen Anleitung der 500C/M, die als PDF frei verfügbar ist.

Schwieriger wird es, wenn das Objektiv an einem ungespannten Gehäuse festsitzt. Eine Anleitung von Hasselblad dafür haben wir nicht gefunden, wohl aber einen verbreiteten Weg über die Rückseite des Gehäuses, den Jonathan Harris von Worldwide Camera Exchange ruhig und mit klarer Warnung vor Gewalt vorführt:

„Unjamming a Hasselblad. How to unjam 500-series cameras (500C, 500CM, 501C, 501CM, 503CX, 503CW)“, Jonathan Harris at Worldwide Camera Exchange

Auf Deutsch erklärt salossi das Nachspannen mit der Münze im oben verlinkten Video ab Minute 8:45. Und nicht jede Blockade ist ein Bedienfehler: In einem Fall auf Photrio war eine gebrochene Feder am Hilfsverschluss schuld. Wenn sich nach den beiden Handgriffen oben nichts bewegt, gehört die Kamera in die Werkstatt.

Magazin und Kamera sind aus dem Takt

An Gehäuse und Magazin sitzt je ein kleines Signalfenster: Weiß heißt bereit, Rot heißt nicht transportiert. Hasselblad nennt es die goldene Regel: Beide Fenster müssen beim Ansetzen dieselbe Farbe zeigen. Ein weißes Magazin an einer ungespannten Kamera kostet dich ein Bild, ein rotes an einer gespannten gibt eine Doppelbelichtung. Die 501C hat kein Fenster am Gehäuse, dort hilft nur Aufpassen.

Was du siehst Was du tust
Magazin rot, Gehäuse weiß Magazin abnehmen, Kamera leer auslösen, Magazin ansetzen, aufziehen
Magazin weiß, Gehäuse rot Magazin abnehmen, Kamera aufziehen, Magazin ansetzen

Zwei Sicherungen helfen dabei. Das Magazin lässt sich nur mit eingeschobenem Schieber abnehmen, und mit eingeschobenem Schieber löst die Kamera nicht aus. Bei sehr frühen Magazinen greift die Sperre allerdings erst kurz vor dem Anschlag; dort kannst du mit halb steckendem Schieber auslösen und bekommst ein halbes Bild.

Lichteinfall am Bildrand

Die typische Hasselblad-Panne nach Jahrzehnten sitzt am Schlitz, durch den der Magazinschieber läuft. Dort liegt die Lichtfalle, ein Schaumstoffpolster unter einer gefalteten Kunststofffolie. Der Schaum zerfällt mit der Zeit zu klebrigem Brei, und zwar unabhängig davon, ob das Magazin benutzt wird. Weil der Schlitz auf der linken Seite der Kamera liegt und das Bild auf dem Film gespiegelt ankommt, zeigt sich der Lichteinfall vor allem am linken Bildrand, anfangs nur auf einzelnen Bildern.

Ob dein Magazin betroffen ist, prüfst du ohne Film: Schieber ziehen, Objektiv abnehmen, Hilfsverschluss offen lassen, mit einer Taschenlampe an den Schlitz leuchten und von vorn ins Gehäuse schauen. Siehst du Licht, ist die Falle fällig. Hasselblad Historical empfiehlt einen Wechsel jedes Jahr, spätestens alle zwei Jahre, und beschreibt den Tausch mit Teilenummern.

Frontplatte eines Hasselblad-Magazins mit neuer Lichtfalle aus Schaumstoff und Folie

Frontplatte eines Magazins mit eingestecktem Schieber, darauf die neue Lichtfalle. Foto aus unserem eigenen Bestand.

Den Tausch schafft ein ruhiger Mensch mit einem kleinen Schraubendreher selbst. Ersatzteile bekommst du bei mehreren Anbietern: Dick Werner in den USA verkauft ein Set aus Schaum und Folie für alle Magazine, Nik & Trick in Großbritannien Kits für A12 und C12. Wir fertigen ein Lichtdichtungs-Kit mit neuer Halterung, Schaum und Filzstreifen, und im eigenen Video siehst du den kompletten Tausch am Magazin, ohne Worte, nur mit Musik:

„How to Change Light Seals of Hasselblad 500 Film Back Magazine“, Ausgeknipst

Ein leeres Magazin, das lange im Schrank liegt, lagerst du am besten ohne eingesteckten Schieber. Dann drückt die Blechkante nicht monatelang auf den Schaum. Auch im Gehäuse sitzt übrigens Schaumstoff, als Dämpfer am Hilfsverschluss, und er altert genauso; der ist aber ein Fall für die Werkstatt.

Wer die 500er heute noch repariert

Wie Hasselblad selbst das heute handhabt, steht nirgends mehr öffentlich. Die Serviceseite von Hasselblad USA listete bis zuletzt 500C, 500EL, EL/M, ELX, SWC und SWC/M als nicht mehr reparierbar, für die C-Objektive gab es keinen Service mehr. 500C/M, 501 und 503 standen nicht auf dieser Liste, allerdings behielt sich Hasselblad vor, Produkte über zehn Jahre abzulehnen. Inzwischen ist die Seite offline; den letzten Stand vom März 2026 hat das Internet-Archiv gespeichert. Freie Werkstätten machen weiter:

Werkstatt Ort Was sie laut eigener Seite macht
Hasselblad Service Ulf Kühn Ahrensburg Wartung und Reparatur von V-Gehäusen, Objektiven und Magazinen, an der früheren Adresse von Hasselblad Deutschland
fotohandel.de Schorndorf Revision von Gehäuse, Objektiv und Magazin, Richtwert rund 700 €
Fototechnik Mayrhofer Hallein, Österreich hat 2020 den V-Service vom früheren Wiener Standort übernommen
Classic Camera Repair Horgen, Schweiz nennt 500C, 500C/M, 501CM, 503CW und SWC

Weitere Adressen, auch für andere Marken, sammeln wir in unserer Übersicht der Reparaturwerkstätten. Rechne bei einer Komplettrevision eher mit dem Preis einer halben Kamera als mit einem Kleinbetrag, und frag vorher nach, ob die Werkstatt dein Modell annimmt.

6. Was taugt die Kiev 88 als Hasselblad-Ersatz?

Auf den ersten Blick sieht die Kiev 88 aus wie eine Hasselblad: derselbe Würfel, Lichtschacht, Wechselmagazin, Kurbel. Die Kiev kostet aber nur einen Bruchteil: Der Median der Angebote auf Kleinanzeigen lag am 28.09.2026 bei 349 €. Der Grund steckt in ihrer Herkunft. Das Werk Arsenal in Kiew hat nicht die 500C nachgebaut, sondern ihre Vorgängerin, die Hasselblad 1600F von 1948 mit Schlitzverschluss im Gehäuse. Daraus wurde 1957 die Salyut, 1972 die Salyut-S und 1980 die Kiev 88, im Kern eine Salyut-S mit Blitzschuh.

Kiev 88 in Chrom mit TTL-Prisma und Objektiv Volna-3 2,8/80 mm

Eine Kiev 88 mit TTL-Prisma und dem Standardobjektiv Volna-3 80 mm. Foto aus unserem eigenen Bestand.

Was passt und was nicht

Teil Kiev 88 an Hasselblad 500 und umgekehrt Warum
Objektive nein Gewindebajonett mit 82,1 mm Auflagemaß gegen 74,9 mm bei Hasselblad V, dazu Schlitz- gegen Zentralverschluss
Magazine nein andere Maße und Zahnräder; der Kiewer Modernisierer ARAX warnt vor Schäden an der Kamera
Sucher und Prismen ja, in beide Richtungen gleiche Aufnahme, auch die Kiev-Messprismen passen auf die 500C/M; die Messung gleichst du je nach Einstellscheibe einmal ab
Magazinschieber umstritten ARAX nennt identische Maße, Forenberichte widersprechen

Umbauten auf Hasselblad-Magazine gab es: Die Kiewer Firma Hartblei hat Ende der Neunziger Kiev-Gehäuse angepasst, mit gemischtem Ergebnis. Die Kiev 88 ist also ein eigenes System, das mit der Hasselblad nur den Sucher teilt.

Was du über Verschluss und Batterie wissen musst

Verstell die Verschlusszeit nur bei gespanntem Verschluss. Diese Regel steht in jeder Anleitung zur Kiev 88, denn wer die Zeit am ungespannten Verschluss verstellt, beschädigt ihn. Der Verschluss läuft waagerecht, mit Metalllamellen, von 1/2 bis 1/1000 s. Blitzen geht nur bis 1/30 s, ein großer Unterschied zur Hasselblad, die bei jeder Zeit blitzt. Den Spiegel teilt sie mit dem Vorbild: Auch bei der Kiev bleibt er oben, bis du aufziehst.

Das Gehäuse braucht keine Batterie, Strom braucht nur das TTL-Prisma. Die ersten Prismen liefen mit einem Block aus vier Quecksilberzellen, den es nicht mehr gibt; spätere nehmen drei Knopfzellen direkt. Welche Zelle oder welcher Adapter in dein Prisma gehört, steht in unserer Kiev-Batterieübersicht. Verlass dich bei den alten Prismen nicht blind auf die Anzeige: Lewis Collard hat an seinem Exemplar rund zwei Blenden Abweichung gemessen. Ein Vergleich mit einem Handbelichtungsmesser vor dem ersten Film spart Ärger.

Die Schwachstellen und wer sie behebt

Die Qualitätskontrolle ab Werk gilt als schwach, und die Streuung zwischen einzelnen Exemplaren ist groß. Typisch sind überlappende oder ungleich verteilte Bilder, meist ein Ladefehler, den die Ladeanleitung auf kievaholic.com erklärt. Dazu kommen undichte Magazine, zerfallene Spiegeldämpfer und abgenutzte Spannstifte. Nick Orloff hat eine Salyut-S neben seiner 503CX benutzt. Auf EMULSIVE schreibt er, es fühle sich manchmal wie ein Kampf an, am Ende brauchbare Bilder zu haben.

Der bekannteste Modernisierer ist ARAX in Kiew. Neue Kameras baut ARAX nicht mehr, repariert aber weiter, allerdings keine TTL-Prismen; eine Grundüberholung kostet laut Preisliste 94 US-Dollar, der Umbau auf das Pentacon-Six-Bajonett 275 Dollar. Vom 08.12.2026 bis 31.01.2027 macht die Werkstatt Pause. Ab Werk mit Pentacon-Six-Bajonett kam die Kiev 88CM, sie nimmt die Objektive von Carl Zeiss Jena und Pentacon, aber nicht die alten Kiev-88-Objektive ohne Adapter.

Sowjetische Mittelformatkamera Salyut mit Industar-29 und geöffnetem Lichtschacht

Die Salyut, der Ursprung der Kiev 88, mit dem Industar-29. Foto: Andshel, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Objektive sind der bessere Teil des Systems. Standard ist das Volna-3, später das Arsat, beide mit 2,8/80 mm. Dazu kommen das Zodiak-8B 30 mm als Fisheye, das Mir-26B 45 mm, das Mir-38B 65 mm, das Kaleinar-3B 150 mm und das Jupiter-36B 250 mm. Im Werkshandbuch kennzeichnet das kyrillische В am Ende (etwa Калейнар-3В) das Kiev-88-Gewinde. Händler schreiben daraus oft ein lateinisches B, und unter diesem Namen werden auch Objektive mit Pentacon-Six-Anschluss verkauft, also fragst du vor dem Kauf nach dem Anschluss.

Die Kiev 60 und die Kiev 6C, die oft im selben Atemzug gesucht werden, gehören zu einem anderen System. Beide tragen das Pentacon-Six-Bajonett, und die Prismen der Kiev 88 passen dort nicht.

Für wen lohnt sich die Kiev 88? Für alle, die Mittelformat ausprobieren wollen und bereit sind zu basteln, und für alle, die ein von ARAX überholtes Exemplar bekommen. Wer eine Kamera will, die einfach funktioniert, legt das Geld besser für eine 500C/M zur Seite. S. Schüngel stellt die Kiev 88 in seinem Kameraporträt ehrlich vor, inklusive der Warnung zur Zuverlässigkeit:

„Kiev 88 Kameraportrait“, S. Schüngel

7. Zubehör, Digitalrückteil und Sofortbild an der 500er

Was der 500er ab Werk fehlt

Einen Blitzschuh hat keine 500er. Links am Gehäuse sitzt stattdessen eine Zubehörschiene, auf die Hasselblad einen drehbaren Zubehörschuh (Nummer 43125), eine Wasserwaage oder einen Sportsucher schob. Für den besseren Halt gab es einen Pistolengriff und den Blitzgriff mit Schnellkupplung, alles heute nur noch gebraucht und oft teurer als gedacht. Unten hat jede 500er Stativgewinde in 1/4 und 3/8 Zoll plus eine Schnellwechselplatte.

Hasselblad 501CM mit Teleobjektiv, daneben Zubehör: L-Griff, Blitzschuh-Adapter, Digitalmaske, Gehäusedeckel und Gegenlichtblende

Zubehör aus unserer Fertigung neben einer 501CM: L-Griff, Blitzschuh-Adapter, Digitalmaske, Deckel und Gegenlichtblende. Foto aus unserem eigenen Bestand.

Diese Lücken füllen wir mit eigenen Teilen. Der Blitzschuh-Adapter schiebt sich auf die Zubehörschiene und trägt einen Aufsteckbelichtungsmesser oder einen leichten Blitz; an einer 503CW sitzt er stramm, das stand zu Recht in einer Bewertung. Der L-Griff passt an 500C/M, 501C und 903 SWC, nicht an 503CX, 503CXi, 503CW und die 2000er-Reihe, und hat ein Fach für den Magazinschieber. Wer den Schieber lieber am Gürtel trägt, nimmt den Schieber-Schutz, der auch für die Kiev 88 passt. Ein Original-Zubehörschuh 43125 aus dem Gebrauchtmarkt macht denselben Job, wenn du einen findest.

Für Filter gilt: Originalfilter mit B50- oder B60-Bajonett gibt es gebraucht, oft zu stolzen Preisen. Günstiger fährst du mit einem Adapter vom Bajonett auf ein Standardgewinde, für den du dann jeden gängigen Schraubfilter nimmst. Welche Größe du brauchst, hängt am Bajonett aus Kapitel 4; unsere Varianten findest du über die Suche nach Hasselblad-Filteradaptern.

Digitalrückteil an der 500er

Die 500er ist eine der wenigen analogen Kameras, an die Hasselblad bis heute ein Digitalrückteil verkauft. Das CFV 100C mit 100 Megapixeln gibt es seit Januar 2024 allerdings nur im Set mit dem Gehäuse 907X: Die UVP lag bei 7.799 €, der Hasselblad-Store nannte am 28.09.2026 7.200 €. Laut Hersteller passt es an die meisten V-Kameras ab 1957, ausgenommen die originale SWC, und an 500ern erkennt ein Sensor im Rückteil die Auslösung, ganz ohne Kabel. Das Vorgängermodell CFV II 50C lag gebraucht zuletzt bei knapp 3.000 €, ältere CCD-Rückteile von Phase One oder Leaf zwischen 1.000 und 2.500 €.

Hasselblad 503CW mit F-Distagon 30 mm und Digitalrückteil Imacon Ixpress auf einem Stativ

Eine 503CW mit Fisheye und einem älteren Imacon-Digitalrückteil. Foto: Hannes Grobe, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Der Sensor ist kleiner als das Negativ. Er misst 43,8 × 32,9 mm statt rund 56 × 56 mm. Das 80er, am 6x6-Negativ ein Normalobjektiv, wirkt am Rückteil etwas länger, etwa wie 60 mm an Kleinbild. Aus dem 38-mm-Biogon einer 903 SWC wird ein gemäßigtes Weitwinkel. Weil der Sucher weiter das ganze Quadrat zeigt, hilft eine Markierung auf der Scheibe beim Komponieren. Hasselblad hatte dafür eigene Scheiben mit Rahmen, wir fertigen eine Maske zum Einclipsen. Wie sich das Rückteil an einer 500C/M in der Praxis bedient, zeigt Benj Haisch:

„Using the Hasselblad CFV 100C Digital Back on the 907X & 500CM“, Benj Haisch

Günstige Alternativen gibt es kaum. Das I'm Back MF fotografiert mit einem kleinen 16-Megapixel-Sensor eine Mattscheibe in der Filmebene ab und ist beim Hersteller ausverkauft; mit einem echten Rückteil ist es nicht vergleichbar.

Sofortbilder aus der Hasselblad

Die alten Polaroid-Magazine sind heute Vitrinenstücke, weil Fujifilm den passenden Abziehfilm FP-100C 2016 eingestellt hat. Zwei neue Rückteile für Instax-Film füllen die Lücke. Das Escura Hasselback für Instax Mini kostet 365 US-Dollar und arbeitet rein mechanisch. Sein Film liegt allerdings rund 3,5 mm hinter der normalen Filmebene, was offen und im Nahbereich unscharfe Bilder gibt. Gegen diese Unschärfe hat der Designer Tritschi einen Distanzrahmen für die Einstellscheibe entworfen, den wir mit seiner Genehmigung als Fokus-Korrektur-Set fertigen.

Das NONS Instant Back für Instax Square kostet 279 US-Dollar, wirft die Bilder per Motor aus und braucht keine Fokuskorrektur, passt aber nicht an die EL-Modelle und die 200er-Reihe, und mit dem Prisma NC-2 verträgt es sich nicht. David Hume hat es auf 35mmc getestet: Es funktioniert ohne Umbau, die Bilder bleiben aber so weich, wie Instax eben ist.

6x6-Negative digitalisieren

Ein 6x6-Negativ passt auf jeden Flachbettscanner mit Mittelformat-Halter, und ein Labor scannt es dir mit. Wer selbst mit der Digitalkamera abfotografiert, braucht eine Filmbühne für 120er-Film; wie so ein Aufbau aussieht und welche Teile du dafür brauchst, steht in unserem Guide zum Scannen mit der Digitalkamera. Ein Labor in deiner Nähe findest du auf der Karte aller Filmlabore in Deutschland.

Und wenn du dich nicht entscheiden kannst?

Dann nimm die 500C/M. Kein Modell der Reihe findest du häufiger. Magazine, Objektive, Sucher und sogar ein Digitalrückteil wandern mit, falls du irgendwann auf eine andere 500er umsteigst. Die 503CW ist die schönere Kamera für lange Brennweiten und Blitz, aber sie macht keine besseren Negative. Die Kiev 88 ist ein Abenteuer mit eigenem Charakter, das Geduld verlangt.

Wenn du nicht weißt, was an deiner Hasselblad fehlt oder welches Teil passt, schreib uns. Wir antworten auch, wenn du bei uns nichts kaufst.

Weiterlesen bei anderen

Die Hasselblad-Gemeinde hat über Jahrzehnte mehr Wissen gesammelt, als in einen Artikel passt:

Von uns passt noch der Guide zur Rolleiflex-6000er-Serie dazu, dem elektronischen Gegenentwurf zur 500er, und der Artikel darüber, wie du Lichtdichtungen allgemein ersetzt.

Quellen

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