Rolleiflex 6000er Serie: SLX, 6006, 6008, 6001, 6003, AF — Modell erkennen und vergleichen
Share
Titelbild: Eric Gaba (Sting) — CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Du hast eine schwarze 6×6-Kamera vor dir. Sie ist schwer, sie hat einen Lichtschacht, und irgendwo steht „Rolleiflex“ drauf. Aber welche ist es? Zwischen 1976 und 2015 hat Rollei unter dem Dach der 6000er Serie vierzehn verschiedene Gehäuse gebaut, und die Namen helfen nur begrenzt weiter. Zwischen einer 6008 Professional und einer 6008 Integral 2 liegen fast fünfzehn Jahre Entwicklung. Eine 6006 und eine 6006 Model 2 wiederum sehen von außen fast identisch aus, brauchen aber unterschiedlich starke Sicherungen: 0,8 Ampere die eine, 1 Ampere die andere. Wer hier die falsche einsetzt, riskiert die Elektronik.
Der Aufbau folgt der Reihenfolge, in der sich die Fragen normalerweise stellen. Zuerst bestimmst du, welches Gerät du vor dir hast. Danach vergleichen wir, was die einzelnen Modelle können. Ein Vergleich allein hilft aber niemandem, der vor einer konkreten Kaufentscheidung steht. Deshalb sagt jedes Kapitel auch, worauf du achten musst: bei den Objektiven, den Magazinen und beim Gebrauchtkauf.
Ein Hinweis in eigener Sache
Das größte Problem der 6000er Serie ist die Stromversorgung. Ohne Akku läuft keine dieser Kameras, und einen passenden Akku aufzutreiben ist der Punkt, an dem die meisten hängen bleiben. Wir haben dafür selbst eine Lösung gebaut. Das solltest du wissen, bevor du Kapitel 3 liest.
Trotzdem ist das hier kein Werbebeitrag. Es ist in erster Linie ein Guide für alle, die sich für das Rolleiflex-6000-System interessieren und genauso große Fans davon sind wie wir. Deshalb steht unsere eigene Lösung nicht allein da. Bei der Akkufrage nennen wir auch die Werkstätten, die Zellen tauschen, die fertigen Ersatz-Packs anderer Anbieter, den Weg über die Steckdose und das, was auf eBay und bei Resell-Services zu finden ist. An mehreren Stellen in diesem Artikel ist die bessere Antwort schlicht eine andere als unsere.
Die wichtigste Quelle zuerst: Das mit Abstand gründlichste Werk zur 6000er Serie ist die private Referenzseite von F. W. Stutterheim, rolleiflex6000.rolleigraphy.eu. Dort liegen die vollständigen Vergleichstabellen aller Modelle, Datenblätter, Handbücher und geprüfte Service-Adressen, gepflegt und mit Änderungsdatum versehen. Ein großer Teil der technischen Angaben in diesem Artikel stammt von dort. Wenn du tiefer einsteigen willst, ist das die Adresse, nicht diese Seite hier.
Inhaltsverzeichnis
- Welches Modell habe ich vor mir?
- Was die Modelle können, der Vergleich
- Die Stromversorgung: das größte Problem der Serie
- Objektive: HFT, PQ, PQS und was zusammenpasst
- Magazine, Rückteile und Einsätze
- Gebraucht kaufen: Checkliste, Preise, Werkstätten
- 6×6 digitalisieren
1. Welches Modell habe ich vor mir?
Fangen wir mit der guten Nachricht an: In den allermeisten Fällen steht der Modellname vorne drauf. Auf dem schmalen Blech unter dem Lichtschacht, direkt über dem Bajonett. Da steht „Rolleiflex SLX“, „Rolleiflex 6006“ oder „Rolleiflex 6008 professional“.
Foto: Eric Gaba (Sting), CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons. Der Modellname sitzt bei der ganzen Familie an derselben Stelle.
Damit ist die Frage meistens erledigt. Interessant wird es in den Fällen, in denen der Schriftzug nicht reicht, und davon gibt es drei.
Fall 1: Es steht nur „SLX“ drauf
Die SLX wurde in zwei Serien gebaut. Die erste lief von September 1976 bis Dezember 1979, die zweite von September 1978 bis Juli 1985. Beide heißen schlicht „Rolleiflex SLX“; in der Literatur laufen sie als „Old Face“ und „New Face“ beziehungsweise SLX und SLX 2.
Praktisch unterscheidest du sie über die Seriennummer. Die frühen SLX tragen eine fortlaufende siebenstellige Nummer von 4 800 000 bis 4 808 000. Alles, was eine neunstellige Nummer hat, ist eine spätere Kamera, dazu gleich mehr.
Warum das zählt: Die ersten Serien hatten dokumentierte Elektronikprobleme. Stutterheim formuliert es trocken so, dass die Exemplare, die heute noch laufen, die guten sind. Eine SLX, die 2026 einwandfrei funktioniert, hat die Auslese hinter sich.
Video: „Rolleiflex SLX and SLX2 Demo and Detailed Review“, TechHeritage. Zeigt beide SLX-Serien nebeneinander und geht die Bedienung im Detail durch.
Fall 2: Zwei Gehäuse, ein Name — 6006 und 6006 Model 2
Die 6006 lief von Januar 1984 bis April 1989, die 6006 Model 2 von April 1989 bis Januar 1993. Von außen ist der Unterschied unauffällig: Der Model 2 fehlt der mechanische Drahtauslöser-Anschluss, dafür beherrscht sie Mehrfachbelichtungen.
Das ist keine Feinheit für Sammler. Die beiden brauchen unterschiedliche Sicherungen — 0,8 A für die 6006, 1 A für die Model 2. Wer hier rät, riskiert die Elektronik. Mehr dazu in Kapitel 3.
Fall 3: „6008 professional“ steht drauf, aber welche?
Unter dem Namen 6008 laufen fünf Gehäuse aus siebzehn Jahren. Der Schriftzug allein reicht hier selten. Die Reihenfolge:
| Modell | Bauzeit | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| 6008 professional | 09/1988 – 12/1992 | Mechanischer Drahtauslöser vorhanden, kein Selbstauslöser. Prozessor-Generation 2. |
| 6008 professional SRC 1000 | 01/1993 – 03/1994 | Namenszusatz „SRC 1000“. Selbstauslöser vorhanden. |
| 6008 integral | 04/1995 – 2002 | Multi-Spot-Messung (drei winzige Punkte am Funktionsrad), 2,5 Bilder/s, abnehmbare Film Stage. |
| 6008 E | 06/1997 – 2000 | Sparversion der integral: gleiche Messtechnik, Aktionsgriff und helle Mattscheibe nur als Option. |
| 6008 integral 2 | 09/2002 – 2015 | LCD statt LED im Sucher. Das ist das sicherste Merkmal. Dazu Pre-Flash-TTL. |
| 6008 AF | 09/2002 – 2015 | LCD im Sucher plus Autofokus-Sensor. Der Namenszusatz steht auf dem Gehäuse. |
Das belastbarste Einzelmerkmal ist die Sucheranzeige. Bis einschließlich 6008 integral und 6008 E arbeitet die Kamera mit roten LED-Ziffern. Die 6008 integral 2 und die 6008 AF haben ein LCD-Feld, das zusätzlich Bildzähler, Messcharakteristik und Formatlage anzeigt. Wer einmal durch beide geschaut hat, verwechselt sie nicht mehr.
Der Trick, der immer funktioniert: die Seriennummer lesen
Ab 1982 hat Rollei die Seriennummern codiert. Neun Ziffern, und darin steckt das Baujahr auf die Woche genau. Das Schema ist simpel, sobald man es einmal gesehen hat.
Am Beispiel der Nummer 004 230 028:
- Ziffer 1 plus 5 ergibt die letzte Ziffer des Baujahrs. Hier 0 + 5 = 5, also ein Jahr auf 5. Das Jahrzehnt musst du aus dem Modell erschließen, bei einer 6008 professional kommt nur 1985 bis 1992 in Frage.
- Ziffern 2 und 3 sind der Index, also der Firmware-Stand ab Werk. Hier 04.
- Ziffern 4 und 5 minus 20 ergeben die Kalenderwoche. Hier 23 minus 20 = Woche 3.
- Ziffern 6 bis 9 sind die laufende Nummer in dieser Woche. Hier die Nummer 28.
Die vollständige Erklärung steht unter Coded serial numbers auf rolleiflex6000.rolleigraphy.eu.
Der Index ist mehr als eine Fußnote. Ob eine 6008 integral das drehbare 4560-Magazin annimmt, hängt am Firmware-Stand, und der wurde bei manchen Kameras nachträglich in der Werkstatt angehoben, ohne dass sich die Seriennummer geändert hat. Wenn du auf 4,5×6 im Hochformat scharf bist, frag den Verkäufer, ob das Magazin an der konkreten Kamera schon einmal lief.
Die erste Generation von der zweiten trennen
Falls der Schriftzug unlesbar ist oder das Blech fehlt, hilft ein Blick auf zwei Bedienelemente:
Wo sitzt das Filmempfindlichkeits-Rad? Bei SLX, 6002, 6006 und 6006 Model 2 stellst du ISO/ASA am Gehäuse ein, ein gerändeltes Rad neben dem Lichtschacht. Ab der 6008 wandert die Einstellung auf das Magazin, das Gehäuse hat kein solches Rad mehr. Das trennt die beiden Generationen zuverlässig, auch wenn sonst nichts lesbar ist.
Foto: Eric Gaba (Sting), CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons. Das runde ASA/DIN-Rad sitzt hier am Gehäuse — Merkmal der ersten Generation. Darunter der Hauptschalter mit O für aus, S für Einzelbild und C für Serie.
Das zweite Merkmal ist der Aktionsgriff. Bei der 6008 professional und der 6008 integral gehörte er zum Lieferumfang, bei 6003 und 6001 war er Zubehör, und an SLX, 6002 und 6006 gibt es ihn gar nicht. Ein Gehäuse mit angesetztem Griff ist also nie eine Kamera der ersten Generation.
Video: „Rolleiflex SLX / Serie II – eine Revolution in der elektronischen 6×6 Kameratechnik“ — Dominik Meyer. Deutschsprachige Einordnung, warum die SLX 1976 ein Bruch mit allem war, was Mittelformat bis dahin ausmachte.
Und die Hy6?
Die Hy6 ab 2007 wird oft in einem Atemzug mit der 6000er Serie genannt, ist aber eine eigene Baureihe: von Franke & Heidecke zusammen mit Sinar und Leaf entwickelt, ausgelegt auf Film- und Digitalrückteile. Sie nimmt PQ- und PQS-Objektive an, dazu eigene AFD-Objektive ohne Blendenring, und die passen umgekehrt auf keine 6000er, weil dort die Blende am Gehäuse nicht eingestellt werden kann. Wer eine 6000er sucht, kann die Hy6 also gedanklich beiseitelegen. Wer Digitalrückteile plant, sollte sie kennen.
2. Was die Modelle können — der Vergleich
Allen Gehäusen gemeinsam ist das Grundprinzip: 6×6 auf 120er- oder 220er-Rollfilm, ein Zentralverschluss im Objektiv, angetrieben von einem Linearmotor, elektronisch gesteuert von 30 Sekunden bis 1/500 oder 1/1000. Blende und Verschluss werden nicht mechanisch gespannt, sondern gefahren. Der Filmtransport läuft motorisch, eine Kurbel gibt es nicht. Und ohne Strom bewegt sich gar nichts.
Unterschiede gibt es vor allem bei drei Dingen: was die Kamera misst, welche Automatik sie anbietet und wie schnell sie transportiert.
Der Blick, den du beim Fotografieren hast: Mattscheibe im Lichtschacht, seitenverkehrt. Genau hier blenden die späten Modelle ihre Messwerte ein, bis zur 6008 integral als rote LED-Ziffern, ab der integral 2 als LCD-Feld.
| Modell | Bauzeit | Messung | Automatik | Bilder/s | Film-Wechsel |
|---|---|---|---|---|---|
| SLX | 1976–1985 | mittenbetont integral | Zeit, Manuell | 1,5 | Rückteil, kein Schieber |
| 6006 | 1984–1989 | mittenbetont integral, TTL-Blitz | Zeit, Manuell | 0,7 | Magazin 6006 mit Schieber |
| 6002 | 1986–1990 | mittenbetont integral, TTL-Blitz | Zeit, Manuell | 0,7 | festes Rückteil |
| 6006 Model 2 | 1989–1993 | mittenbetont integral, TTL-Blitz | Zeit, Manuell | 0,7 | Magazin 6006, Mehrfachbelichtung |
| 6008 professional | 1988–1992 | Multi-Zonen, Spot, Multi-Spot | Zeit, Blende, Programm, Manuell | 2 | Magazin 6000 |
| 6008 prof. SRC 1000 | 1993–1994 | Multi-Zonen, Spot, Multi-Spot | Zeit, Blende, Programm, Manuell | 2 | Magazin 6000, Selbstauslöser |
| 6003 SRC 1000 | 1994–1996 | Multi-Zonen, Spot | Zeit, Blende, Programm, Manuell | 2 | einfaches Rückteil |
| 6008 integral | 1995–2002 | Multi-Zonen, Spot, Multi-Spot | Zeit, Blende, Programm, Manuell | 2,5 | Magazin 6000, Film Stage abnehmbar |
| 6003 professional | 1996–2002 | Multi-Zonen, Spot | Zeit, Blende, Programm, Manuell | 2 | Rückteil, Magazin 6000 nur mit Film Stage 6003 |
| 6008 E | 1997–2000 | Multi-Zonen, Spot, Multi-Spot | Zeit, Blende, Programm, Manuell | 2,5 | Magazin 6000 |
| 6001 professional | ab 1998 | keine, nur TTL-Blitzmessung | keine | 1,5 | Magazin 6000 |
| 6008 integral 2 | 2002–2015 | Multi-Zonen, Spot, Multi-Spot, Pre-Flash | Zeit, Blende, Programm, Manuell | 2 | Magazin 6000 und 4560 |
| 6008 AF | 2002–2015 | Multi-Zonen, Spot, Multi-Spot, Pre-Flash | Zeit, Blende, Programm, Manuell, Autofokus | 2 | Magazin 6000 und 4560 |
Zusammengestellt aus den Vergleichstabellen Teil 1 (1976–1993) und Teil 2 (1988–2015) von F. W. Stutterheim. Dort stehen zu jedem Modell rund achtzig weitere Zeilen — Blitzsteuerung, Sucherzubehör, Anschlüsse, Fernauslöser.
Was die Tabelle nicht sagt
Ein paar Punkte, über die man beim Lesen leicht hinweggeht:
Die 6001 ist keine abgespeckte 6008, sie ist eine andere Kamera. Ihr fehlt der Belichtungsmesser komplett. Kein Zeitautomatik, keine Blendenautomatik, kein Programm, kein Spot, im Sucher leuchtet nur die Batterie- und Blitzbereitschaft. Sie war als Studiokamera gedacht, wo ohnehin mit Handbelichtungsmesser und Blitzanlage gearbeitet wird. Wenn du draußen fotografieren willst, ist sie die falsche Wahl, egal wie günstig sie angeboten wird.
Multi-Spot haben weniger Modelle, als man denkt. Die Messung, bei der du bis zu fünf Einzelwerte antastest und die Kamera mittelt, gibt es bei 6008 professional, 6008 professional SRC 1000, 6008 integral, 6008 E, 6008 integral 2 und 6008 AF. Die 6003 in beiden Ausführungen hat sie nicht, obwohl sie sonst dieselben Automatiken bietet.
Die 6008 professional konnte von Anfang an 1/1000. Das ist der hartnäckigste Irrtum rund um die Serie. Der Name „SRC 1000“ beim Nachfolgemodell legt nahe, dass die kurze Zeit erst 1993 kam, tatsächlich war die 6008 professional schon 1988 darauf ausgelegt. Nur waren die passenden PQS-Objektive erst 1990 fertig, und deshalb wurde die Zeit nie auf das Zeitenrad graviert. Hinter der „500“ sitzen drei unbeschriftete Rasten. Nachzulesen auf der Objektivseite von rolleiflex6000.rolleigraphy.eu.
Kamera und Objektiv begrenzen sich gegenseitig. Was am Ende geht, entscheidet immer das schwächere Glied. Ein PQ-Objektiv an einer 6006 kann keine Blendenautomatik, weil die Kamera sie nicht kennt. Ein altes HFT-Objektiv an einer 6008 integral kann sie ebenfalls nicht, weil dem Objektiv der Blendensimulator fehlt. Und an einer 6001 misst gar nichts, egal was vorne steckt. Wer eine Automatik im Kopf hat, muss beide Seiten prüfen.
Video: „Rolleiflex 6008 Review“, Nico's Photography Show. Geht Bedienung, Messmodi und Handhabung am lebenden Objekt durch, deutlich anschaulicher, als eine Tabelle es je sein kann.
Wie sich das in der Praxis anfühlt
Volker Muth hat auf 35mmc einen ausführlichen Erfahrungsbericht geschrieben. Er fotografiert mit einer 6008 professional von 1988/89 und besitzt parallel eine Hasselblad, behält aber die Rollei.
Seine Gründe: Der Lichtschacht erhält beim Porträtieren den Blickkontakt, weil kein Gehäuse vor dem Gesicht steht. Der Aktionsgriff macht aus der schweren Kiste eine Kamera, die aus der Hand funktioniert. Und das Planar 2/110 nennt er den heiligen Gral im Mittelformat-Objektivbau. Die Nachteile spart er nicht aus: ohne Strom ist die Kamera tot, und der Gebrauchtmarkt ist deutlich kleiner als bei Hasselblad.
3. Die Stromversorgung: das größte Problem der Serie
Eine SL 66 ist eine mechanische Kamera mit Belichtungsmesser. Eine 6000er ist ein Computer mit Bajonett. Verschluss, Blende, Filmtransport, Spiegel, alles läuft über Motoren, alles hängt am Akku. Ohne Strom hast du einen sehr schön verarbeiteten Briefbeschwerer.
Und genau hier liegt das Problem beim Gebrauchtkauf: Der Akku ist ein Rollei-Systemakku, ein Block, der von links ins Gehäuse geschoben wird und dessen Außenseite bündig mit der Gehäuseflanke abschließt. Drin sitzen ursprünglich Sanyo-NiCd-Zellen. Die letzten davon wurden vor über zwanzig Jahren verbaut. Praktisch jeder Original-Akku, der heute angeboten wird, ist entweder tot oder auf dem Weg dahin.
Foto: Eric Gaba (Sting), CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons. Der Systemakku bildet die linke Gehäuseflanke. Auf seiner Außenseite steht, welche Sicherung drinsteckt.
Die Sicherung: klein, unscheinbar, teuer wenn falsch
Im Akkugehäuse sitzt eine Glassicherung, die die Kameraelektronik schützt. Sie ist sichtbar, und daneben liegt versteckt zwischen den Zellen eine Ersatzsicherung, die du an einer Plastiklasche herausziehen kannst. Der Haken: Nicht jedes Modell nimmt dieselbe Sicherung.
| Sicherung | Charakteristik | Modelle |
|---|---|---|
| 0,8 A / 250 V | mittelträge (M) | SLX, 6006, 6002 |
| 1,0 A / 250 V | mittelträge (M) | 6006 Model 2, 6003 SRC 1000, 6008 professional, 6008 professional SRC 1000 |
| 1,25 A / 250 V | träge (T) | 6001 professional, 6003 professional, 6008 integral, 6008 E, 6008 integral 2, 6008 AF |
Quelle: Power supply auf rolleiflex6000.rolleigraphy.eu, Angaben nach IEC 60127.
Der Aufdruck auf dem Akku ist keine Garantie. Auf der Kamera im Bild oben steht „T 1,25 A slow acting“, das ist eine SLX, für die laut Tabelle 0,8 A mittelträge vorgesehen sind. Akkus wandern über die Jahre zwischen Gehäusen hin und her, und der Aufdruck beschreibt den Akku, nicht deine Kamera. Geh deshalb immer nach dem Kameramodell, nie nach dem, was auf dem Akku steht.
Der Unterschied ist nicht akademisch. Eine zu schwache Sicherung fliegt im normalen Betrieb. Eine zu starke fliegt im Fehlerfall zu spät und nimmt dann Elektronik, Transportmotor oder die Linearmotoren im Objektiv mit, das sind die Reparaturen, bei denen die Kamera wirtschaftlich stirbt.
Deine Optionen, wenn der Akku nicht mehr will
Erstens: Zellen tauschen lassen. Das ist der klassische Weg und für viele der beste. Du schickst ein intaktes Original-Akkugehäuse ein und bekommst es mit neuen Zellen zurück, heute üblicherweise NiMH statt NiCd, weil die keinen Memory-Effekt haben und mehr Kapazität liefern. Drei Adressen, die das seit Jahren machen und auf der Referenzseite als geprüft geführt werden:
- Paepke-Fototechnik, Rather Broich 57, 40472 Düsseldorf. Ehemals autorisierter Rollei-Service, repariert Rollei-Produkte ab 1960, rüstet Systemakkus von NiCd auf NiMH um und verkauft passende Ladegeräte. Inhaber ist inzwischen Leonid Kopilevich.
- Wiese Fototechnik, Spaldingstraße 210, 20097 Hamburg. Ebenfalls früherer Rollei-Vertragsservice, rüstet die Systemakkus auf Lithium-Zellen um und bietet die dazugehörigen Ladegeräte an.
- Ni Cd Services, 4 Queens Park Rd, Bournemouth BH8 9BP, Großbritannien, Telefon +44 1202 395404. Baut Rolleiflex-6000er-Akkus neu auf. Keine Website, Kontakt telefonisch.
Wichtig dabei: Du brauchst ein unbeschädigtes Akkugehäuse. Die Zellen sitzen stramm; sind die neuen einen Hauch zu groß, wölbt sich das Gehäuse und passt nicht mehr in die Kamera.
Zweitens: ein fertiges Ersatz-Pack kaufen. Wenn du kein Gehäuse zum Einschicken hast, geht auch der umgekehrte Weg. Rolleiflex USA verkauft überholte Packs der 6000er Serie mit NiMH-Zellen, aktuell für 225 US-Dollar. Günstiger wird es bei Zubehör-Händlern: akkuline.de bietet den Zellentausch mit NiCd-Industriezellen an und führt daneben fertige Packs, und beim Akkushop gibt es einen 9,6-Volt-Zellenblock mit 700 mAh zum Selbsteinbau für rund 60 Euro, das entspricht der Originalauslegung.
Drittens: gebraucht suchen. Auf eBay und Kleinanzeigen laufen regelmäßig Systemakkus und Ladegeräte durch, oft im Konvolut mit einer Kamera. Der Haken ist derselbe wie bei den Kameras: Ein Akku, der seit zwanzig Jahren liegt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit tot. „Ungetestet“ heißt in der Praxis meistens genau das. Brauchbar sind solche Angebote trotzdem, nämlich als Quelle für ein Gehäuse, das du anschließend neu bestücken lässt. Dann zahlst du für die Hülle, nicht für die Zellen.
Viertens: aus der Steckdose fahren. Rollei hat ein Power Interface (Bestellnummer 30 017) gebaut, das anstelle des Akkus in den Schacht kommt und an ein externes Netzteil geht — 12 bis 18 V Gleichspannung, mindestens 200 mA. Für Studioarbeit ist das oft die entspannteste Lösung, weil die Akkufrage damit komplett wegfällt. Gebraucht taucht das Interface regelmäßig auf.
Fünftens: ein Adapter mit modernen Zellen. Statt das Original-Gehäuse neu zu bestücken, ersetzt du es durch einen Einschub, der handelsübliche Akkus aufnimmt. Diesen Weg sind wir selbst gegangen. Lies den nächsten Abschnitt also ruhig kritisch.
Nicht einfach Lithium-Zellen ins Originalgehäuse löten. Volker Muth warnt in seinem Erfahrungsbericht auf 35mmc ausdrücklich vor nicht freigegebenen Lithium-Polymer-Zellen im Rollei-Systemakku, im schlimmsten Fall nimmt die Hauptplatine Schaden. Der Grund ist die Spannungslage: Der Akku ist auf eine NiCd-Kennlinie ausgelegt, und Lithium-Zellen verhalten sich beim Laden und Entladen anders. Eine Umrüstung auf Lithium gehört deshalb in die Hände einer Werkstatt, die weiß, was sie tut — Wiese Fototechnik bietet genau das an, oder in eine Lösung, bei der die Elektronik das mitberücksichtigt. Ein Lötkolben und drei Zellen aus der Bastelkiste sind keine davon.
Was du beim Laden falsch machen kannst
Rollei hat über die Jahre die Ladegeräte G, N, C und D gebaut. Der Punkt, der die meisten überrascht: Die Geräte G, N und C sind für NiCd ausgelegt, nicht für NiMH. Erst der 2019 erschienene Charger D ist für NiMH gemacht. Wer seinen Akku auf NiMH umrüsten lässt und weiter am alten Charger N lädt, kommt laut Paepke auf etwa 95 Prozent Ladung, und das Gerät schaltet nach einer Stunde ab, statt bei Vollladung. Es funktioniert, aber es ist nicht das, was auf der Packung steht.
Beim alten Charger G lohnt sich die Diskussion gar nicht, er gilt als vollständig überholt.
Unser eigener Weg — und wo er endet
Wir bauen seit einigen Jahren einen Ersatz für den Systemakku: einen Einschub, der drei handelsübliche 14500er-Li-Ion-Zellen mit USB-C-Anschluss aufnimmt, mit einer Hochstrom-Platine dahinter, die die Stromspitzen beim Anlaufen der Motoren sauber überträgt. Alle drei Sicherungswerte liegen bei, damit du die passende einsetzen kannst. Entstanden ist das Teil, weil wir selbst keine brauchbare Lösung gefunden haben.
Video: „The Rolleiflex 6008 Battery We Always Wanted, So We Built It (USB-C!)“, eigenes Video, Kanal Ausgeknipst.
Die ehrliche Einschränkung dazu: Bei 6008 AF, 6008 integral 2 und 6001 RCC haben wir den aktuellen Adapter nicht selbst getestet. Diese Modelle prüfen die Akkuspannung anders, und mit Li-Ion-Zellen gab es dabei historisch Erkennungsprobleme. Möglich, dass die neue Platine das löst, behaupten können wir es nicht. Wenn du eines dieser drei Gehäuse hast, schreib uns vorher, dann besprechen wir das, bevor du Geld ausgibst.
Und noch ein Punkt, der unabhängig von der Marke gilt: Zellen mit eigenem USB-C-Anschluss lädst du über USB-C, niemals im Rollei-Ladegerät. Das Ladegerät ist für NiCd gebaut und hat keine Vorstellung davon, was eine Lithium-Zelle braucht.
Video: „Rolleiflex SLX: Will a New Battery Revive This?“, Camera Talk. Der Realitätscheck: Was passiert, wenn man eine tote SLX mit frischem Strom versorgt, und was danach immer noch nicht geht.
Die ganze Geschichte hinter der Entwicklung, samt der Sackgassen, haben wir vor einer Weile aufgeschrieben: Das Akku-Problem der Rolleiflex 6000er Serie.
4. Objektive: HFT, PQ, PQS und was zusammenpasst
Alle 6000er tragen dasselbe Rollei-Bajonett mit einer zehnpoligen Kontaktleiste, über die Blenden- und Zeitdaten laufen. Mechanisch passt also fast alles an fast alles. Was funktioniert, ist eine andere Frage, und die hängt an der Objektivgeneration.
Foto: Eric Gaba (Sting), CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons. Ein Rollei-HFT Planar 2,8/80 ohne PQ-Zusatz, die erste Objektivgeneration, gebaut für die SLX. Vorne sitzt die Bay-VI-Gegenlichtblende.
Gebaut wurden die Objektive von Carl Zeiss in Oberkochen und Schneider-Kreuznach in Bad Kreuznach, dazu von Rollei selbst in Braunschweig unter Zeiss-Lizenz. Rollei-gefertigte Zeiss-Rechnungen tragen den Objektivnamen — Planar, Distagon, Sonnar, aber nicht den Zeiss-Schriftzug. Fast alle haben die HFT-Vergütung, erkennbar am rötlichen Reflex in der Frontlinse.
| Typ | Kürzeste Zeit | Automatiken | Passt auf |
|---|---|---|---|
|
Original / HFT kein Zusatz auf dem Tubus |
1/500 | Zeitautomatik, Manuell | alle, an neueren Gehäusen aber ohne Blenden- und Programmautomatik |
|
Rolleigon Sparlinie |
1/500 | Zeitautomatik, Manuell | wie Original; am besten an der SLX aufgehoben |
|
PQ „PQ lens“ rechts neben den Blendenzahlen |
1/500 | alle vier | alle 6000er; an SLX, 6002 und 6006 eingeschränkt |
|
EL „EL lens“ in Weiß auf dem Tubus |
1/500 | alle vier | wie PQ; Filtergewinde M67×0,75 statt Bajonett |
|
PQS „PQS lens“ rechts neben den Blendenzahlen |
1/1000 | alle vier | nur 6008, 6003 und 6001 |
| AF | 1/1000 | alle vier plus Autofokus | 6008 AF (Autofokus nur dort), Hy6 |
|
AFD ohne Blendenring |
— | — | nur Hy6, an keiner 6000er |
Nach der Objektivübersicht von rolleiflex6000.rolleigraphy.eu, dort mit Brennweitenliste und Filterangaben zu jedem einzelnen Objektiv.
PQS gehört nicht an SLX, 6002 oder 6006. Die Linearmotoren der PQS-Objektive sind die zweite Generation und ziehen mehr Strom, als die frühen Gehäuse liefern können. Das ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine der Auslegung. Wenn dir jemand ein PQS-Objektiv „passend für die 6006“ verkaufen will, stimmt die Angabe nicht. Umgekehrt ist alles entspannt: PQ und die alten HFT-Objektive laufen an den späten Gehäusen problemlos, nur eben mit weniger Automatik.
Filter und Gegenlichtblenden: Bay VI
Die Standardobjektive der 6000er Serie tragen vorne den Bajonettanschluss Bay VI. Das ist derselbe Anschluss wie bei der SL 66, und er ist der Grund, warum passendes Zubehör so oft fehlt: Bay-VI-Teile sind nicht kompatibel mit den Bay-I-, Bay-II- und Bay-III-Anschlüssen der zweiäugigen Rolleiflex-Modelle. Wer von einer TLR kommt, kann sein Filterset nicht mitnehmen.
Falls du mit dem Bajonett-Dickicht bei Rollei generell haderst, für die zweiäugigen Modelle haben wir das einmal komplett aufgedröselt: Übersicht aller Objektive und Bajonettanschlüsse (Bay I, Bay II, Bay III).
Praktisch heißt Bay VI: Entweder du findest originale Rollei-Filter, oder du setzt einen Adapter auf ein gängiges Schraubgewinde. 67 mm und 72 mm sind die naheliegenden Größen, weil es dafür alles gibt.
5. Magazine, Rückteile und Einsätze
Das Filmwechselsystem der 6000er hat drei Teile, und die Begriffe werden ständig durcheinandergeworfen. Kurz sortiert:
- Der Einsatz ist der Halter, in den Rollfilm und Leerspule kommen. Er hat zwei diagonal angeordnete Transportzahnräder und lässt sich umdrehen, sodass die volle Spule beim nächsten Film ohne Umsetzen zur Aufwickelspule wird.
- Das Rückteil bleibt an der Kamera. Es hat keinen Dunkelschieber, du kannst es also nur bei vollständig belichtetem Film abnehmen.
- Das Magazin hat einen eingebauten Lamellen-Dunkelschieber und darf mitten im Film gewechselt werden. Damit wechselst du von Farbe auf Schwarzweiß, ohne den angefangenen Film zu opfern.
Eine Eigenheit, die die Rollei von Hasselblad und Co. unterscheidet: Die Filmebene liegt im Kameragehäuse, nicht im Magazin. Die Magazine haben nur Andruckplatten. Das erklärt auch, warum die Film Stage, die abnehmbare Filmbühne, bei den späten Gehäusen ein eigenes Bauteil ist.
Foto: Eric Gaba (Sting), CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons. Das SLX-System zerlegt: Gegenlichtblende, Planar 2,8/80, Filmeinsatz, Gehäuse, Systemakku, Rückteil, Tragriemenring, Filter.
Die Kompatibilitätsfrage, kurz beantwortet
Das ist der Teil, an dem beim Gebrauchtkauf am meisten Geld verbrannt wird. Ein Magazin, das nicht passt, ist ein Briefbeschwerer.
| Kamera | Nimmt an | Nimmt nicht an |
|---|---|---|
| SLX | nur SLX-Rückteile | alles andere |
| 6002 | nur 6002-Rückteile (vier Varianten, auch einzeln verkauft) | SLX-Rückteile, alle Magazine |
| 6006 / Model 2 | Magazin 6006 und Magazin 6000 | SLX- und 6002-Rückteile, Magazin 4560 |
| 6008 prof. / SRC 1000 6003 SRC 1000 |
Magazin 6000; Magazin 6006 nur mit ISO-Einschränkung | Magazin 4560 |
| 6008 integral / 6008 E | Magazin 6000; Magazin 4560 je nach Firmware-Index | SLX- und 6002-Rückteile |
| 6003 professional | eigenes Rückteil; Magazin 6000 nur mit Film Stage 6003 | SLX- und 6002-Rückteile |
| 6001, 6008 AF, integral 2 | Magazin 6000 und Magazin 4560 | SLX- und 6002-Rückteile |
Nach der Kompatibilitätsmatrix auf rolleiflex6000.rolleigraphy.eu, dort zusätzlich mit Polaroid-Magazinen und 70-mm-Kassetten.
Magazin 6006 an einer 6008, geht, aber mit Haken. Beim Magazin 6006 wird die Filmempfindlichkeit am Gehäuse eingestellt, beim Magazin 6000 am Magazin. Setzt du ein 6006er Magazin auf eine 6008, hat plötzlich keine der beiden Seiten ein ISO-Rad, das System fällt auf ISO 100 zurück. Ausgleichen kannst du das über die Belichtungskorrektur, bequem ist anders. Magazine für die 6006 sind als solche beschriftet, die späteren tragen den Aufdruck „Magazin 6000“. Ein Blick, bevor du bietest.
Das Magazin 4560 ab Oktober 1996 ist die Besonderheit im System: 4,5×6 cm, und du kannst es im Rahmen umsetzen, um zwischen Quer- und Hochformat zu wechseln. Achtung bei der Beschreibung im Inserat, es gab ein älteres 4,5×6-Rückteil ohne diese Drehfunktion. Nur die Teile, die tatsächlich „4560“ tragen, können es.
Video: „Rolleiflex 6008 || Film Loading“, Nico's Photography Show. Film einlegen Schritt für Schritt. Praktisch, weil die 6000er keinen Filmfühler hat: Du musst den Film von Hand bis zur Markierung vorspulen, den Rest macht der Motor.
Was beim Gebrauchtkauf typischerweise fehlt
Kameras aus Nachlässen und Auflösungen kommen selten vollständig. Diese Teile sind fast immer verschwunden, weil sie beim Fotografieren abgenommen und dann verlegt werden:
- Gehäusedeckel und Objektivrückdeckel. Ohne sie steht das Bajonett offen, bei einer Kamera mit Kontaktleiste keine gute Idee.
- Magazin-Abdeckung. Schützt die Filmbühnenseite des abgenommenen Magazins.
- Der Verschlussriegel an Magazin oder Lichtschacht. Ein kleines Kunststoffteil, das nach vierzig Jahren gern bricht. Wenn die Magazinklappe nicht mehr sicher schließt, ist meistens er der Grund.
- Mattscheiben-Abdeckung, wenn der Lichtschacht abgenommen ist.
Video: „Rolleiflex 6000 & SLX Door Latch Replacement“, eigenes Video, Kanal Ausgeknipst. Der Tausch dauert ein paar Minuten und braucht nur einen Kreuzschlitz-Schraubendreher.
Ohne Magazin liegt die Filmbühne frei. Ein Rückdeckel gehört bei der Lagerung dazu.
EUR 34,95
EUR 29,95
EUR 25,95
EUR 34,95
Mattscheiben sind übrigens der eine Fall, in dem du nichts einschicken musst: Sie lassen sich bei allen SLX- und 6000er-Gehäusen selbst tauschen, und sie sind zwischen den Rolleiflex-TLRs ab GX, der SL 66 und der ganzen 6000er Familie untereinander austauschbar. Wer eine hellere Scheibe sucht, findet sie bei Spezialisten wie Maxwell Precision Optics (Decatur, USA) oder BrightScreen von Rick Oleson. Aktuelle Kontaktdaten stehen auf der Service-Seite von rolleiflex6000.rolleigraphy.eu, dort wird vermerkt, wann ein Eintrag zuletzt geprüft wurde, was bei kleinen Ein-Mann-Betrieben nützlicher ist als ein Link, der irgendwann ins Leere führt.
6. Gebraucht kaufen: Checkliste, Preise, Werkstätten
Neu gibt es keine 6000er mehr, das Werk ist zu. Es bleibt der Gebrauchtmarkt, und der ist bei dieser Serie überschaubar, was Vor- und Nachteil zugleich ist: wenig Auswahl, aber auch wenig Preisfantasie.
Am Gerät prüfen
- Läuft sie überhaupt? Klingt banal, ist aber die Kernfrage. Ohne geladenen Akku kannst du gar nichts beurteilen. Ein Verkäufer, der „ungetestet, kein Akku vorhanden“ schreibt, verkauft dir ein Los, kein Gerät. Kalkuliere den Preis entsprechend.
- Alle Zeiten durchfahren. Von 30 Sekunden bis zur kürzesten Zeit, jede einzeln auslösen und hinhören. Der Zentralverschluss sitzt im Objektiv und wird elektronisch gefahren, ungleichmäßige Geräusche oder hängende Lamellen sind teuer.
- Blende arbeiten lassen. Abblendtaste drücken, durch alle Werte gehen. Auch die Blende hat einen eigenen Motor.
- Filmtransport ohne Film. Einzelbild und Serie. Ein Motor, der stockt oder klackt, ist ein Warnsignal.
- Sicherung anschauen. Akku raus, Sicherung ansehen, mit der Tabelle in Kapitel 3 abgleichen. Und prüfen, ob die Ersatzsicherung noch zwischen den Zellen liegt.
- Kontakte im Bajonett. Die zehnpolige Leiste überträgt alle Daten zum Objektiv. Grünspan oder verbogene Kontakte bedeuten, dass Automatiken sporadisch aussetzen.
- Dunkelschieber und Riegel. Der Lamellenschieber muss vollständig laufen, die Riegel an Magazin und Lichtschacht müssen sicher greifen.
- Mattscheibe und Spiegel. Der Spiegel ist teildurchlässig, damit die Messzellen dahinter Licht bekommen. Kratzer oder Belagreste sind hier heikler als bei einer normalen Spiegelreflex.
Die Stellen, an denen Kunststoff nach vierzig Jahren nachgibt: Riegel, Klappen, Verschlüsse. Sie kosten wenig und entscheiden trotzdem darüber, ob die Kamera lichtdicht bleibt.
Die 6008 AF ist der Sonderfall. Sie war 2002 die erste 6×6-Kamera mit Autofokus und technisch bemerkenswert. Nur sind für sie heute keine Elektronikplatinen mehr zu bekommen, ein Elektronikschaden ist damit in aller Regel das Ende. Für die 6008 integral sieht die Ersatzteillage deutlich besser aus. Wenn dir Reparierbarkeit wichtig ist, ist die AF nicht die vernünftige Wahl, so verlockend der Autofokus klingt.
Was das ungefähr kostet
Momentaufnahme vom 20. August 2026, gesichtet auf Kleinanzeigen.de. Der Markt ist dünn, einzelne Angebote verschieben das Bild schnell, nimm die Zahlen als Größenordnung, nicht als Preisliste.
| Was | Gesichtete Spanne |
|---|---|
| 6006 mit Planar 2,8/80, Magazin, Akku | 650 – 1.250 € |
| 6008 professional, geprüft, mit Akku und Ladegerät | ab rund 690 € |
| 6008 integral, guter Zustand, mit Zubehör | um 1.800 € |
| Planar 2,8/80 einzeln (ältere HFT-Version) | ab rund 200 € |
| Schneider APO-Symmar 4/90 PQS | um 1.100 € |
| Lichtschacht einzeln | 65 – 145 € |
Das Muster darin ist bemerkenswert: Eine 6008 professional mit funktionierendem Akku kann günstiger sein als eine 6006 mit Objektiv, obwohl die 6008 technisch die deutlich potentere Kamera ist. Wer flexibel beim Modell ist, macht hier regelmäßig das bessere Geschäft. Rechne in jedem Fall einen Akku-Neuaufbau oder -Ersatz in den Kaufpreis ein; bei einem Gerät, das seit zwanzig Jahren steht, ist das eher Regel als Ausnahme.
Allgemeines zum Gebrauchtkauf, worauf man bei Inseraten achtet, wie man Preise einordnet, welche Formulierungen Warnsignale sind, haben wir hier gesammelt: Gebrauchte Analogkamera kaufen: wo suchen, was prüfen, was zahlen.
Wer die Serie noch repariert
Das ist der unangenehme Teil. Rollei ist Geschichte, und Techniker, die 6000er annehmen, gab es nie viele. Der Ersatzteilmangel hat die Zahl weiter gedrückt. Was übrig ist:
| Betrieb | Ort | Macht |
|---|---|---|
| Paepke-Fototechnik | Düsseldorf | Rollei-Produkte ab 1960, Kameras und Objektive; Akku-Umrüstung NiCd auf NiMH, Ladegeräte |
| Wiese Fototechnik | Hamburg | Rollei, Sinar, Leica, Plaubel, Linhof, Hasselblad, Mamiya, Fuji; Akku-Umrüstung auf Lithium |
| Key Camera Service | Longmont, USA | 6000er Objektive und Magazine — keine Gehäuse mehr, mangels Teilen |
| Ni Cd Services | Bournemouth, UK | Neuaufbau der Systemakkus |
Adressen und Stand der Prüfung: Service and repairs auf rolleiflex6000.rolleigraphy.eu. Die Seite vermerkt zu jedem Eintrag, wann er zuletzt geprüft wurde, bei einem Thema, in dem Betriebe verschwinden, ist das viel wert.
Für alles jenseits der 6000er Serie führen wir ein Verzeichnis von Reparaturwerkstätten für Analogkameras mit Karte und Umkreissuche, Deutschland und international.
Handbücher und Datenblätter
Bevor du irgendetwas ausprobierst, lade dir die Anleitung. Für die 6000er Serie ist die Lage erfreulich gut:
- Downloads auf rolleiflex6000.rolleigraphy.eu — Prospekte, Datenblätter, Handbücher, Zubehörlisten, gesammelt und sortiert.
- Bedienungsanleitung Rolleiflex 6008 AF (deutsch, PDF) auf cameramanuals.org.
- Butkus / Orphan Cameras — Rollei-Abteilung, das große Archiv für Kamerahandbücher. Spendenfinanziert; wer dort etwas herunterlädt, sollte ein paar Euro dalassen.
7. 6×6 digitalisieren
Am Ende liegt der belichtete Rollfilm da, und die Bilder sollen auf den Rechner. Für 6×6 gibt es drei Wege, und keiner davon ist der klare Sieger.
Flachbettscanner mit Durchlichteinheit. Günstig, langsam, und bei Mittelformat gar nicht so schlecht wie oft behauptet, die große Negativfläche verzeiht mäßige Auflösung. Für Kontaktbögen und Web-Auflösung völlig ausreichend.
Dienstleister. Viele Labore scannen den Film gleich beim Entwickeln mit. Für den gelegentlichen Rollfilm oft die vernünftigste Lösung, weil der Aufwand für eine eigene Ausrüstung sich erst ab einer gewissen Menge rechnet. Wo du entwickeln lassen kannst, steht in unserem Verzeichnis der Filmlabore.
Abfotografieren mit einer Digitalkamera. Schnell, hochauflösend, aber es braucht eine parallele Ausrichtung von Sensor und Negativ, eine gleichmäßige Lichtquelle und einen Halter, der 6×6 plan hält. Wenn du ohnehin eine Digitalkamera und ein Makroobjektiv besitzt, ist das der Weg mit dem besten Ergebnis pro Euro.
Der letzte Weg ist der, den wir am besten kennen, deshalb hier nur der Verweis statt eines Verkaufsblocks. Den kompletten Aufbau, inklusive der Fehler, die dabei üblich sind, haben wir hier beschrieben: Film mit der Digitalkamera scannen, der komplette Guide. Und wenn du beim Ausrichten hängst, es gibt einen Trick mit einem Spiegel: Kamera und Film parallel ausrichten.
Kurz zusammengefasst
Wenn du nur drei Dinge aus diesem Artikel mitnimmst:
- Bestimme das Modell über den Schriftzug und die Seriennummer, nicht über das Gefühl. Die Unterschiede zwischen 6006 und 6006 Model 2 oder zwischen 6008 integral und integral 2 entscheiden über Sicherung, Magazin und Objektive.
- Der Akku ist die eigentliche Kaufentscheidung. Ein Gehäuse ohne Strom lässt sich nicht beurteilen, und praktisch jeder Original-NiCd-Akku ist am Ende. Plane die Lösung mit ein, bevor du kaufst — Zellentausch, Netzbetrieb oder Adapter.
- Prüfe Kamera und Objektiv gemeinsam. PQS gehört nicht an SLX, 6002 und 6006. Und eine 6001 misst kein Umgebungslicht, egal was vorne steckt.
Wenn du eine 6000er hast und etwas findest, das hier fehlt oder falsch ist: schreib uns. Wir tragen es nach.
Zum Weiterlesen: Die beste Quelle zur Serie ist und bleibt rolleiflex6000.rolleigraphy.eu von F. W. Stutterheim, vollständige Vergleichstabellen, Objektivlisten, Handbücher, Service-Adressen. Wenn du wissen willst, welche Blitzanlage an eine 6003 passt oder wie viele Distagon-Varianten es gab, steht es dort und nicht hier.
Unsere eigenen Teile für die Serie — Deckel, Riegel, Abdeckungen, Bay-VI-Zubehör, Batterieadapter, findest du im Sortiment. Weitere Guides zur analogen Fotografie stehen in der Blog-Übersicht.
Quellen
- F. W. Stutterheim: Rolleiflex SLX and 6000 System — Vergleichstabellen Teil 1 und Teil 2, Objektive, Stromversorgung, Filmwechselsysteme, Service, Seriennummern
- Rolleiflex 6000 System — Wikipedia (englisch)
- Volker Muth: Rolleiflex 6000, a passionate review, 35mmc
- Rollei 6008 Professional Review, Casual Photophile
- Rolleiflex 6000 series / SLX, which one to get?, Photrio-Forum
- Preisbeobachtung Kleinanzeigen.de, Stand 20.08.2026
- Claus Prochnow: Rollei Report 5 — Rolleiflex SLX und 6000 Report, Lindemanns 2000, ISBN 3-89506-183-2