Wie viele Megapixel brauchst du, um Film mit der Kamera zu scannen?
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Die Frage, wie sich Megapixel zu Filmkorn verhalten, ist so alt wie die digitale Fotografie. Wir alle kennen die endlosen Diskussionen in Foren darüber, wie viele Megapixel ein guter Kleinbildfilm tatsächlich hat und ob man Korn mit Megapixeln überhaupt vergleichen kann. Eine ähnliche Frage stellt sich beim „Scannen“ mit der Digitalkamera. Damit meine ich das Abfotografieren von Negativen, um sie zu digitalisieren.
Wie viele Megapixel wirklich genug sind, lässt sich nicht so leicht beantworten. Ein Negativ hat keine feste Pixelzahl: Unter dem Mikroskop siehst du immer feinere Strukturen, bis hinunter zum einzelnen Korn. In der Praxis sieht die Sache jedoch anders aus. Da kann man durchaus sagen: 24 Megapixel sind für die meisten Zwecke mehr als genug.
Du suchst erst den passenden Aufbau aus Halter, Licht und Stativ? Der steht in unserem Guide zum Scannen mit der Digitalkamera.
Inhalt
- Wie viel Detail steckt in einem Negativ?
- Warum 24 Megapixel bei Kleinbild viel und bei Mittelformat wenig sind
- Wofür reichen 24 Megapixel?
- Was bringt der hochauflösende Modus deiner Kamera?
- Wie setzt du mehrere Aufnahmen zu einem Scan zusammen?
- Was bringt mehr als zusätzliche Megapixel?
- Welche Ausrüstung passt zu welchem Ziel?
1. Wie viel Detail steckt in einem Negativ?
Weniger, als die Datenblätter versprechen. Die Hersteller messen ihr Filmmaterial allein, im fertigen Negativ kommen Objektiv, Scharfstellung und Verwacklung dazu. Für Kleinbild aus der Hand sind 30 bis 40 Linienpaare pro Millimeter ein realistischer Wert, vom Stativ mit feinkörnigem Film 60, im besten Fall 80.
Kodak gibt für den T-MAX 100 ein Auflösungsvermögen von 63 Linienpaaren pro Millimeter an, gemessen an einer Testvorlage mit schwachem Kontrast (1,6:1). Im Datenblatt steht „lines/mm“, gezählt wird dabei je ein Strich samt Zwischenraum. Bei einer Vorlage mit sehr hartem Kontrast (1000:1) sind es 200. So steht es im Datenblatt von 2018. Fujifilm nennt für den Velvia 50 die Werte 80 und 160, für den Acros 100 II 60 und 200. Der niedrige Wert liegt näher an der Wirklichkeit, denn ein feines Detail im Motiv hebt sich selten so hart ab wie ein schwarzer Strich auf weißem Grund. Bei vielen gängigen Filmen findest du gar keine Zahl mehr: Die aktuellen Datenblätter von Tri-X 400, Portra 400, Ektar 100 und Gold 200 zeigen nur noch Kurven.
Wie viel davon im Negativ ankommt, hat Erwin Puts mit Leica-Objektiven und vielen Filmen ausprobiert. Die besten Kombinationen aus Film, Objektiv und Entwickler bilden bei ihm 100 bis 120 Linienpaare pro Millimeter ab, allerdings vom stabilen Stativ, sorgfältig scharfgestellt und auf Spezialfilm wie Technical Pan. Mit Delta 100 oder T-MAX 100 und etwas weniger Aufwand kommt er auf 60, im besten Fall 80. Aus der Hand bei kurzen Zeiten bleiben 30 bis 40. Mit 400er-Film, längeren Zeiten und schwierigen Bedingungen sind es 20 bis höchstens 30.
Für den Scan heißt das: Jedes Linienpaar besteht aus einem hellen und einem dunklen Strich, und jeder Strich braucht mindestens einen Pixel. Daraus folgt die Untergrenze, die in der Tabelle steht. Eine normale Digitalkamera braucht etwas Reserve darüber, weil vor jedem Pixel ein Farbfilter sitzt und sie die fehlenden Farben aus den Nachbarn errechnet. Roger N. Clark zeigt diesen Unterschied zwischen Helligkeits- und Farbauflösung in seinen Vergleichen deutlich.
| Aufnahme (nach Puts) | Linienpaare pro mm im Negativ | Pixel pro mm Film, mindestens | entspricht ppi |
|---|---|---|---|
| 400er-Film, längere Zeiten, schwierige Bedingungen | 20–30 | 40–60 | 1.000–1.500 |
| aus der Hand, kurze Zeit | 30–40 | 60–80 | 1.500–2.000 |
| Stativ, feinkörniger Film wie Delta 100 | 60–80 | 120–160 | 3.000–4.000 |
| Stativ, Technical Pan, beste Optik | 100–120 | 200–240 | 5.100–6.100 |
Deutlich oberhalb dieser Werte fotografierst du vor allem das Korn genauer ab, kaum noch mehr Motiv. Wie unterschiedlich das Korn ausfällt, zeigt der Vergleich unten: je ein Ausschnitt aus zwei gleichmäßig belichteten Kleinbildnegativen, einmal Tri-X 400, einmal T-MAX 100, mit 4.000 ppi gescannt. Das ist ungefähr die Abtastung, die eine 24-Megapixel-Kamera auf Kleinbild erreicht.
Je ein Ausschnitt von 1,4 × 1,4 mm aus der Bildmitte, gescannt mit einem Nikon Coolscan V, beide mit derselben Kontrastverstärkung, damit das Korn sichtbar wird. Der Tri-X zeigt gröbere Klumpen, der T-MAX ein feineres Muster. Scans: Tri-X 400 und T-MAX 100 von Wiley.andrew.r, CC0, via Wikimedia Commons, Ausschnitt und Kontrast von uns.
Zu grob abgetastetes Korn kann übrigens größer wirken, als es ist. Norman Koren nennt den Effekt Grain Aliasing: Das Korn sieht im Scan klumpiger aus als auf einem Abzug aus der Dunkelkammer. Er schreibt aber auch, dass sich der Effekt schwer nachweisen lässt und eher selten auftritt. Meist ist grobes Korn im Scan schlicht das Korn des Films.
Als grobe Umrechnung in Megapixel nennt Clark für den feinkörnigen Diafilm Velvia im Kleinbild 10 bis 16 Megapixel, für Velvia im Format 6×7 rund 78. Er nennt seine Zahlen selbst grob, und sie gelten für einen der schärfsten Filme überhaupt.
2. Warum 24 Megapixel bei Kleinbild viel und bei Mittelformat wenig sind
Die Megapixelzahl der Kamera sagt wenig. Es zählt, wie viele Pixel auf einen Millimeter Film fallen. Eine 24-Megapixel-Kamera legt auf ein Kleinbildnegativ 167 Pixel je Millimeter, auf ein 6×6-Negativ nur 71. Der Sensor bleibt derselbe, das Negativ wird größer.
Der Grund liegt in einer einzigen Kante. Alle gängigen Formate auf 120er-Film sind 56 mm hoch. Bei 6×6, 6×7 und 6×9 ist das zugleich die kurze Kante, und die muss beim formatfüllenden Abfotografieren die kurze Seite des Sensors abdecken. Bei einer 24-Megapixel-Kamera sind das 4.000 Pixel, und mehr werden es nicht, auch wenn das Negativ in der Breite wächst. Ein 6×9-Negativ füllt den Sensor zwar ganz aus und bekommt alle 24 Megapixel, trotzdem liegen nur 71 Pixel auf jedem Millimeter. Beim quadratischen 6×6 bleibt zusätzlich ein Drittel des Sensors leer, auf dem Negativ landen 16 Megapixel. Nur 6×4,5 kommt besser weg, denn seine kurze Kante misst 42 mm, und die 56 mm liegen auf der langen Seite des Sensors.
Die Negative im richtigen Größenverhältnis (orange), gestrichelt der Ausschnitt, den eine 24-Megapixel-Kamera mit Sensor im Format 3:2 aufnimmt, wenn das Negativ ihn so weit wie möglich füllt. Darunter die Megapixel, die auf dem Negativ landen, und die Pixel pro Millimeter Film. Eigene Rechnung, ohne Rand gerechnet.
Mit mehr Megapixeln steigen die Pixel pro Millimeter, aber langsamer, als die Zahl auf der Kamera vermuten lässt. Die Tabelle zeigt, was gängige Sensorgrößen auf den einzelnen Formaten ergeben. In der Praxis lässt du ein paar Prozent Rand stehen, dann sind es etwas weniger.
| Kamera | Kleinbild | 6×4,5 | 6×6 | 6×7 | 6×9 | Pixel pro mm (Kleinbild / 6×6 bis 6×9) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 24 MP, z. B. Sony α7 III, Lumix S5 II | 24 MP | 21 MP | 16 MP | 20 MP | 24 MP | 167 / 71 |
| 33 MP, z. B. Sony α7 IV | 33 MP | 29 MP | 22 MP | 27 MP | 33 MP | 195 / 83 |
| 45 MP, z. B. Nikon D850, Z8 | 45 MP | 40 MP | 30 MP | 38 MP | 45 MP | 229 / 98 |
| 61 MP, z. B. Sony α7R V | 60 MP | 54 MP | 40 MP | 50 MP | 60 MP | 264 / 113 |
| 96 MP, Hochauflösungsmodus der Lumix S5 II | 96 MP | 85 MP | 64 MP | 80 MP | 96 MP | 333 / 143 |
Ein Sensor im Format 4:3 verliert beim Quadrat weniger. Eine Kamera mit 20 Megapixeln und Seitenverhältnis 4:3, etwa die OM System OM-1, bringt auf 6×6 noch 15 Megapixel unter und liegt damit fast gleichauf mit einer 24-Megapixel-Vollformatkamera.
Legst du die Zahlen neben die Tabelle aus Kapitel 1, ergibt sich ein klares Bild. Auf Kleinbild liefert schon eine 24-Megapixel-Kamera 167 Pixel pro Millimeter und deckt damit rechnerisch auch ein sehr gutes Negativ vom Stativ ab. Auf 6×6 bis 6×9 reichen ihre 71 Pixel rechnerisch für knapp 36 Linienpaare, also ungefähr für das, was aus der Hand im Negativ landet, ohne Reserve. Ein feinkörniges Mittelformatnegativ vom Stativ holst du damit nicht vollständig heraus: Bei 60 bis 80 Linienpaaren bräuchtest du für ein 6×6-Negativ rund 45 bis 80 Megapixel auf dem Negativ.
Archive und Museen legen für Kleinbild und Mittelformat dieselbe Messlatte an. Die Digitalisierungsrichtlinien der US-Bundesbehörden, kurz FADGI, gelten in der Ausgabe von 2023 für Negative von Kleinbild bis 4×5 Zoll und haben vier Stufen, von 1.000 ppi bis 4.000 ppi in der höchsten. Die Stufen bewerten mehr als die Pixelzahl, etwa Schärfe und Farbe, aber schon an den Pixeln pro Zoll siehst du den Unterschied zwischen Kleinbild und Mittelformat. Eine 24-Megapixel-Kamera kommt auf Kleinbild auf gut 4.200 ppi. Auf 6×6 bis 6×9 sind es rund 1.800 ppi, knapp unter der Stufe mit 2.000 ppi. Für 4.000 ppi auf einem 6×6-Negativ bräuchtest du 78 Megapixel, auf 6×7 schon 97.
Darryl Carey hat in seinem Video drei Sony-Kameras mit 12, 24 und 50 Megapixeln an Kleinbild und 6×4,5 verglichen. Bei Kleinbild reichten ihm schon 12 Megapixel. Beim Mittelformat brachte der Schritt von 12 auf 24 sichtbar mehr Detail, der Schritt von 24 auf 50 nur noch wenig. Sein Ergebnis passt zur Rechnung, denn 6×4,5 bekommt von allen 120er-Formaten die meisten Pixel pro Millimeter, und ein Negativ aus der Hand enthält kaum mehr Detail, als 24 Megapixel auf diesem Format erfassen.
Video: „Do Megapixels Matter When Converting Negatives With A Digital Camera“, Darryl Carey (englisch). Der Vergleich mit Ausschnitten bei 100 Prozent steht ab Minute 7.
3. Wofür reichen 24 Megapixel?
Für fast alles, was du mit einem Scan machst. Instagram zeigt Fotos mit höchstens 1.080 Pixeln Breite, ein 4K-Bildschirm hat 8,3 Megapixel, und für einen Abzug von 30 × 30 cm mit 300 ppi reichen 12,6 Megapixel. Knapp wird es erst bei großen Drucken aus Mittelformat, vor denen jemand aus der Nähe steht.
Alles über 1.080 Pixel Breite verkleinert die Instagram-App laut Hilfeseite. Im Hochformat 3:4 sind das 1.080 × 1.440 Pixel, also 1,6 Megapixel. Fürs Sichten am Bildschirm reicht ein Bruchteil dessen, was die Kamera aufnimmt.
Für Abzüge rechnet der Fotodienst WhiteWall mit drei Richtwerten: 300 ppi für Abzüge und Bildbände, die du in die Hand nimmst, 240 ppi für Wandbilder und 150 ppi für große Formate, die du aus einigen Metern ansiehst. Ein 6×6-Scan aus einer 24-Megapixel-Kamera hat 4.000 × 4.000 Pixel. Damit kommst du auf folgende Größen:
| Verwendung | Richtwert | 6×6 mit 24 MP (4.000 px) | 6×6 mit 45 MP (5.500 px) |
|---|---|---|---|
| Abzug in der Hand, Fotobuch | 300 ppi | 34 × 34 cm | 47 × 47 cm |
| Wandbild, Galeriedruck | 240 ppi | 42 × 42 cm | 58 × 58 cm |
| großes Format aus Distanz | 150 ppi | 68 × 68 cm | 93 × 93 cm |
In einem italienischen Video testet der YouTuber Domenico Pescosolido unseren 120er-Filmhalter mit einer Lumix S5 II, einer Kamera mit 24 Megapixeln. Für Mittelformat nennt er diese Auflösung „nicht ideal“, zum Archivieren und Durchsehen reiche sie aber. Auf seinem 6×9-Scan lässt sich auf einer Uhr die Zeit ablesen, und für einen Abzug von 30 × 45 cm fehlt kein Pixel. Für ein Wandbild von 60 × 90 cm bleiben rund 170 ppi, weniger als die 240 ppi, die WhiteWall für Wandbilder ansetzt.
Zum Vergleich: Ein Labor liefert meist deutlich weniger. In unserer Übersicht der Fotolabore haben wir bei 38 Laboren nachgesehen, wie groß der Scan in der günstigsten Stufe für Kleinbild ist. 26 der 38 liefern höchstens 6 Megapixel (2.000 × 3.000 Pixel), 17 davon sogar weniger als 4. Nur zwei liefern mehr als 10. Laut WhiteWall reichen 6 Megapixel für einen Abzug von etwa 17 × 25 cm mit 300 ppi.
Wie viele Megapixel die günstigste Kleinbild-Scanstufe liefert, ausgezählt in 38 Laboren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Balken zeigen die Zahl der Labore je Bereich. Eigene Auswertung der Preislisten, Stand Juli bis Oktober 2026.
Mehr Pixel kosten Speicherplatz. Eine unkomprimierte TIFF-Datei mit 16 Bit Farbtiefe belegt sechs Byte pro Pixel. Ein 6×6-Scan mit 16 Megapixeln wird damit 96 MB groß, einer mit 64 Megapixeln 384 MB. Für eine Rolle mit zwölf Aufnahmen sind das bei 64 Megapixeln rund 4,6 GB. Ein Leser, der mit einem Flachbettscanner arbeitet, schrieb uns im August, er scanne 120er bewusst nur mit 1.800 dpi, sonst würden die Dateien riesig. Im Reddit-Forum r/AnalogCommunity fragt ein Nutzer, wer seine Mittelformatscans mit 200 bis 300 MB pro Bild denn wirklich groß drucke.
4. Was bringt der hochauflösende Modus deiner Kamera?
Viele neuere Kameras verschieben den Sensor zwischen mehreren Aufnahmen um einen Pixel oder Bruchteile davon und rechnen daraus ein genaueres oder größeres Bild. Die Hersteller nennen das Pixel Shift oder Hochauflösungsmodus. Für Negative passt das gut, denn auf dem Leuchtpult bewegt sich nichts. Die Lumix S5 II macht so aus 24 Megapixeln 96, auf einem 6×6-Negativ bleiben davon 64.
Es gibt zwei Spielarten. Bei der einen verschiebt die Kamera den Sensor viermal um einen ganzen Pixel. Die Pixelzahl bleibt gleich, aber jeder Pixel misst Rot, Grün und Blau selbst, statt die fehlenden Farben aus den Nachbarn zu errechnen. Sony bietet das bei der α7R IV und α7R V mit vier Aufnahmen an, Pentax bei der K-1 Mark II. Bei der anderen verschiebt die Kamera zusätzlich um halbe Pixel, dann wächst die Pixelzahl. Das ist der Modus, der für 120er interessant ist.
Die Lumix S5 II, mit der Domenico Pescosolido seinen Test gemacht hat. Ihr Hochauflösungsmodus liefert 12.000 × 8.000 Pixel. Foto: Henry Söderlund, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
| Kamera | Ergebnis | Aufnahmen | Wo das Bild entsteht |
|---|---|---|---|
| Panasonic Lumix S5 II / S5IIX | 96 MP | 8 | in der Kamera, als Rohdatei oder JPEG |
| OM System OM-1 Mark II | 80 MP (vom Stativ) | 8 | in der Kamera |
| Nikon Z f | bis 96 MP | bis 32 | am Rechner mit NX Studio |
| Fujifilm X-T5 | 160 MP | 20 | am Rechner mit Pixel Shift Combiner |
| Sony α7R IV / α7R V | rund 240 MP | 16 | am Rechner mit Imaging Edge Desktop |
| Canon EOS R5 | rund 400 MP | 9 | in der Kamera, nur als JPEG |
Die Angaben stammen aus den Handbüchern und Produktseiten der Hersteller. Für Negative nutzt du alle diese Modi vom Stativ oder Reprostativ. Die EOS R5 Mark II hat keinen solchen Modus mehr, Canon setzt dort auf Hochrechnen per Software. Bei der R5 kommt das Ergebnis nur als JPEG heraus. Für Negative ist das ungünstig, weil du die Umkehrung lieber aus einer Rohdatei rechnest.
Ob sich der Aufwand lohnt, hängt vom Film ab. Pushing Film hat den Modus einer Lumix S1 II, die ebenfalls 12.000 × 8.000 Pixel liefert, an Mittelformat ausprobiert. Beim feinkörnigen Diafilm brachte er kaum etwas. Beim Delta 3200 wurde das Korn deutlich feiner abgebildet, beim 400er-Farbnegativ war der Gewinn erst in der 200-Prozent-Ansicht zu sehen. In diesem Test half der Modus also vor allem beim groben Korn. Nach dem Beschnitt auf 6×6 blieben rund 8.000 × 8.000 Pixel übrig. Die Kamera hat Panasonic für das Video gestellt.
Video: „Better Film Scans with Pixel Shift? | Lumix High Res Test“, Pushing Film (englisch). Den Kornvergleich am Delta 3200 siehst du ab Minute 6.
Im Forum von Photrio hat ein Nutzer Scans eines 6×6-Negativs auf HP5 geteilt, aufgenommen mit einer Sony α7R IVa einmal normal, einmal aus vier und einmal aus 16 Aufnahmen. Er selbst sah mit 16 Aufnahmen einen klaren Gewinn, ein anderer Nutzer fand nach dem Verkleinern auf Druckgröße die Version aus vier Aufnahmen schärfer. Nachlesen kannst du das im Photrio-Thread zum Scannen mit Pixel-Shift.
Flackerndes Licht und Erschütterungen verderben die Serie schnell. Panasonic schreibt im Handbuch der S5 II, dass unter LED- oder Leuchtstofflicht Farbe und Helligkeit schwanken oder waagerechte Streifen entstehen können. Eine längere Belichtungszeit kann die Streifen verringern. Nikon warnt, dass schon vorbeigehende Menschen oder vorbeifahrende Autos die Serie stören. Der Photrio-Nutzer mit dem 16-fach-Modus wartete deshalb, bis alle im Haus schliefen. Mach vor einer ganzen Rolle eine Probeaufnahme mit deinem Leuchtpult und sieh sie dir in der 100-Prozent-Ansicht an.
5. Wie setzt du mehrere Aufnahmen zu einem Scan zusammen?
Du fotografierst das Negativ in zwei oder drei überlappenden Teilen und lässt die Software daraus eine Datei rechnen. Mit einer 24-Megapixel-Kamera wird ein 6×6-Negativ so aus zwei Aufnahmen zu rund 36 Megapixeln. Das funktioniert mit jeder Kamera, du brauchst dafür Zeit und ein Programm, das Panoramen zusammensetzt.
Ein Zuschauer unter Domenicos Video beschreibt genau das: Er nimmt ein 6×6-Negativ mit einer Nikon D850 in zwei Teilen auf und kommt auf ungefähr 8.000 × 8.000 Pixel. Das ist so viel, wie der Hochauflösungsmodus der S5 II auf demselben Negativ liefern würde.
So gehst du vor:
- Kamera um 90 Grad drehen. Die lange Seite des Sensors deckt dann die 56 mm Bildhöhe des 120er-Films ab, die kurze Seite erfasst bei einem Sensor im Format 3:2 rund 37 mm der Bildbreite. Bei 24 Megapixeln sind das 107 Pixel pro Millimeter statt 71.
- Negativ zwischen den Aufnahmen verschieben, Abstand und Schärfe nicht anfassen. Für 6×4,5 und 6×6 reichen zwei Teile, für 6×7 und 6×9 nimmst du drei.
- Genug überlappen. Nate Johnson, der Entwickler der Umkehr-Software Negative Lab Pro, arbeitet bei Mittelformat mit etwa 25 Prozent Überlappung, bei Panoramanegativen der Hasselblad XPan mit 30.
- Belichtung von Hand festlegen. Automatik und Autofokus können zwischen den Teilen springen, dann passt die Naht nicht.
- Erst zusammenfügen, dann umkehren. Lightroom setzt die Rohdateien über seine Panorama-Funktion zu einer neuen Rohdatei (DNG) zusammen. Laut Anleitung von Negative Lab Pro kehrst du danach diese Datei um. Johnson empfiehlt die Projektion „Perspektivisch“ und rät, mit zwei bis drei Teilen anzufangen, weil mit jedem weiteren Teil öfter etwas schiefgeht.
Mit um 90 Grad gedrehter Kamera deckt jede Aufnahme die volle Höhe des 120er-Films ab. Bei 6×6 überlappen zwei Teile sogar um rund ein Drittel der Negativbreite, also mehr als nötig, bei 6×9 nimmst du drei. Eigene Grafik, maßstäblich für eine Kamera mit Sensor im Format 3:2.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Three Minute Pro an einem 6×4,5-Negativ: vier Teilaufnahmen mit einer Olympus E-M10 II mit 16 Megapixeln, fest eingestellt auf 1/2 s und Blende 8, zusammengefügt in Lightroom zu rund 52 Megapixeln. Einen Vergleich mit einer Einzelaufnahme zeigt das Video allerdings nicht.
Video: „Digitising and stitching 120 roll film scans“, Three Minute Pro (englisch, knapp sechs Minuten).
Mehr Teile helfen nicht unbegrenzt. Nick LoPresti hat ein 4×5-Negativ mit einer 24-Megapixel-Kamera aus 35 Teilen auf rund 318 Megapixel gebracht. Die fertige Datei war über 200 MB groß, mit allen Teilaufnahmen kamen für ein Bild über 2 GB zusammen. Lightroom und Photoshop schafften die 35 Teile nicht auf einmal, er musste in Streifen arbeiten. In seinem Video nennt er das selbst übertrieben. Praktischer bleibt Johnsons Rat: zwei bis drei Teile, Negativ plan, Kamera parallel. Steht die Kamera schief, verzieht sich die Naht.
6. Was bringt mehr als zusätzliche Megapixel?
Ein planes Negativ, eine parallel stehende Kamera, die richtige Blende und ein ruhiger Auslöser. Mehr Pixel zeigen jeden Fehler in diesen vier Punkten nur deutlicher. Peter Krogh rät deshalb, die Schärfe in der Mitte und in allen vier Ecken bei mehreren Blenden zu prüfen, bevor du über eine andere Kamera nachdenkst.
Krogh hat lange für die höchste verfügbare Auflösung geworben und seine Empfehlung 2020 in einem Artikel auf PetaPixel zurückgenommen. Die meisten Kleinbildnegative profitieren nach seiner Erfahrung nicht von Scans über 30 bis 40 Megapixel. Für Kleinbild empfiehlt er 24 bis 45 Megapixel, für Mittel- und Großformat mehr als 50. Bei sehr hoher Auflösung musst du die Blende weiter öffnen, um Beugung zu vermeiden, und verlierst damit Schärfentiefe. Liegt der Film dann nicht ganz plan oder steht die Kamera schief, ist der Gewinn weg.
Diese Fehler kosten mehr Schärfe als ein paar fehlende Megapixel:
- Der Film wölbt sich. Bei Blende 8 bleiben am Kleinbildnegativ im Maßstab 1:1 nur etwa 0,5 mm Schärfentiefe. In unserem Film Flatness Test wich ein Kleinbildstreifen ohne Deckplatte im Mittel um 0,38 mm von der Ebene ab, in den drei getesteten Haltern um 0,16 bis 0,20 mm (jeweils als RMS-Wert über die ganze Fläche). Liegt der Film nicht flach genug, werden Bildmitte oder Ecken weich, egal mit wie vielen Pixeln.
- Die Kamera steht nicht parallel zum Film. Eine Bildseite wird unscharf. Die Wasserwaage reicht dafür nicht, besser klappt die Ausrichtung mit einem Spiegel auf dem Filmhalter: Siehst du das Objektiv genau in der Bildmitte, steht die Kamera parallel.
- Die Blende ist zu weit geschlossen. Im Maßstab 1:1 verdoppelt sich die wirksame Blende, aus Blende 16 wird 32. Die Unschärfe durch Beugung deckt dann bei 24 Megapixeln mehrere Pixel ab, bei 61 Megapixeln noch mehr. Teste die Blendenreihe deines Makroobjektivs einmal durch. Darryl Carey arbeitet mit Blende 5,6, Three Minute Pro mit Blende 8.
- Der Fokus sitzt nicht. Stell in der vergrößerten Live-Ansicht auf das Korn scharf, nicht auf die Bildkante. Beim großen 120er-Negativ ist der Abbildungsmaßstab kleiner, die Schärfentiefe etwas größer, aber ein verfehlter Fokus macht jeden Scan weich.
- Die Kamera wackelt beim Auslösen. Selbstauslöser oder Fernauslöser verhindern, dass dein Finger die Aufnahme verwackelt, der elektronische Verschluss vermeidet zusätzlich den Ruck des mechanischen Verschlusses. Beim Hochauflösungsmodus zählt das besonders, weil die Kamera über alle Teilaufnahmen hinweg ruhig stehen muss.
- Licht fällt von der Seite ein. Streulicht nimmt Kontrast, und ein flauer Scan wirkt unschärfer, als er ist. In der r/AnalogCommunity warnt ein Nutzer, dass helles Raumlicht trotz kräftiger Lichtquelle hinter dem Negativ als ungleichmäßige Farbe im Scan auftaucht. Abdunkeln oder eine Maske um das Negativ hilft.
Wie stark ein Kleinbildstreifen in drei Filmhaltern von der Ebene abweicht, aus unserem Film Flatness Test. Je gleichmäßiger die Fläche, desto eher bleibt das ganze Negativ in der Schärfentiefe. Eigene Messung.
7. Welche Ausrüstung passt zu welchem Ziel?
Für Kleinbild reicht fast jede Kamera, und ab rund 20 bis 24 Megapixeln bildet sie auch das Korn sauber ab. Für Mittelformat reichen 24 Megapixel zum Sichten, Archivieren und für Wandbilder bis gut 40 cm bei 240 ppi. Wer aus einem feinkörnigen 6×6-Negativ vom Stativ alles holen will, braucht darauf rund 45 bis 80 Megapixel, bei 6×7 und 6×9 entsprechend mehr, und dafür gibt es drei Wege.
| Ziel | Kamera | Weg |
|---|---|---|
| Kleinbild sichten, teilen, Abzüge | ab 12 bis 16 MP | eine Aufnahme |
| Kleinbild bis ins Korn | 24 MP, mehr als 30 bis 40 MP bringen meist kaum etwas | eine Aufnahme |
| Mittelformat sichten, archivieren, Wandbilder bis gut 40 cm | 24 MP | eine Aufnahme |
| Mittelformat bis ins Korn, große Wandbilder | 45 bis 80 MP auf dem 6×6-Negativ, bei 6×7 und 6×9 mehr | Hochauflösungsmodus oder zwei bis drei Teile zusammensetzen; eine Einzelaufnahme reicht erst mit sehr hoher Auflösung (61 MP ergeben auf 6×6 nur 40 MP) |
Eine Kamera mit mehr Megapixeln ist von den drei Wegen meist der teuerste. Bevor du eine kaufst, probier aus, was deine vorhandene Kamera mit Hochauflösungsmodus oder zusammengesetzten Aufnahmen schafft. Der Filmhalter-Hersteller Valoi empfiehlt als Untergrenze 8 Megapixel für Kleinbild und 16 für Mittelformat und schreibt, für jedes letzte Korn brauche es eher 20 beziehungsweise 50. Das deckt sich mit unserer Rechnung.
Wichtiger als die Kamera sind ein Makroobjektiv, ein stabiler Aufbau, eine gleichmäßige Lichtquelle und ein Halter, der den Film plan hält. Systeme dafür bauen unter anderem Valoi, Negative Supply und wir. Was die einzelnen Halter können und kosten, vergleicht unser Filmhalter-Vergleich.
Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.
Unsere Sets bestehen aus einem Filmhalter, der den Streifen ohne Glas plan spannt, und lassen sich um Lichtquelle, Gegenlichtblende und Copy Stand erweitern. Für 120er liegt im Grundset die Maske für 6×6 bei, in der Variante „Alle Formate“ zusätzlich die für 6×4,5, 6×7 und 6×9.
Willst du gar nicht selbst scannen, findest du in unserer Laborübersicht Labore mit Scanpreisen und Scangrößen. Frag beim Labor bei Mittelformat ausdrücklich nach der Pixelzahl der Scans, denn unsere Auszählung oben gilt nur für Kleinbild.
Weiterlesen und weiterfragen
Den gründlichsten Text zur Frage, ab wann mehr Megapixel bei Kleinbild nichts mehr bringen, hat Peter Krogh auf PetaPixel geschrieben. Wie das Zusammensetzen mit Lightroom und Negative Lab Pro im Detail geht, steht in der Lightroom-Anleitung von Negative Lab Pro. Einen Vergleich von 30, 36, 42 und 45 Megapixeln an Mittelformatnegativen hat Alexander Seidler auf 35mmc veröffentlicht. Fragen zur eigenen Kamera kannst du im Reddit-Forum r/AnalogCommunity stellen.
Wie du Halter, Licht und Stativ aufbaust, steht in unserem Guide zum Scannen mit der Digitalkamera.
Quellen
- Kodak Alaris: Datenblatt T-MAX 100, F-4016 (Juni 2018), Datenblatt Tri-X, F-4017 (Februar 2016), Portra 400, E-4050, Ektar 100, E-4046
- Fujifilm: Datenblatt Velvia 50, Datenblatt Acros 100 II (120)
- Erwin Puts: Resolution of fine detail
- Roger N. Clark: Film versus Digital Summary (aktualisiert 2016)
- Norman Koren: Grain and sharpness in scans and enlarger prints
- FADGI: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials, 3. Ausgabe (Mai 2023), Abschnitt 3.11
- Peter Krogh: Reaching the Megapixel Limit (for 35mm Camera Scanning), PetaPixel 2020
- Instagram: Bildauflösung der Fotos, die du auf Instagram teilst
- WhiteWall: Ist mein Foto gut genug für den Druck?
- Kamerahersteller: Panasonic S5 II, High Resolution mode, OM System OM-1 Mark II, High Res Shot, Nikon Z f, Pixel Shift, Fujifilm X-T5, Pixel Shift Multi Shot, Sony α7R V, Pixel-Shift-Multi-Aufnahme, Canon EOS R5, IBIS-Hochauflösung
- Negative Lab Pro: Lightroom Tips, Pano Merges
- Valoi: Kompatible Kameras
- Videos: Darryl Carey, Pushing Film, Three Minute Pro, Nick LoPresti, Domenico Pescosolido
- Laborscans: eigene Auswertung der Preislisten von 38 Laboren aus unserer Laborübersicht, Stand Juli bis Oktober 2026
Titelbild: Schwarzweißnegative, ein Farbnegativstreifen und Dias auf einem Leuchtpult. Foto: Friedrich Haag, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, von uns zugeschnitten.