Quadratischer Acrylspiegel 50 x 50 mm zum Ausrichten von Kamera und Filmhalter

Negative abfotografieren: mit einem Spiegel Kamera und Film parallel ausrichten

Der Filmhalter steht, das Makro sitzt, in der Bildmitte ist alles knackscharf, und die rechte untere Ecke bleibt matschig. Also nochmal abblenden. Immer noch. Irgendwann verdächtigt man das Objektiv.

Meistens liegt es nicht am Objektiv. Es liegt am Winkel.

Warum eine Ecke weich wird

Beim Abfotografieren von Negativen bildest du eine Fläche auf eine Fläche ab. Damit das über das ganze Bild funktioniert, müssen Sensorebene und Filmebene parallel zueinander stehen. Kippt eine von beiden, schneidet die Schärfeebene den Film diagonal: In der Mitte sitzt sie noch, an einer Kante liegt sie darüber, an der gegenüberliegenden darunter.

Wie viel Schieflage das verträgt, kann man ausrechnen. Für den Nahbereich gilt näherungsweise:

Schärfentiefe ≈ 2 × Blendenzahl × Zerstreuungskreis × (1 + Abbildungsmaßstab) ÷ Abbildungsmaßstab²

Ein Kleinbildnegativ auf einem Vollformatsensor bedeutet Abbildungsmaßstab 1:1. Mit Blende 8 und dem klassischen Zerstreuungskreis von 0,03 mm kommen knapp 0,96 mm heraus, das ist der gesamte Bereich, in dem etwas scharf aussieht, vor und hinter der Fokusebene zusammen. Über die 36 mm Breite eines Kleinbildnegativs entspricht das einer Neigung von rund anderthalb Grad.

Nur ist dieser klassische Zerstreuungskreis für Abzüge in Postkartengröße gedacht. Wer seinen Scan hinterher bei 100 Prozent am Monitor anschaut, und das tut beim Digitalisieren jeder, landet eher bei 0,01 mm. Dann schrumpft die Schärfentiefe auf 0,32 mm und die erlaubte Neigung auf ein halbes Grad.

Ein halbes Grad ist wenig. Eine Kugelkopfklemme, die beim Festziehen minimal nachrutscht, verbraucht das schon.

Abblenden ist keine Reparatur

Der naheliegende Reflex ist, weiter zuzumachen. Das vergrößert die Schärfentiefe wirklich, holt sich den Gewinn aber über Beugung zurück, im Maßstab 1:1 besonders schnell, weil sich die effektive Blende dort verdoppelt. Aus eingestellten f/16 werden effektiv f/32, und das Beugungsscheibchen wächst auf rund 43 µm. Bei einer 24-Megapixel-Vollformatkamera liegt der Pixelabstand bei etwa 6 µm. Das Scheibchen deckt also gut sieben Pixel ab. Du tauschst zwei unscharfe Ecken gegen ein durchgehend weiches Bild.

Warum die Wasserwaage nicht reicht

Der übliche Versuch: Libelle auf den Filmhalter, Libelle auf die Kamera, beides ins Lot bringen, fertig. Das Problem daran ist nicht die Idee, sondern die Kette. Du misst zweimal gegen die Erdanziehung und hoffst, dass sich daraus der richtige Winkel zwischen den beiden Ebenen ergibt. Beide Messungen haben einen Fehler, und die Fehler addieren sich.

Dazu kommt ein Bezugsproblem. Die Sensorebene sitzt im Gehäuse und steht nicht zwangsläufig exakt parallel zur Stativplatte, auf der die Libelle liegt. Der Filmhalter muss nicht exakt parallel zur Tischplatte stehen. Die Wasserwaage misst also zwei Dinge, die dich beide nur indirekt interessieren. Auch Hersteller von Scan-Zubehör ordnen die eingebauten elektronischen Wasserwaagen entsprechend ein: als Grobkontrolle und Rückfallebene, nicht als Referenz.

Der Spiegel misst direkt das, worauf es ankommt, den Winkel zwischen Sensor und Film.

Der Spiegeltrick

Schema: Bei schief stehender Kamera verfehlt der am Spiegel reflektierte Strahl das Objektiv, bei paralleler Kamera läuft er in das Objektiv zurück.

Leg einen kleinen Spiegel dorthin, wo sonst der Film liegt, und schau durch die Kamera. Was du siehst, ist dein eigenes Objektiv.

Steht die optische Achse senkrecht auf dem Spiegel, läuft der Lichtweg in sich selbst zurück und die Spiegelung sitzt genau in der Bildmitte. Steht die Kamera schief, wandert sie heraus. Mehr ist es nicht. Und weil der Sensor konstruktionsbedingt senkrecht zur optischen Achse steht, ist er in diesem Moment parallel zum Spiegel und damit parallel zum Film.

Der eigentliche Trick steckt im Reflexionsgesetz: Kippst du den Spiegel um einen Winkel, dreht sich der reflektierte Strahl um das Doppelte. Die Methode zeigt dir den Fehler also doppelt so groß, wie er ist. Genau deshalb löst sie Winkel auf, an denen eine Libelle scheitert.

Schritt für Schritt

  1. Bau den Filmhalter genau so auf, wie du später scannst, gleiche Höhe, gleiche Maske, gleiche Unterlage. Leg den Spiegel mittig auf die Filmauflage.
  2. Kamera senkrecht darüber, Live View einschalten, Gitterlinien einblenden. Die hat fast jede Kamera im Anzeigemenü.
  3. Stell auf die Spiegelung scharf, nicht auf den Spiegel. Scharf werden soll die Frontlinse deines eigenen Objektivs, die du darin siehst. Der Fokus liegt dafür etwa auf der doppelten Entfernung.
  4. Blende zu, f/8 bis f/16. Die Blendenöffnung wird kleiner und damit als Zielpunkt genauer.
  5. Verstell den Stativkopf, bis die Blendenöffnung genau in der Bildmitte sitzt. Ein Getriebeneiger ist hier angenehmer als ein Kugelkopf, weil du beide Achsen einzeln nachdrehen kannst.
  6. Spiegel abnehmen, Film einlegen, auf den Film neu scharfstellen. Am Stativkopf danach nichts mehr anfassen.

Live-View-Vergleich: links sitzt die Spiegelung des Objektivs neben der Bildmitte, rechts genau mittig.

Wenn du kaum etwas erkennst: eine kleine Lampe seitlich neben den Spiegel legen, die nach oben leuchtet. Das Objektiv wird angestrahlt und hebt sich im dunklen Live View deutlich ab. Ein Handy mit eingeschalteter Taschenlampe reicht dafür völlig.

Die Gegenprobe

Ausgerichtet heißt noch nicht bewiesen. Leg statt des Negativs eine Testtafel ein, ein USAF-1951-Muster, notfalls eine bedruckte Seite mit feiner Schrift, mach eine Aufnahme und sieh sie dir am Rechner bei 100 Prozent an, mit ausgeschalteter Nachschärfung. Prüfe die Mitte und alle vier Ecken. Sind die Ecken gleichmäßig, stimmt der Winkel. Ist eine Ecke schlechter als die diagonal gegenüberliegende, kippt die Kamera noch in diese Richtung.

Was dabei gerne schiefgeht

  • Der Spiegel liegt nicht plan. Ein Staubkorn unter der Kante, eine wellige Klebefolie, eine gefederte Filmauflage, dann richtest du gegen eine schiefe Referenz aus. Fläche vorher abwischen.
  • Der Spiegel liegt nicht dort, wo der Film liegt. Bei mehrstöckigen Haltern zählt die Ebene, in der später das Negativ liegt, nicht die Grundplatte darunter.
  • Nach dem Ausrichten wird noch am Neiger gedreht. Die Höhe zu verstellen ist unkritisch, solange die Säule wirklich senkrecht steht. Am Neigekopf zu drehen macht die Arbeit zunichte.
  • Einmal ausgerichtet, für immer ausgerichtet. Stimmt nicht. Nach jedem Umbau, jedem Transport und jedem Objektivwechsel neu prüfen. Die Kontrolle dauert eine Minute.

Was du dafür brauchst

Fast nichts. Ein kleiner Spiegel genügt, solange er flach ist und über die Bildmitte reicht; 40 bis 50 mm Kantenlänge sind angenehm zu handhaben. Ein Taschenspiegel aus der Drogerie tut es, ein Stück Spiegelacryl aus dem Bastelbedarf auch.

Offenlegung in eigener Sache: Wir bauen selbst Filmhalter und Copy Stands, und seit Kurzem liegt bei uns auch ein Justierspiegel im Regal, weil uns die Frage oft genug erreicht hat. Nötig ist er nicht, der Trick funktioniert mit jedem flachen Spiegel. Was zählt, ist, dass du ihn überhaupt einmal machst.

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1 Kommentar

Fantastische tip! Dank!
Habt ihr das alles sebst ausgerechnet? Kluger Köpfe!

Peter Tjallinks

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