Leica IIIf mit Summicron 5cm Objektiv, Frontansicht

So schneidest du den Filmanfang für deine Barnack-Leica zu

Titelbild: Rama. CC BY-SA 2.0 fr via Wikimedia Commons

Du hast eine Leica IIIf vor dir, einen frischen Film daneben, und nach zwei Minuten steckst du fest: Der Filmanfang ist zu kurz und zu breit. Er geht nicht rein.

Dass ein moderner Film nicht in eine klassische Leica passt, ist kein Konstruktionsfehler. Die Kamera lädt von unten. Der Film muss durch einen engen Kanal am Tuchverschluss vorbei nach oben, und dafür braucht er eine lange, schmale Lasche. Früher hatte jeder Film diese Lasche ab Werk, die Kamera musste nichts können, was der Film nicht schon mitbrachte. Dann kürzte die Industrie den Vorspann, und aus einer Selbstverständlichkeit wurde eine Bastelaufgabe. Leitz verkaufte dafür eine Schneideschablone namens ABLON, die längst Sammlerware ist.

Dieser Guide zeigt dir den Anschnitt in Leicas Originalmaßen und vier Wege dorthin: mit der Original-ABLON, mit einer Nachbau-Schablone, freihändig mit der Schere und ganz ohne Schnitt. Danach lädst du. Die Maße stammen aus Leicas eigenen Anleitungen, nicht aus Forenposts. Wo eine fremde Quelle etwas besser erklärt als wir, verlinken wir sie.

Nur die Maße? Die maßstabsgetreue Zeichnung in Kapitel 2 zeigt Länge, Bogen und Perforationszählung auf einen Blick. Zur Zeichnung.

Für wen das hier gilt: Der Anschnitt betrifft die Bodenlader von der Leica I bis zur IIIf und ihre Nachbauten. Bei der IIIg und den M-Modellen klappt die Rückwand auf, dort brauchst du ihn nicht. Fehlt dir dagegen die Aufwickelspule, bei beiden Bauarten der zweithäufigste Grund, warum eine Leica nicht lädt, findest du die Bestimmungstabelle in Kapitel 4.

Inhaltsverzeichnis

  1. Welchen Weg du brauchst
  2. Der Barnack-Anschnitt in Leicas Originalmaßen
  3. So lädst du Barnack und M
  4. Wenn die Aufwickelspule fehlt
  5. Wann sich Selbstkonfektionieren lohnt
  6. Andere Kameras mit demselben Problem
  7. Entwickeln und digitalisieren
  8. Quellen

1. Welchen Weg du brauchst

Bevor du irgendetwas kaufst: Es gibt zwei Wege, eine Barnack-Leica mit Film zu füttern. Der Aufwand ist sehr verschieden.

Weg Was du tust Für wen
Fertigfilm kaufen und den Anfang zuschneiden Normale Patrone aus dem Fotoladen, Filmanfang auf rund 11 cm schmal schneiden, laden. Zwei Minuten je Film. Für fast alle. Kein Zusatzgerät außer einer Schablone oder einer Schere.
Meterware kaufen und Patronen selbst befüllen 30-Meter-Rolle, Bulk-Loader, wiederverwendbare Kassetten, Dunkelsack. Anschnitt kommt trotzdem noch dazu. Nische. Lohnt bei viel Film, bei kurzen Rollen oder wenn es die Emulsion nur als Meterware gibt.

Der zweite Weg ersetzt den ersten nicht, er kommt obendrauf. Auch selbst befüllte Patronen brauchen den langen Anschnitt. Der zweite Weg steht deshalb hinten im Guide (Kapitel 5). Der Anschnitt kommt zuerst.

Der M-Besitzer kann fast alles überspringen. Fährst du eine M1, M2, M3 oder eine IIIg, brauchst du gar keinen Anschnitt, bei diesen Kameras klappt die Rückwand auf. Für dich ist nur das Laden in Kapitel 3 interessant, und die Spulentabelle, falls deine Spule fehlt.

2. Der Barnack-Anschnitt in Leicas Originalmaßen

Hier scheitern die meisten. Der Grund ist historisch: Als die Leica gebaut wurde, kam Kleinbildfilm mit einem langen, schmalen Anfang aus der Fabrik. Die Kamera musste also nichts können, was der Film nicht schon mitbrachte. Erst als die Industrie den Vorspann verkürzte, wurde aus der Selbstverständlichkeit eine Bastelaufgabe. In alten Leica-Anleitungen steht deshalb kein Wort darüber, dass man den Anfang selbst zuschneiden müsse. Nötig war das Zuschneiden damals nicht.

Warum die Zunge lang und schmal sein muss, siehst du, wenn du die Kamera von unten anschaust. Der Film kommt nicht in eine offene Rückwand. Er wird von unten nach oben durch einen engen Kanal geschoben, direkt am Tuchverschluss vorbei. Ein voller, steifer Filmanfang hakt dort ein. Eine schmale Zunge gleitet durch.

Die Maße, wie Leica sie angegeben hat

Maßstabsgetreue Zeichnung des Barnack-Filmanschnitts mit Perforationszählung und Bogenverlauf

Zeichnung: Ausgeknipst, nach den Angaben im Leica Guide[2] und den Formatmaßen aus ISO 1007 / KS-1870[3].

Der entscheidende Satz steht im Leica Guide. Er ist präziser als jede Zentimeterangabe:

„Der Bogen soll zwischen der dreiundzwanzigsten und der vierundzwanzigsten unteren Perforation beginnen, wenn die Emulsion zu dir zeigt, und darf nicht durch ein Perforationsloch laufen.“
Leica Guide, sinngemäß übersetzt[2]

Diese Angabe ist deshalb besser, weil du im Halbdunkel keine Zentimeter abmisst, sondern Löcher zählst. Umgerechnet sind es rund 11 Zentimeter: Der Perforationsabstand bei 135er-Film beträgt exakt 4,75 mm, und 23 Löcher ergeben 109 mm[3]. Praktische Anleitungen nennen 10 bis 11 cm, also dieselbe Länge, nur ohne Zählen[4].

Die Breite legt die Schablone fest. Grob gilt: Der Schnitt nimmt die obere Hälfte weg und lässt die untere Perforationsreihe vollständig stehen. Wichtiger als jeder Millimeterwert sind drei Dinge. Alle Quellen nennen sie einhellig: eine durchgehend glatte Kante, kein Schnitt durch ein Perforationsloch, keine Ecken oder Absätze am Übergang zur vollen Filmbreite.

Eine Ecke reißt, ein Loch reißt zuerst. Jede scharfe Ecke am Anschnitt ist eine Sollbruchstelle. Läuft der Schnitt durch ein Perforationsloch, reißt der Film dort ein, sobald du ihn transportierst. Der Riss zeigt sich meistens erst nach ein paar Bildern, mitten im Motiv. Wenn dir eine Ecke passiert, schneide den Anfang lieber neu und opfere zwei Bilder.

Und wenn der Film schon in der Kamera ist?

Ein zweiter Prüfwert ist genauso hart belegt. Beim Einlegen darf der angeschnittene Filmanfang nur ein Stück aus der Kassette herausschauen. Die Anleitung der IIf/IIIf schreibt: „Bei richtig angeschnittenem Film sollen nicht mehr als 2 Perforationslöcher aus der Kassette oder Patrone herausragen“[1]. Bei der Original-Leica-Kassette zeigt eine eingeprägte Kurve auf der Mantelhülse die richtige Lage an. Wer mehr Film herausziehen muss, damit der Anfang passt, hat zu kurz geschnitten.

Vier Wege zum Anschnitt

Die Schablone ist der bequemste Weg. Der einzige ist sie nicht, und der beste nicht in jedem Fall.

Weg Kosten Wofür er taugt
Original ABLON, Leitz Katalog-Nr. 14126 rund 200 $ gebraucht[5] Wer die Kamera originalgetreu ausstatten will. Funktioniert tadellos, ist aber Sammlerware: Der Händler beschreibt sie als Schablone für den „passenden 10-cm-Filmanfang“.
Nachbau-Schablone rund 20–25 € Der Alltagsweg. Die Kontur ist vorgegeben, das Ergebnis wiederholbar. Gibt es von mehreren Anbietern, auch von uns.
Freihand mit der Schere nichts Geht wirklich: „mit etwas Übung“ auch ganz ohne Werkzeug, schreibt Jay Fedka[4]. Schneide auf halber Filmhöhe ein, führe nach gut zehn Zentimetern einen weichen Bogen nach oben und triff die volle Breite zwischen zwei Löchern[6].
Der Kartentrick nichts Gar nicht schneiden, sondern den Film mit einer dünnen Karte führen. Details dazu in Kapitel 4.

So schneidest du mit einer Schablone

  1. Film aus der Patrone ziehen, bis der Fabrik-Vorspann ganz draußen ist. Die Emulsionsseite, also die matte, zeigt zu dir.
  2. Untere Perforationen zählen. Bei 23 setzt der Bogen an; dort liegt die Kante der Schablone.
  3. Film in die Schablone einlegen und flach andrücken. Nichts darf sich wölben, sonst wandert der Schnitt.
  4. Mit einer schmalen, sehr scharfen Klinge in einem Zug an der Führung entlangfahren. Ein Skalpell schneidet dünner als ein Cutter. Absetzen und neu ansetzen erzeugt genau die Absätze, die du vermeiden willst.
  5. Alternativ die Kontur mit einem Stift anreißen, Schablone abnehmen und mit der Schere schneiden. Dieser Weg ist langsamer, verzeiht aber mehr.
  6. Kante mit dem Fingernagel prüfen. Fühlst du irgendwo eine Stufe, nachbessern.

Späne sind der unsichtbare Schaden. Beim Schneiden entstehen winzige Filmschnipsel, die in der Schablone hängenbleiben und beim nächsten Mal mitwandern: in die Kassette, in die Kamera, aufs Negativ. Schablonen, die sich zerlegen lassen, sind deshalb kein Luxus. Kurz ausklopfen reicht meistens, ein weicher Pinsel ist besser.

Wie das aussieht, wenn es jemand vormacht

Camera West geht in diesem Video den kompletten Weg durch: Anschnitt, Spule, Einsetzen, Kontrolle. Wer lieber zusieht als liest, spart sich damit den ersten Fehlversuch.

Video: „How To Load Film In A Leica Screw Mount Film Camera“Camera West TV

Filmschneider Schablone für Leica Barnack (wie ABLON) (ab EUR 24,95) · 35mm Film-Umspuler & Rollen-Splitter mit Bildzählwerk (EUR 49,95)

Offenlegung in eigener Sache: Wir stellen selbst eine Schablone nach dem ABLON-Vorbild her und verkaufen sie. Der Anschnitt in diesem Kapitel funktioniert mit dem Original, mit Schablonen anderer Anbieter und mit einer guten Schere genauso. Die Maße oben stammen von Leica, nicht von uns.

3. So lädst du Barnack und M

Jetzt sind Film, Patrone und Spule beisammen. Der Rest ist Handwerk. Die Leica-Anleitung von 1952 beschreibt ihn so klar, dass wir hier weitgehend übersetzen statt neu erfinden.

Beide Teile gehen gleichzeitig von unten hinein

Oberseite einer Leica IIIf mit Rückspulknopf, Umschalthebel A/R und Zählscheibe

Foto: Rama. CC BY-SA 2.0 fr via Wikimedia Commons. Die drei Bedienelemente, auf die es beim Laden ankommt: Rückspulknopf links, Umschalthebel A/R in der Mitte, Zählscheibe unter dem Aufzugknopf.

  1. Umschalthebel auf A. Bevor du eine neue Kassette einsetzt, stell den Hebel bis zum Anschlag auf A (Aufnahme). Verschluss einmal aufziehen und auslösen, um zu prüfen, dass alles läuft. Dann nochmals aufziehen, aber nicht auslösen.
  2. Bodendeckel abnehmen. Knebel auf „AUF“ drehen, Deckel abheben. Leg den Deckel irgendwohin, wo er nicht wegrollt.
  3. Aufwickelspule herausnehmen. Benutzt du eine Schnelladespule, bleibt sie drin.
  4. Filmanfang unter die Klemmfeder. Spule in die linke Hand, gefüllte Kassette in die rechte, beide mit den Rändelknöpfen nach unten. Den angeschnittenen Filmanfang so weit wie möglich unter die Klemmfeder der Spule schieben. Der perforierte Rand muss dicht an der Spulenscheibe anliegen.
  5. Zwei Löcher, nicht mehr. Film so weit aus der Kassette ziehen, dass höchstens zwei Perforationslöcher der angeschnittenen Kante draußen liegen.[1]
  6. Spule und Kassette gleichzeitig einsetzen, Spulenknöpfe nach oben, sodass der angeschnittene Film in den Führungsschlitz an der Kamerarückwand rutscht. Klemmt die Kassette, dreh den Rückspulknopf ein wenig. Die Schichtseite zeigt zum Objektiv.
  7. Bodendeckel zu, Knebel auf „ZU“ bis zum Anschlag. Erst jetzt ist die Kamera lichtdicht. Eine Original-Leica-Kassette öffnet in diesem Moment auch ihren Spalt.
  8. Straffen und prüfen. Rückspulknopf vorsichtig in Pfeilrichtung drehen, bis du leichten Widerstand spürst. Auslösen, Verschluss aufziehen. Dabei muss sich der Rückspulknopf entgegen der aufgravierten Pfeilrichtung mitdrehen. Diese Gegenbewegung ist die Kontrolle, ob der Film wirklich transportiert wird.
  9. Zählscheibe linksherum auf 0, auslösen, wieder aufziehen. Die Scheibe steht jetzt auf 1.

Objektiv abnehmen und hineinschauen. Viele Barnack-Fotografen schrauben zum Laden das Objektiv ab. Durch die Öffnung kontrollieren sie, ob der Film wirklich am Verschluss vorbei sitzt und die Zahnräder greifen. Bei geöffnetem Verschluss auf B geht das gut. PetaPixel beschreibt diesen Griff als gängige Praxis unter Barnack-Nutzern[10]. Kostet fünf Sekunden und erspart einen leeren Film.

Der Kartentrick, ganz ohne Anschnitt

Manche Barnack-Fotografen schneiden überhaupt nicht an. Sie schieben stattdessen eine dünne, steife Karte in den Filmkanal. An dieser Rampe gleitet der Film nach oben. Philip Dygeus hat den Ablauf Schritt für Schritt aufgeschrieben und sagt dazu einen Satz, den wir hier nicht verschweigen wollen: Bei gekauften Fertigrollen schneide er nie an und habe deswegen noch nie Ladeprobleme gehabt. Nur seine selbst konfektionierten Rollen schneidet er zu.[11]

Wichtig dabei: eine dünne Karte. Eine Kreditkarte ist zu dick, ein Parkschein oder eine Visitenkarte passt. Und die Karte muss wieder heraus, bevor der Bodendeckel zugeht.

Zwei Spulen sind besser als eine. Wer unterwegs den Film wechselt, hat drei Dinge in zwei Händen: Bodendeckel, Spule, Kassette. Eine zweite Spule, schon zu Hause mit dem nächsten Film bestückt, macht den Wechsel am Straßenrand zu einem Handgriff. Die zweite Spule war schon in den Fünfzigern der Profi-Trick und ist es geblieben.

Bei den M-Modellen klappt die Rückwand auf

Leica M2 von schräg hinten

Foto: Lëa-Kim Châteauneuf. CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

Bei der M ist der Bodendeckel zwar auch abnehmbar, aber zusätzlich klappt die Rückwand auf. Damit siehst du den Filmkanal. Der lange Anschnitt entfällt. Der Ablauf nach Leicas eigener Kurzfassung:

  1. Bei der M3 zuerst den Umschalthebel aufstellen.
  2. Bodendeckel abnehmen, Aufwickelspule herausziehen, Rückwand aufklappen.
  3. Filmanfang an der Spule befestigen, Film einführen.
  4. Sichtkontrolle bei offener Rückwand: Die Zahnräder der Transportwalze müssen die Perforation auf beiden Seiten voll greifen. Diese Kontrolle ist der ganze Vorteil der M. Nutze sie.
  5. Rückwand schließen, bis es klickt, Bodendeckel wieder auf.
  6. Rückspulknopf ohne Gewalt in Pfeilrichtung drehen, bis leichter Widerstand kommt. Zweimal transportieren und auslösen.
  7. Bei M1 und M2 das Bildzählwerk von Hand auf 0 stellen. Bei der M3 stellt die Mechanik das Zählwerk selbst zurück, sofern die Spule draußen war (siehe Kapitel 4).

Kontrolle wie bei der Barnack: Die rote Marke in der Mitte des Rückspulknopfs muss sich beim Transport drehen. Tut sie das nicht, läuft kein Film.

Ein deutschsprachiges Video, das genau diesen Ablauf an einer M2 zeigt:

Video: „Leica M2 + Film einlegen + Leicameter Kurzbericht“tom vesab fotografie

Und einer für die Barnack, aufgenommen unterwegs statt am Küchentisch. Die ehrlichere Situation:

Video: „Vintage Leica, the secret to loading film in a Barnack“rileyphotos

Die fünf Fehler, die wirklich passieren

  1. Der Rückspulknopf dreht sich nicht mit. Der Film hat sich von der Aufwickelspule gelöst und wird nicht transportiert. Leicas eigene Anweisung: Umschalthebel auf R, Rückspulknopf in Pfeilrichtung drehen, aber nur so lange, wie sich der Auslöseknopf mitdreht. Dann sofort aufhören. In diesem Moment hat der Filmanfang die Auslöseachse passiert und ragt noch ein Stück heraus. Wäre er ganz eingezogen, bräuchtest du eine Dunkelkammer.[1]
  2. Der Film reißt am Zahnrad. Fast immer die Folge eines Anschnitts, der durch ein Perforationsloch läuft oder eine scharfe Ecke hat. Zurück zu Kapitel 2.
  3. Zu viel Film aus der Kassette gezogen. Mehr als zwei Perforationen draußen heißt: Der Film liegt schief im Kanal und die Kassette lässt sich nicht ganz einsetzen. Zurückdrehen und neu ansetzen.
  4. Der Zeitenknopf steht auf T. Beim Rückspulen kann dann der Verschluss offen stehen und der Film Licht bekommen. Leica empfahl den Objektivdeckel beim Zurückspulen, altmodisch, aber kostenlos.[1]
  5. Der Film ist noch drin. Vor dem Öffnen den ausgezogenen Rückspulknopf in Pfeilrichtung drehen. Spürst du Widerstand, ist die Kamera geladen.

Zum Schluss zurückspulen

Wenn sich der Aufzugknopf nicht mehr weiterdrehen lässt, ist der Film voll. Umschalthebel auf R, Rückspulknopf in Pfeilrichtung drehen, bis Widerstand fühlbar wird. In diesem Moment hält nur noch die Klemmfeder den Film. Diesen Widerstand überwinden, dann noch zwei volle Umdrehungen, und der Film ist komplett in der Kassette.[1]

Willst du einen teilbelichteten Film später weiterbenutzen, hör früher auf: Achte auf den Auslöseknopf und stoppe, sobald er sich nicht mehr mitdreht. Dann schaut der Filmanfang noch heraus.

4. Wenn die Aufwickelspule fehlt

Bei Barnack und früher M lässt sich die Aufwickelspule herausnehmen. Genau deshalb fehlt sie so oft: Sie bleibt in der Fototasche liegen, rollt beim Filmwechsel unter den Tisch, wird beim Verkauf vergessen. Ohne Spule kannst du mit einer Leica nicht fotografieren. Auf dem Gebrauchtmarkt tauchen genau solche Kameras regelmäßig auf.

Leica M3 mit Summicron 5cm, Seitenansicht

Foto: Rama. CC BY-SA 2.0 fr via Wikimedia Commons. Die M3 braucht eine andere Spule als jede Barnack, dazu einen Trick beim Bildzählwerk.

Die Bestimmungstabelle

Leica hat im Lauf der Jahre zwei Grundtypen herausnehmbarer Spulen gebaut, dazu ein paar Sonderfälle. Die Leica Society International hat diese Typen aufgedröselt[7], KEH und Kamerastore führen dieselbe Zuordnung in ihren Katalogen. Kurz:

Kamera Spule Leitz-Code Anschnitt nötig?
Leica I (A, C), II, Standard, III, IIIa, IIIb, IIIc, IIId, IIIf 14021, herausnehmbar SVOOP, SPULM (Varianten) Ja, rund 11 cm
Leica Ig, IIIg, M1, M2, M2-R, M3, MD 14022, herausnehmbar SPOOM Nein
Leica M4, M4-2, M4-P, M6, M7, MP fest eingebaut, „Tulpe“ mit drei Schlitzen Nein
Leica M5 eigene, herausnehmbare Schnelladespule Nein
Leica CL, Minolta CLE eigene Spule mit Filmklemme Nein

14021 und 14022 werden ständig verwechselt. Die beiden Nummern liegen dicht beieinander, die Spulen sehen sich ähnlich. Austauschbar sind sie trotzdem nicht. Merksatz: alles vor 1957 nimmt 14021, die IIIg und die frühen M nehmen 14022 (SPOOM). Innerhalb der 14021-Familie gibt es Varianten mit eigenen Codes wie SVOOP und SPULM; für die Funktion spielt das keine Rolle, nur für Sammler.[7] Verwechselt wird auch in Angebotstexten auf dem Gebrauchtmarkt: Dort steht die falsche Nummer öfter, als dir lieb ist.

Woher man eine Spule bekommt

Es gibt drei Wege. Zu Leica selbst führt keiner davon, denn die Spulen sind seit Jahrzehnten aus dem Programm.

Original gebraucht. Spezialisierte Händler führen die Spulen regelmäßig einzeln: KEH listet die 14021 ebenso wie die 14022, Kamerastore in Finnland ebenfalls. Auf eBay und in Kleinanzeigen tauchen sie ständig auf. Dort stimmt die Beschreibung allerdings nicht immer. Prüfe die Katalognummer, nicht das Foto.

Aus einer Nachbau-Kamera. Die sowjetischen FED- und Zorki-Modelle sind Barnack-Kopien. Ihre Spulen passen in vielen Fällen, teils etwas stramm. Wer eine defekte Zorki herumliegen hat, hat die Lösung damit vielleicht schon im Schrank. Für die IIIg oder eine M taugt dieser Weg dagegen nicht.

Moderne Nachbauten. Es gibt mehrere Anbieter, die Ersatzspulen fertigen; wir sind einer davon. Am meisten überrascht uns dabei etwas anderes: Im Alltag zählt nicht der Preis, sondern dass du die Spule nicht mehr ausbauen musst. Mike Eckman bringt es in seinem Testbericht auf den Punkt. Der klassische Weg sei „sicher nicht schwierig, aber mühsam“[8].

Unabhängige Berichte über Ersatzspulen: Drei Redaktionen haben sich das Thema unabhängig von uns angeschaut. Wir verlinken die Artikel, weil sie das Problem gut beschreiben. Dass wir darin vorkommen, legen wir hier offen:

  1. Leica Society International. Jason Schneider ordnet die Spulentypen historisch ein und beschreibt, warum sie so oft fehlen. The Great Leica Take-up Spool Kerfuffle
  2. Mike Eckman, beschreibt den klassischen Ladeweg Schritt für Schritt und stellt eine Alternative dagegen. A Better Way to Load Your Leica, Juli 2024
  3. PetaPixel. Johnny Martyr über Ersatzspulen für Barnack-Kameras. A New Quick-Load Spool for Barnack Leica, April 2024

Wo wir zwei dieser Berichte widersprechen müssen

In beiden Artikeln steht, mit einer Schnelladespule entfalle der Anschnitt. Der Satz stammt ursprünglich von uns. Wir haben ihn inzwischen zurückgenommen: Heute steht in unserer Produktbeschreibung, dass du den Filmanfang trotzdem auf etwa 10 cm zuschneiden musst.

Schuld ist nicht die Spule. Es ist der Weg dorthin: Der Film muss in einer Barnack von unten am Tuchverschluss vorbei. Bleibt ein voller, steifer Filmanfang dort am Verschlusstuch hängen, wird die Reparatur teuer. Meistens geht das gut. Auf „Meistens“ wollen wir uns bei einem Tuchverschluss aus den Fünfzigern aber nicht verlassen. Also: schneide an, auch mit Schnelladespule.

Der Sonderfall M3

Die M3 hat eine Eigenheit, über die viele stolpern: Ihr Bildzählwerk springt automatisch auf die Ausgangsstellung zurück, sobald die Aufwickelspule herausgenommen wird. Wer eine Schnelladespule benutzt, nimmt die Spule gar nicht mehr heraus. Der Reset bleibt aus, der Zähler steht falsch.

Leitz kannte das Problem und schrieb es 1968 in die Anleitung der nachrüstbaren Schnelladespule: „Die Schnelladespule in der LEICA M3 muß deshalb vor dem Filmeinlegen kurz herausgezogen und wieder eingeschoben werden.“[9] Dieselbe Anleitung erwähnt übrigens, was damals sonst noch zur Nachrüstung gehörte: ein Distanzstück für den Bodendeckel und ein aufklebbares Schema. Bei Leica war die Schnelladespule nie Serie in der M3, sondern Zubehör.

Video: Laden mit eingesetzter Spule, ohne sie auszubauenAusgeknipst auf YouTube (eigenes Video)

Filmspule für Leica I, II, III Barnack (Ersatz für 14021) (ab EUR 34,95) · Filmspule für Leica M1, M2, M3 & IIIg (Ersatz für SPOOM) (ab EUR 34,95) · Filmspule für Leica CL & Minolta CLE (ab EUR 24,95) · Aufwickelspule für Zorki 3 & Zorki 4 (LTM) (EUR 19,95)

5. Wann sich Selbstkonfektionieren lohnt

Bis hierher ging es um den Weg, den die meisten gehen: Film kaufen, Anfang schneiden, laden. Dieses Kapitel ist für die anderen. Meterware und selbst befüllte Patronen sind eine Nische, aber drei Gründe sprechen dafür. Der bekannteste davon ist der schwächste.

Aluminiumdose mit ORWO NP15 Meterware, 3 × 1,70 m vorgestanzter Kleinbildfilm

Foto: VSchagow. CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons. Die alte ORWO-Dose sagt es selbst: 3 × 1,70 m. Genau in dieser Größenordnung liegt eine 36er-Rolle bis heute.

Der Geldgrund ist kleiner, als er klingt

Leica selbst rechnete mit 1,60 m Film für 36 Aufnahmen. So steht es in der Gebrauchsanleitung der IIf/IIIf[1]. Eine 30,5-Meter-Rolle ergibt damit rechnerisch 18 bis 19 Filme, praktisch 18. Mit aktuellen Preisen sieht die Rechnung so aus:

Film Fertigpatrone 135/36 Meterware je 36er-Film Ersparnis
Fomapan 100 5,25 € 55,95 € / 30,5 m 3,11 € 2,14 € (41 %)
Fomapan 100 5,25 € 33,50 € / 17 m 3,35 € 1,90 € (36 %)

Preise Stand August 2026, beide aus demselben Haus, damit der Vergleich trägt: Fomapan 100 135/36 und Meterware 30,5 m bzw. 17 m bei Fotoimpex. Gerechnet mit 18 Filmen je 30,5 m. Rechne mit deinen eigenen Zahlen nach, der Markt bewegt sich.

Bei den günstigen Emulsionen sparst du also rund 40 Prozent. Weiter oben im Sortiment sieht es anders aus: 30 Meter Ilford HP5 Plus kosten bei Fotobrenner 169,99 Euro, das sind rund 9,30 Euro je 36er-Film. Eine einzelne Ilford-Fertigpatrone liegt im selben Bereich. FP4 Plus etwa bei 12,00 Euro. Ein sauberer Paarvergleich innerhalb derselben Emulsion ist das nicht. Die Größenordnung ist trotzdem deutlich: Bei Foma bringt Meterware klar etwas, bei Ilford ist der Vorteil weitgehend aufgebraucht.

Und der Lader kostet auch etwas. Ein Legacypro Lloyd liegt bei rund 50 Euro, ein AP Bobinquick bei 85 bis 100. Bei Fomapan sparst du 2,14 Euro je Film. Der Lloyd hat sich damit nach etwa 24 Filmen bezahlt, der AP nach etwa 45. Wer zwei Filme im Monat belichtet, ist ein Jahr lang am Nullpunkt.

Rechne die Patronen mit. Wiederverwendbare Kassetten kosten Geld. Ausgediente Fertigpatronen lassen sich nur bei den älteren Bauformen aufhebeln. Leica selbst schrieb schon 1952 in die Anleitung: „Patronenhülsen sind aber kein Ersatz für eine Original-LEICA-Kassette und sollen nicht noch einmal gefüllt werden.“[1]

Die beiden besseren Gründe

Kurze Rollen. Das ist der Grund, der bei einer Barnack tatsächlich zieht. Wer etwas ausprobieren will, muss bei 36 Bildern erst den ganzen Film verschießen, bevor er entwickeln kann. Zwölf Bilder sind schneller durch. Leica hat dafür sogar eine Tabelle gedruckt. Sie steht weiter unten und stimmt bis heute, weil sich am Filmformat nichts geändert hat.

Filme, die es nur als Meterware gibt. Kino-Emulsionen, Restposten, Spezialmaterial. Wer Kodak Double-X oder Ähnliches in einer Barnack belichten will, kommt am Selbstbefüllen nicht vorbei.

Wie viel Film für wie viele Bilder

Diese Tabelle stammt aus dem Leica Guide und gilt einschließlich Anschnitt: Der Verschnitt für die lange Zunge ist schon eingerechnet[2]. Je Bild kommen 38 mm dazu, das sind genau acht Perforationslöcher.

Aufnahmen Filmlänge Aufnahmen Filmlänge Aufnahmen Filmlänge
6 49 cm 18 96 cm 30 141 cm
8 56 cm 20 103 cm 32 148 cm
10 64 cm 22 111 cm 34 156 cm
12 72 cm 24 118 cm 36 164 cm
14 80 cm 26 126 cm 38 171 cm
16 88 cm 28 133 cm

Kurbelumdrehungen statt Metermaß. Im Dunkelsack misst niemand mit dem Zollstock. Leica gab deshalb Umdrehungen an: zwölf volle Umdrehungen am Handwickler ergeben etwa 12 Aufnahmen, 18 Umdrehungen reichen für 19, 32 Umdrehungen sind ein voller 36er-Film[2]. Moderne Lader mit Zählwerk nehmen dir das Abzählen ab. Die Größenordnung stimmt bis heute.

Patronen, Kassetten und der Bulk-Loader

Der Lader ist die eine Hälfte, die Patrone die andere. Über Lader haben wir schon einen eigenen Artikel geschrieben, in dem fünf Modelle mit Preisen, Lichtfallen und Filmverschnitt gegeneinander stehen. Hier geht es deshalb um das, was dort nicht drinsteht: welche Patrone in eine Leica gehört und warum die Antwort bei Barnack und M nicht dieselbe ist.

Welcher Bulk-Loader passt zu dir? AP Bobinquick, Lloyd, Watson, Alden und LPL im direkten Vergleich, mit Preisen und den Schwächen, die keiner erwähnt. Zum Lader-Vergleich.

Sechs Bauformen, zwei Prinzipien

Sechs verschiedene 35mm-Filmpatronen nebeneinander vor einer Rolle Meterware

Foto: Runner1616. CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons. Von links nach rechts siehst du, wie unterschiedlich die Bauformen sind. Ganz rechts steht eine moderne Fertigpatrone. Wieder öffnen sollst du sie nicht.

Bei allen Unterschieden im Detail läuft es auf zwei Prinzipien hinaus. Welches davon in deiner Patrone steckt, entscheidet über Kratzer auf deinen Negativen.

Die Filzfalle. Der Filmschlitz ist mit zwei schwarzen Samtlippen abgedichtet, an denen der Film beim Herausziehen entlangschleift. Solche Samtlippen sitzen in jeder normalen Fertigpatrone und in den meisten wiederbefüllbaren Kunststoffpatronen. Der Filz funktioniert und ist billig. Doch jedes Staubkorn, das sich darin festsetzt, zieht eine feine Linie über den ganzen Film.

Die Spaltkassette. Leicas eigene Metallkassetten haben gar keinen Filz. Jede besteht aus zwei ineinandersteckenden Hülsen, deren Schlitze sich gegeneinander verdrehen lassen. Drehst du den Verriegelungsknebel am Bodendeckel auf „ZU“, öffnet sich der Spalt. Erst dann läuft Film heraus. Drehst du ihn auf „AUF“, schließt sich der Spalt wieder, und du nimmst eine lichtdichte Kassette aus der Kamera. Der Film berührt auf dem ganzen Weg keine Dichtlippe. Warum dieses schöne System im Alltag trotzdem anstrengend ist, hat die Leica Society International aufgeschrieben, unter dem passenden Titel „The Inconvenience of Perfection“.

Zwei wiederbefüllbare Metallkassetten, eine geöffnet mit sichtbarem Filzstreifen

Foto: Runner1616. CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons. Sowjetische Nachbauten des Leica-Prinzips: links die Hülse mit dem Mitnehmer, rechts der Filmschlitz mit Filzstreifen als Übergangslösung.

Warum die FILCA nicht in die M passt

Leica hat zwei Generationen dieser Metallkassetten gebaut. Der Leica Guide beschreibt den Unterschied in einem Satz, den du dir merken solltest:

Die Kurzfassung aus Leicas eigener Anleitung: Die neuere Kassette Modell N passt in die M-Modelle und in alle älteren Kameras. Die ältere Kassette Modell B passt in alle Leicas von der I bis zur IIIg, aber nicht in eine M. Auseinanderhalten kannst du beide am Knopf der Innenhülse: bei N verchromt, bei B schwarz.[2]

In der Sammlersprache heißen diese beiden FILCA (Modell B) und IXMOO (Modell N). Wer im Gebrauchtmarkt sucht, findet fast nur diese Kürzel. Die IXMOO ist die sichere Wahl, weil sie überall hineinpasst. Die FILCA ist etwa zwei Millimeter höher und deshalb in der M zu groß. Wie sich beide im Alltag schlagen, diskutiert das Photrio-Forum in einem langen Thread ausführlicher, als es hier hineinpassen würde.

Kassette Leica-Bezeichnung Passt in Dichtung
IXMOO Modell N, Knopf verchromt alle Barnack-Modelle und alle M bis in die frühe M6-Zeit (Photrio) Spalt, kein Filz
FILCA Modell B, Knopf schwarz Leica I bis IIIgnicht in die M Spalt, kein Filz
Wiederbefüllbare Kunststoffpatrone alles, was eine normale Patrone nimmt Filz
Aufgehebelte Fertigpatrone geht, empfiehlt Leica aber ausdrücklich nicht[1] Filz, oft schon müde

Nicht jeder Lader mag Metallkassetten. Watson- und Alden-Lader wurden für genau diese Spaltkassetten gebaut und öffnen sie mechanisch. Beim Alden 74 musst du für die älteren FILCA-Kassetten innen etwas nacharbeiten; die neueren IXMOO passen direkt. Wer mit Metallkassetten arbeiten will, wählt den Lader danach aus. Nicht umgekehrt. Details stehen im Lader-Vergleich.

Der erste Handgriff passiert im Dunkeln

Die 30,5-Meter-Rolle legst du nur bei absoluter Dunkelheit in den Lader ein, also im Wechselsack oder im dunklen Bad. Danach befüllst du die einzelnen Patronen bei Tageslicht. Wer das noch nie gemacht hat, übt den Handgriff einmal bei Licht mit einem alten, belichteten Film. Die Bewegung sitzt danach. Im Dunkelsack fehlt dir sonst genau das Gefühl dafür, wo oben ist.

Kerben an der Tischkante. Leica empfahl, an der Kante des Arbeitstisches Kerben oder Reißnägel für 12, 24 und 36 Aufnahmen zu setzen[2]. Wer ohne Zählwerk lädt, misst damit im Dunkeln zuverlässiger als mit jeder Schätzung. Ein Streifen Malerkrepp am Tisch tut es auch.

Filmschneider für AP, Legacypro & Watson Lader (EUR 19,95) · Filmdose für 35mm Analogfilm (3er / 5er) (ab EUR 24,95)

6. Andere Kameras mit demselben Problem

Die Barnack war so einflussreich, dass halb Europa und die halbe Sowjetunion ihr Ladeprinzip kopiert haben. Wer den Anschnitt einmal kann, kann ihn für ein gutes Dutzend weiterer Kameras. Und wer bei einer davon eine Spule sucht, sucht sie fast immer aus demselben Grund wie bei der Leica.

Leica I von 1927 im Originalzustand

Foto: Kameraprojekt Graz 2015. CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons. Die Leica I von 1927: Hier fing das Bodenladen an. Die Nachbauten übernahmen es bis in die Siebziger.

Kamera Anschnitt wie Barnack? Spulen-Situation
FED 1–5, Zorki 1–4 Ja, gleiches Prinzip Eigene Spulen, oft noch dabei; passen teils auch in Barnack-Leicas
Leotax, Nicca, frühe Canon LTM Ja Modellabhängig, nicht durchgängig mit Leica tauschbar
Contax II/III, Kiev 2–4 Nein Eigene Aufwickelspule, fehlt genauso häufig wie bei der Leica
Exakta Varex, VX 1000, Exa Nein Eigene Spulen, je nach Modell unterschiedlich
Smena 8M Nein Nimmt dieselbe Spule wie Contax/Kiev

Filmspule für Contax II, III, Kiev 4, Smena 8M (EUR 25,95) · Filmspule für Exakta Varex, VX 1000, IIa, IIb (EUR 19,95)

Wenn der Film nicht nur angeschnitten, sondern längs geteilt wird

Zwei Formate treiben dasselbe Prinzip weiter: Dort schneidest du den 35mm-Film nicht nur am Anfang, sondern der Länge nach auf 16 mm oder 9,2 mm und füllst ihn in kleine Kassetten. Die Handgriffe ähneln sich, die Werkzeuge nicht. Beide Formate haben einen eigenen Guide, der tiefer geht, als hier sinnvoll wäre:

Der Barnack-Anschnitt ist der leichteste von allen. Wer schon einmal 35mm-Film im Dunkelsack auf 9,2 mm längs geteilt hat, findet den Leica-Anschnitt danach angenehm. Der Anschnitt geht bei Licht, braucht keine Führungsschiene und verzeiht einen zweiten Versuch. Der kostet nur zwei Bilder.

7. Entwickeln und digitalisieren

Du entwickelst den selbst konfektionierten Film wie jeden anderen, mit einer Ausnahme, die du vorher kennen solltest.

Edelstahl-Entwicklungsdose mit zwei Spiralen und einem Handlader

Foto: Joost J. Bakker. CC BY 2.0 via Wikimedia Commons.

Sag es dem Labor. Kurze Rollen und Meterware ohne DX-Code irritieren automatische Entwicklungsmaschinen. Manche Labore berechnen einen Aufschlag, andere lehnen ab, wieder andere entwickeln kommentarlos. Ein Satz im Auftrag spart Rückfragen, und bei einem 12-Bilder-Film auch Ärger über den Preis pro Bild.

Wer selbst entwickelt, hat das Problem ohnehin nicht. Die kurze Rolle ist schneller in der Dose, die Chemie reicht für mehrere davon. Falls du noch kein Labor hast oder eins in deiner Nähe suchst, kommst du hier weiter:

Beim Digitalisieren ändert sich nichts, nur weil du den Film selbst konfektioniert hast. Der Negativstreifen sieht aus wie jeder andere; nur die erste Aufnahme sitzt bei einer Barnack manchmal etwas weiter hinten, weil der lange Anschnitt Platz gekostet hat. Wie du von dort zum Scan kommst, steht im Guide zum modularen Scanner-Setup und im Systemvergleich aller gängigen Filmhalter.

Was du für die Leica wirklich brauchst, und was es kostet

Zum Schluss alles in einer Tabelle, weil die Frage in unserem Postfach fast wöchentlich auftaucht. Die Spalte ganz rechts ist die ehrliche: Vieles davon brauchst du gar nicht.

Teil Wofür Preis Brauchst du es?
Filmspule Barnack I–IIIf Ersatz für die fehlende 14021 ab 34,95 € Nur wenn deine fehlt. Ist eine Originalspule dabei, behalte sie.
Filmspule M1/M2/M3/IIIg Ersatz für die fehlende SPOOM ab 34,95 € Dasselbe. Zweitspule lohnt für unterwegs.
Filmschneider wie ABLON Anschnitt für Barnack ab 24,95 € Nur für Barnack. Eine gute Schere tut es auch, dauert länger.
Filmschneider für Bulk-Lader Anschnitt direkt am AP-, Legacypro- oder Watson-Lader 19,95 € Nur wenn du selbst befüllst.
Film-Umspuler mit Bildzählwerk Rollen teilen, Länge abzählen 49,95 € Nein, außer du willst kurze Rollen ohne Lader machen.
Filmdose 3er / 5er Selbst befüllte Patronen transportieren ab 24,95 € Nein. Schön, aber Luxus.

Und weil das zu einem ehrlichen Guide gehört: Die Spule kannst du gebraucht als Original kaufen (siehe Kapitel 4), den Anschnitt machst du mit einer Schere, und der Kartentrick kostet gar nichts. Wenn dieser Artikel dich dazu bringt, deine Leica wieder zu laden, hat er seinen Zweck erfüllt, ganz gleich, wo die Teile herkommen.

Quellen

Die Maßangaben in diesem Artikel stammen aus Leicas eigenen Anleitungen, nicht aus Foren. Wer nachlesen will, findet die Originale hier, kostenlos, weil Mike Butkus seit Jahrzehnten Kameraanleitungen digitalisiert und der analogen Fotografie damit einen größeren Dienst erwiesen hat als die meisten Hersteller. Auf seiner Seite steht eine Spendenbitte, und sie ist berechtigt.

  1. Leica If / IIf / IIIf Gebrauchsanleitung (deutsch, PDF) und die englische Fassung. Kapitel „Das Laden der Leica“, Filmpatronen und -packungen. Quelle für: 1,60 m je 36 Aufnahmen, „nicht mehr als 2 Perforationslöcher“, Ladeablauf, Rückspulen, Hinweis zu aufgehebelten Patronenhülsen.
  2. Leica Guide. How to work with all Leica models from I to M3 (PDF). Quelle für: Bogen zwischen 23. und 24. unterer Perforation, „nicht durch ein Perforationsloch“, Tabelle Filmlänge je Bildzahl, Kurbelumdrehungen, Kassette Modell N gegen Modell B, Ladeablauf der M-Modelle.
  3. 135 film. Formatnormen ISO 1007 und KS-1870: Perforationsabstand 4,75 mm (0,1870 in), acht Perforationen je Bild = 38,00 mm.
  4. Cutting Leica Leader and Leica film loading, Jay Fedka, unabhängige Bestätigung der Anschnittlänge (10–11 cm) und der Ladereihenfolge.
  5. Blue Moon Camera. Angebot einer originalen Leica ABLON 14126 mit Beschreibung und aktuellem Gebrauchtpreis.
  6. Do You Have to Trim the Film Leader on Modern 35mm Film Cassettes to Load Leica III?. Leica Forum, Praxisbeschreibung des Freihandschnitts. Deutschsprachig dazu: Zuschneiden Filmende für IIIf.
  7. The Great Leica Take-up Spool Kerfuffle, Jason Schneider, Leica Society International. Zuordnung 14021 gegen 14022 und die Codes SVOOP, SPULM, SPOOM. Ergänzend die Katalogeinträge von KEH und Kamerastore.
  8. A Better Way to Load Your Leica, Mike Eckman, Juli 2024.
  9. Leitz: Anleitung Schnelladespule für LEICA M3, M2, M1 und MD (PDF, 1968). Quelle für: Bildzählwerk-Reset der M3, Distanzstück und Schemazeichnung als Teil der Nachrüstlösung.
  10. Barnack Quirks: An Intro to Shooting with Early 35mm Leica Cameras, Johnny Martyr, PetaPixel, Dezember 2022.
  11. How I load a Barnack camera, Philip Dygeus, der Kartentrick, ausführlich bebildert.

Weiterlesen bei anderen: 35mmc über den Weg zur Schraubleica · Photrio: Loading an old Leica · Rangefinderforum: Barnack film loading, a long leader idea · Meine Schraubleica-Geschichte (deutschsprachiges Blog) · Zenography: How To Use A Barnack Leica.

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