Epson Perfection V850 Pro mit geöffnetem Deckel und Durchlichteinheit

Epson hat den V600 und den V850 eingestellt. Was wird aus deinem Flachbettscanner?

Titelbild: Santeri Viinamäki, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Du willst endlich einen V850 Pro, legst im Kopf schon ganze Filmstreifen nebeneinander in die Halter, und auf der deutschen Epson-Seite steht nur noch „Nicht mehr erhältlich“. Beim V600, der seit Jahren auf deinem Schreibtisch arbeitet, lautet der Eintrag genauso, beide Male ohne Datum und ohne ein Wort zum Grund. Zum ersten Mal überschlägst du, wie viele Negative noch in der Kiste liegen. Deinem V600 ist der Eintrag egal, er läuft wie bisher. Hier liest du, wo es den V850 Pro noch gibt und wie du weiterscannst, mit deinem Epson oder ohne ihn.

Du suchst nur einen Ersatz für einen zerbrochenen Filmhalter? Was es dafür gibt, steht in Kapitel 3.

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Epson-Filmscanner gibt es noch neu?
  2. Wie aus einem Gerücht eine Tatsache wurde
  3. So hältst du deinen Epson am Laufen
  4. Was tun, wenn der Scanner streikt?
  5. Was kostet ein gebrauchter Epson, und worauf achtest du?
  6. Welche Alternativen gibt es zu einem neuen Flachbett?
  7. Lohnt sich der Umstieg aufs Kamera-Scannen?
  8. Was wir an deiner Stelle tun würden

1. Welche Epson-Filmscanner gibt es noch neu?

Bei Epson in Deutschland keinen mehr. Epson führt jedes Perfection-Modell, das Film scannen kann, vom V550 bis zum V850 Pro, auf der eigenen Seite als „Nicht mehr erhältlich“. Film scannen diese Geräte mit einer Durchlichteinheit, einer Lampe im Deckel, die Negative und Dias von oben durchleuchtet. Neu gibt es den V850 Pro bei Epson nur noch in den USA und, unter dem Namen GT-X980, in Japan. Den V600 hat Epson in Deutschland, den USA und Japan aus dem Verkauf genommen.

Produktseite des Epson Perfection V850 Pro bei Epson Deutschland mit dem Hinweis Nicht mehr erhältlich

So sieht die Produktseite des V850 Pro bei Epson Deutschland aus. Bildschirmfoto vom 12. Oktober 2026.

Wir haben am 12. Oktober 2026 die Produktseiten von Epson in Deutschland, den USA und Japan durchgesehen. Auf diesen Seiten steht:

Modell Deutschland USA Japan
V850 Pro nicht mehr erhältlich lieferbar, 1.999 Dollar als GT-X980 im Programm, 83.600 Yen, zurzeit nicht auf Lager
V800 Photo nicht mehr erhältlich eingestellt, Epson verweist auf den V850 Pro nicht geprüft
V700 Photo und V750 Pro nicht mehr erhältlich eingestellt als GT-X970 eingestellt, Reparaturen bis August 2019
V600 Photo nicht mehr erhältlich eingestellt, als Ersatz nennt Epson den FastFoto FF-680W als GT-X830 eingestellt, Reparaturen bis 30. Juni 2030
V550 Photo und V370 Photo nicht mehr erhältlich eingestellt nicht geprüft
Expression 12000XL Pro und 13000XL (A3-Scanner mit Durchlichtaufsatz) nicht mehr erhältlich nicht geprüft nicht geprüft

Beim V850 Pro steht in Italien und Großbritannien dasselbe wie in Deutschland. Ein Datum der Einstellung nennt Epson auf keiner dieser Seiten, und eine Pressemitteilung dazu haben wir nicht gefunden. Auch beim Handel ist kaum noch etwas zu holen: MediaMarkt listet den V600 noch für 429,99 Euro und den V850 Pro für 1.091,17 Euro, bei beiden steht aber „Leider keine Lieferung möglich“. Auf idealo fanden wir für den V850 Pro nur noch ein Marktplatzangebot für 3.166 Euro. Neu gibt es ihn hier also nur noch über Marktplätze und Privatleute, zu deutlichen Aufpreisen.

Was Epson stattdessen im Programm hat, scannt keinen Film. Der Perfection V39 II, im deutschen Epson-Shop für 129 Euro auf Lager, hat keine Durchlichteinheit im Deckel. Der FastFoto FF-680W, den Epson USA als Nachfolger des V600 nennt, zieht Papierabzüge ein wie ein Dokumentenscanner. Für Negative und Dias führt Epson in Europa damit kein Gerät mehr.

2. Wie aus einem Gerücht eine Tatsache wurde

Angefangen hat es am 3. Februar 2025 mit einem vierminütigen Video. Keith Cooper, ein britischer Fotograf, der seit Jahren Drucker und Scanner testet, berichtete, Epson habe den V850 und den großen A3-Scanner 13000XL als „end of life“ markiert. Gebaut würden sie nicht mehr, verkauft werde nur noch, was auf Lager liege, in Großbritannien bis zum Sommer, anderswo bis zum Jahresende. Seine Quelle war ein Kontakt bei Epson UK, den er nicht nannte. Im Fotografen-Forum Luminous Landscape wiederholte er das, und der Analogfoto-Blog Kosmo Foto griff die Meldung zwei Tage später auf.

Video: „Epson end their last high-end flatbed scanners. High resolution film and archival scanners to go?“ von Keith Cooper, 3. Februar 2025. Mit diesem Video fing die Diskussion an.

Epson widersprach sofort. Am 5. Februar 2025 sagte ein Sprecher dem Fotoportal PetaPixel, beide Geräte seien keine Auslaufmodelle und würden weiter produziert. Das Dementi kam allerdings von Epson in den USA, und dort wird der V850 Pro bis heute verkauft. In Europa lief es anders.

Im Juni 2025 meldeten Nutzer im Reddit-Forum r/AnalogCommunity, dass die Epson-Shops die Geräte jetzt als „Discontinued“, also eingestellt, führten. Im September 2025 fragte Keith Cooper in einem zweiten Video seine Zuschauer, welche Scanner sie jetzt stattdessen empfehlen würden; er selbst scannt weiter mit einem alten Epson-Flachbett. Rückblickend schrieb die deutsche Fachseite Druckerchannel im Juni 2026, der V850 Pro und der 13000XL seien „bereits im Sommer 2025 ersatzlos gestrichen“ worden.

In den USA ist der V850 Pro dagegen noch zu haben, aber teurer geworden. Gespeicherte Kopien der Epson-Seite im Internet Archive zeigen ihn im November 2025 und im Februar 2026 noch mit 1.499 Dollar, heute verlangt Epson 1.999 Dollar.

Warum Epson aufhört

Nahaufnahme eines CCD-Zeilensensors aus einem Epson-Flachbettscanner

Der CCD-Zeilensensor aus einem Epson Perfection V330, einem kleinen Fotoscanner. Der Sensor liest das Bild Zeile für Zeile, während der Schlitten unter dem Glas entlangfährt. Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

Offiziell hat Epson keinen Grund genannt. Keith Coopers Erklärung lautet: Der CCD-Zeilensensor, auf dem diese Scanner aufbauen, wird nicht mehr gefertigt, und die Verkaufszahlen sinken. Druckerchannel vermutet, dass Epson die Sensoren von einem Zulieferer bezog, der die Produktion mangels Nachfrage eingestellt hat. Beides klingt plausibel, denn fast alle Kameras und die meisten neuen Scanner arbeiten längst mit CMOS-Sensoren. Belegt ist es nicht.

Für dich ändert der Grund wenig. Wichtiger ist, was die Einstellung nicht bedeutet: Dein Scanner läuft weiter, auch wenn Epson ihn nicht mehr verkauft.

3. So hältst du deinen Epson am Laufen

Die größte Sorge bei einem eingestellten Gerät ist die Software. Hier ist die Lage besser als befürchtet. Epsons eigenes Scanprogramm Epson Scan 2 gibt es weiter für den V550, V600, V800 und V850, laut Epson auch für Macs mit Apple-Chip. Für den V700 und den V750 bietet Epson es ebenfalls noch an. Und wenn Epson die Software irgendwann nicht mehr pflegt, bleiben zwei Programme anderer Anbieter, die alle diese Modelle unterstützen: VueScan und SilverFast. Mit VueScan betreiben viele seit Jahren uralte Scanner an neuen Rechnern.

Warum die Höhe des Filmhalters so viel ausmacht

Die Optik eines Epson-Flachbetts hat einen festen Fokus, und der liegt ein Stück über dem Glas. Wer den Film nicht in genau dieser Höhe hält, bekommt weiche Scans, egal wie gut der Halter sonst ist. Die Halter des V700 bis V850 lassen sich deshalb in der Höhe verstellen, die des V600 nicht. Ein Nutzer auf Reddit rät, die beste Höhe einmal durchzuprobieren. Die richtige Höhe mache einen großen Unterschied, gerade bei Planfilm im Format 4x5 Zoll.

Der Test ist einfach. Scanne dasselbe Negativ in jeder Höheneinstellung mit hoher Auflösung und vergleiche dieselbe Stelle am Bildschirm in voller Größe. Die schärfste Stufe merkst du dir. Das kostet etwas Zeit, aber kein Geld.

Ersatz für zerbrochene oder fehlende Halter

Die Originalhalter von Epson sind nicht unverwüstlich, und gerade über die Halter für Mittelformat klagen Nutzer in den Foren. Ersatz gibt es bei Händlern, die Epson-Originalteile führen, etwa ScanDig für den V700 und V750. Gebraucht findest du Halter bei Kleinanzeigen, ein originaler 120er-Halter für den V600 wird dort für rund 25 Euro angeboten. Für den V700 bis V850 bietet Better Scanning höhenverstellbare Halter an, auf Wunsch mit Anti-Newton-Glas. Anti-Newton-Glas ist eine fein strukturierte Scheibe, auf der sich anders als auf normalem Glas keine bunten Ringe auf dem Scan bilden. Lomography bietet mit den DigitaLIZA-Masken eine Variante, die den Film magnetisch flach hält. Und manche nehmen das einfachste Mittel: den Film zwischen zwei Scheiben Anti-Newton-Glas legen und die Höhe mit Klebeband an den Ecken einstellen, so beschrieben in diesem Reddit-Faden.

Filmhalter für Epson V500, V550 und V600 für Kleinbild

Unser Ersatzhalter für den V500, V550 und V600, hier die Kleinbildversion.

Für den V500, V550 und V600 stellen wir selbst Ersatzhalter für Kleinbild und 120er Rollfilm her (je EUR 34,95). Die passen auch in den älteren 4490 und 3170, nicht aber in den V700 bis V850, deren Halter anders gebaut sind.

Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.

Vor dem Transport den Schlitten sichern

Unter dem Glas fährt beim Scannen der Schlitten, die bewegliche Einheit mit Optik und Sensor. Vor jedem Transport rastest du ihn mit der Transportsicherung ein: Der V600 hat dafür an der Rückseite einen Schieber, der V700 bis V850 einen Riegel. Ein Schlitten, der im Paket hin und her schlägt, kann die Mechanik beschädigen. Umgekehrt gilt: Ist die Sicherung nach dem Auspacken noch eingerastet, startet der Scanner nicht. Epson führt das im Servicehandbuch als eigene Fehlerursache.

4. Was tun, wenn der Scanner streikt?

Bevor du ihn abschreibst: Viele vermeintliche Defekte sind keine. Epsons Servicehandbuch für den V700 führt als Fehlerursachen neben Motor und Lampe auch eine nicht gelöste Transportsicherung, getrennte Steckverbindungen, eine gestörte Verbindung zum Rechner und verschmutztes Glas auf. Prüfe deshalb zuerst das Naheliegende: Riegel offen, anderes USB-Kabel, anderer Anschluss am Rechner, Treiber nach dem letzten Systemupdate neu installiert, Glas sauber. Erst wenn der Schlitten auch dann nicht losfährt oder die Leuchte am Gerät einen Fehler meldet, wird es ernst.

Ausgebaute Scaneinheit eines Epson-Flachbettscanners mit Platine und Optik

Die Scaneinheit eines Epson Perfection V330, ausgebaut. In ihr sitzen Optik und Sensor; sie fährt beim Scannen unter dem Glas entlang. Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons.

Lampe und LED altern unterschiedlich

Der V700 und der V750 leuchten mit Kaltkathodenlampen, wie sie früher in Laptop-Bildschirmen steckten. Die brauchen nach dem Einschalten eine Aufwärmzeit. Mit dem Alter wird sie länger, ein Besitzer auf Reddit spricht von „ein, zwei Minuten“. Auch die Farbe des Lichts kann sich mit der Zeit verschieben, die Scans bekommen dann einen Farbstich. Fällt das Licht ganz aus, ist nicht immer die Lampe schuld. Epson nennt im Servicehandbuch auch die Elektronik, die sie versorgt. Der V600, V800 und V850 arbeiten mit LEDs, die praktisch sofort bereit sind. Ewig halten auch die nicht: Im Handbuch des V600 schreibt Epson, dass die Helligkeit nachlassen kann und die Lichteinheit dann vom Service getauscht werden muss.

Für die Mechanik gibt Epson an, wie viele Scanfahrten ein Gerät im Mittel schafft, bevor etwas ausfällt: 30.000 beim V600, 100.000 beim V700. Das ist keine Garantie, zeigt aber, dass Epson den V700 auf deutlich mehr Fahrten ausgelegt hat.

Reparieren lassen

Ob Epson Deutschland dein Modell noch repariert und ob es Teile gibt, erfährst du nur auf Nachfrage. Frag über die Supportseite mit Modell und Seriennummer an. Eine Angabe, wie lange Epson Teile vorhält, haben wir nur auf der japanischen Seite gefunden: Für den GT-X830 (den japanischen V600) und den GT-X980 (den V850 Pro) hält Epson Japan Ersatzteile sieben Jahre nach Produktionsende vor. Den GT-X830 repariert Epson Japan laut Supportseite noch bis zum 30. Juni 2030. Für Europa haben wir keine solche Angabe gefunden.

Hat Epson keine Lösung, hilft oft ein guter Elektronik-Reparaturbetrieb, denn ein Netzteil oder ein Steckkontakt lässt sich auch ohne Epson-Teile tauschen. Und ein zweites, defektes Gerät vom gleichen Typ ist manchmal der günstigste Ersatzteilspender.

5. Was kostet ein gebrauchter Epson, und worauf achtest du?

Keith Cooper sagte im Februar 2025 voraus, die Gebrauchtpreise würden „durch die Decke gehen“. Wir haben am 12. Oktober 2026 bei Kleinanzeigen nachgesehen, was für funktionierende Geräte verlangt wird. Das sind Angebotspreise, keine Verkaufspreise, und bei den großen Modellen gibt es nur eine Handvoll Anzeigen:

Modell Anzeigen Verlangt Zum Vergleich
V550 4 150 bis 590 Euro früherer Preis bei Epson Italien 239,99 Euro
V600 9 300 bis 500 Euro, Mitte bei 400 Euro MediaMarkt listet ihn neu für 429,99 Euro, nicht lieferbar
V700 und V750 Pro 4 150 bis 750 Euro, das teuerste originalverpackt 2014 vom V800 und V850 abgelöst
V800 und V850 Pro 3 550 bis 700 Euro gebraucht, ein neuer V850 Pro für 2.375 Euro MediaMarkt listet den V850 Pro für 1.091,17 Euro, nicht lieferbar

Coopers Vorhersage passt vor allem zum V600: Gebraucht wird er heute fast zu dem Preis angeboten, den er zuletzt neu kostete. Bei den großen Modellen gibt es zu wenige Anzeigen für eine klare Aussage. Wer einen V850 Pro neu will, zahlt bei Privatleuten und auf Marktplätzen inzwischen rund das Doppelte des früheren Händlerpreises.

Älterer Epson-Flachbettscanner Perfection 4990 Photo mit geöffnetem Deckel

Ein Epson Perfection 4990 Photo, ein älteres Modell mit Durchlichteinheit im Deckel. Auch solche älteren Modelle findest du gebraucht; vorher prüfen, ob es Software für deinen Rechner gibt. Foto: Gunnar Creutz, CC0 via Wikimedia Commons.

Prüfliste für den Gebrauchtkauf

  • Einen Filmscan vorführen lassen, nicht nur eine Papierseite. Die Durchlichteinheit im Deckel ist ein eigenes Bauteil und kann ausfallen, während der Rest funktioniert.
  • Den Scan auf Streifen und Flecken prüfen und die Schärfe über das ganze Bild vergleichen. Streifen deuten auf Lampe oder Sensor, Flecken auf Schmutz unter dem Glas.
  • Beim Einschalten genau hinhören. Fährt der Schlitten ruhig in seine Ausgangsposition, oder ruckelt und klackt er?
  • Das passende Netzteil mitkaufen. Epson liefert je nach Land verschiedene Netzteile, beim V600 etwa eines für 100 bis 120 Volt und eines für 220 bis 240 Volt. Was es verträgt, steht auf dem Typenschild.
  • Die Filmhalter nachzählen. Fehlen sie, musst du dir erst Ersatz besorgen oder mit Glas arbeiten.
  • Beim Versand die Transportsicherung einrasten lassen, siehe Kapitel 3.

Neu aus den USA oder Japan?

Direkt bei Epson gibt es den V850 noch an zwei Stellen. Epson USA verkauft ihn für 1.999 Dollar, dazu kommen Versand und Einfuhrumsatzsteuer. In Japan heißt er GT-X980 und kostet bei Epson Direct 83.600 Yen; im Moment ist er dort nicht auf Lager, Bestellungen werden aber angenommen. Ob die beiden Shops nach Deutschland liefern, haben wir nicht geprüft. Ein Nutzer in r/AnalogCommunity berichtet, dass er seinen neu über einen japanischen eBay-Händler gekauft hat. Ein anderer schrieb im Sommer 2025, ein solcher Händler habe seine Bestellung wieder storniert.

Beim japanischen Modell auf das Netzteil achten. Epson Japan gibt für den GT-X980 eine Netzspannung von 100 Volt an. Bevor du ihn hier einsteckst, prüf auf dem Typenschild des Netzteils, ob es 230 Volt verträgt, sonst brauchst du ein anderes.

6. Welche Alternativen gibt es zu einem neuen Flachbett?

Einen neuen Flachbettscanner mit Durchlichteinheit in der Qualität eines V850 bekommst du in Deutschland nur noch über Marktplätze und zu Aufpreisen. Es bleiben vier Wege, und keiner ist für alle der richtige:

Weg Formate Kosten Was dafür spricht Was dagegen spricht
Gebrauchter Epson V550 und V600: Kleinbild und Rollfilm; V700 bis V850 dazu Planfilm bis 8x10 Zoll; alle auch Papierabzüge rund 300 bis 700 Euro ganze Streifen auf einmal, bei den großen Modellen auch Planfilm langsam, gemessen 1.560 bis 2.600 Pixel pro Zoll statt der beworbenen 6.400, Ersatzteile ungewiss
Abfotografieren mit der Digitalkamera alle, große Formate in mehreren Aufnahmen mit vorhandener Kamera und Makroobjektiv ab etwa 55 Euro für einen Halter, mit Licht und Stativ einige Hundert Euro schnell, bei Kleinbild rechnerisch deutlich mehr Auflösung als jeder Epson Aufbau und Ausrichtung brauchen Übung, Staub fällt stärker auf, Negative musst du am Rechner selbst ins Positiv umwandeln
Reiner Filmscanner Plustek OpticFilm 8200i Ai: Kleinbild; OpticFilm 120: Kleinbild und 120 516,54 Euro bzw. 2.433 Euro noch neu im Handel, Staubentfernung per Infrarot kein Planfilm, beim 8200i schiebst du jedes Bild von Hand weiter, der Mittelformatscanner kostet so viel wie früher zwei V850
Scan im Labor Kleinbild und 120, manche Labore auch Planfilm je Film, beim Entwickeln meist als Aufpreis keine Ausrüstung, kein Zeitaufwand wenig Einfluss auf Farbe und Ausschnitt, für alte Negative aus dem Archiv umständlich

Die Preise für die Plustek-Scanner sind die von MediaMarkt Österreich am 12. Oktober 2026. Die Auflösungswerte für den Epson stammen aus den Tests von filmscanner.info: 1.560 ppi (Pixel pro Zoll) beim V600, rund 2.300 ppi beim V700 und beim V850, mit SilverFast 2.600 ppi. Auch der Plustek OpticFilm 120 erreicht übrigens nicht, was draufsteht: Die Analoge Photo Gruppe hat knapp 2.900 ppi gemessen statt der angegebenen 5.300.

Wo das Flachbett vorn bleibt

Aufbau zum Abfotografieren von Negativen: Systemkamera mit Makroobjektiv am Reprostand, darunter Filmhalter auf einer Lichtquelle

So sieht ein Aufbau zum Abfotografieren aus: Kamera mit Makroobjektiv am Reprostand, darunter der Filmhalter auf der Lichtquelle. Ob er das Flachbett schlägt, hängt vor allem vom Filmformat ab.

Beim Abfotografieren ist die Auflösung eine einfache Rechnung: Pixel der Kamera durch die Breite des Negativs. Eine Kamera mit 24 Megapixeln hat 6.000 Pixel auf der langen Seite. Auf einem Kleinbildnegativ von 36 Millimetern sind das rechnerisch über 4.200 Pixel pro Zoll, fast das Doppelte von dem, was ein V850 schafft. Stimmen Fokus und Objektiv, liegt die Kamera hier klar vorn.

Beim Mittelformat kippt das. Ein 6x6-Negativ ist 56 Millimeter breit und muss in die 4.000 Pixel der kurzen Seite passen. Das ergibt rund 1.800 Pixel pro Zoll, und Objektiv und Sensor ziehen davon noch etwas ab. Damit liegt eine einzelne Aufnahme mit 24 Megapixeln etwa beim V600 und unter dem V850. Bei Planfilm im Format 4x5 Zoll bleiben gerade 1.000 bis 1.200 Pixel pro Zoll. Mehr holst du nur mit einer Kamera mit mehr Pixeln oder indem du das Negativ in Teilen fotografierst und zusammensetzt; manche Kameras rechnen dafür mehrere Aufnahmen selbst zusammen. Für Planfilm und für Papierabzüge ist ein gebrauchtes Flachbett deshalb weiter das bequemste Werkzeug.

Video: „Epson v850 vs Negative Supply & DSLR“ von SprocketHoles, 2021. Derselbe Film einmal im V850 und einmal mit der Kamera, im direkten Vergleich.

7. Lohnt sich der Umstieg aufs Kamera-Scannen?

Für alle, die vor allem Kleinbild und 120er Rollfilm scannen und schon eine Digitalkamera haben, lautet die Antwort meistens ja. Auf diesen Weg wechseln in den Foren viele, und als Gründe nennen sie fast immer Zeit und Schärfe: Ein Film ist schneller digitalisiert, und bei Kleinbild ist das Ergebnis schärfer. Ein Nutzer in r/AnalogCommunity schreibt, er habe mit seinem V700 für 36 Bilder über eine Stunde gebraucht und fast mit dem Fotografieren aufgehört.

Fairerweise gehört auch die andere Seite dazu. Im selben Faden schreibt jemand, der mit einer Nikon D850 und einer Z7 II abfotografiert hat, er bleibe beim Scanner, weil er das Staubentfernen in Lightroom nicht ertrage. Ein Flachbett mit Infrarot-Staubentfernung nimmt dir diese Arbeit ab, die Kamera nicht. Auch Keith Cooper sagt in seinem zweiten Video, das Abfotografieren sei großartig, aber vielen sei dieser Aufbau schlicht zu viel Fummelei. Cooper selbst würde es so machen, wenn er viel Film zu scannen hätte.

Was du dafür brauchst

Du brauchst eine Kamera (für Kleinbild reichen 24 Megapixel) und ein Makroobjektiv, das ein Kleinbildnegativ formatfüllend abbildet, also den Maßstab 1:1 schafft. Dazu kommen eine gleichmäßige Lichtquelle mit guter Farbwiedergabe, ein Halter, der den Film flach und gerade hält, und ein Stativ oder ein Reprostand, an dem die Kamera exakt parallel zum Film steht; wie du das mit einem Spiegel prüfst, steht in diesem Artikel. Um Farbnegative ins Positiv umzuwandeln, nutzen viele Negative Lab Pro, eine Erweiterung für Lightroom Classic. Lightroom Classic verkauft Adobe nur im Abo.

Halter gibt es von vielen Herstellern, von Negative Supply und Valoi über Kaiser bis zu Lomography. Wie sie sich unterscheiden und wo jeder seine Schwächen hat, haben wir in unserem Vergleich der Filmhalter zusammengetragen, unser eigenes System eingeschlossen.

Wir verkaufen Halter für beide Wege, für den Epson und für die Kamera. Welcher Weg der richtige ist, entscheidet trotzdem allein, was du scannst. Wenn du den Umstieg ausprobieren willst, sind das unsere Sets:

Die günstigste Stufe, das Basic Set, ist nur der Halter. Die größeren Sets (beim Duo heißen sie Light und Copy) bringen eine Lichtquelle von CineStill und Gegenlichtblenden mit, das größte zusätzlich einen Reprostand. Wie ein vollständiger Aufbau aussieht, zeigt unser Guide zum Scannen mit der Digitalkamera.

Was wir an deiner Stelle tun würden

Dein Epson läuft? Dann behalte ihn. Stell die Höhe der Halter einmal sauber ein, wenn dein Modell das kann, und leg dir einen Ersatzhalter hin, solange es welche gibt. Verkauf den Scanner nicht in Panik, nur weil Epson ihn hier nicht mehr anbietet. Wer Planfilm oder Papierabzüge scannt, findet so schnell nichts Besseres.

Dein Epson ist kaputt, und du scannst vor allem Kleinbild und 120? Dann rechne nach, bevor du 400 Euro für einen gebrauchten V600 ausgibst. Liegen eine Digitalkamera und ein Makroobjektiv schon im Schrank, kosten Halter und Lichtquelle meist weniger als der Ersatzscanner. Mit einer Kamera ab 24 Megapixeln und sauberem Aufbau holst du bei Kleinbild mehr Auflösung heraus.

Dein Epson ist kaputt, und du scannst Planfilm? Dann ist ein gebrauchter V700, V750 oder V800 weiter der vernünftigste Weg, mit Prüfliste und Vorführscan. Ein „neuer“ V850 Pro für über 2.000 Euro auf einem Marktplatz ist es nicht.

Wo du weiterlesen kannst

Die beste Quelle zur Bildqualität der einzelnen Epson-Modelle sind die ausführlichen Tests auf filmscanner.info, mit Messungen am Testchart. Wie es mit Epsons Scannern weitergeht, verfolgt Keith Cooper auf seinem Kanal, und in r/AnalogCommunity tauschen sich Besitzer über Ersatzhalter und Gebrauchtkäufe aus. Für Fragen zu Planfilm lohnt sich das Forum von Photrio.

Und in eigener Sache: Wenn du nicht weißt, welches Set zu deinem Film und deinem Aufbau passt, hilft dir der Film Scanner Finder in vier Schritten weiter. Labore, die beim Entwickeln gleich mitscannen, findest du in unserer Übersicht der Filmlabore.

Quellen

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