Leica M-Objektive kodieren: Hol das Maximum aus deinem Glas
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Zwischen einer Leica M und ihrem Objektiv gibt es keinen einzigen elektrischen Kontakt. Welches Objektiv angesetzt ist, erkennt eine digitale M an sechs Feldern am Bajonett, jedes schwarz oder weiß. Das ist der 6-Bit-Code. Neuere Leica-Objektive tragen ihn ab Werk, ältere und Fremdobjektive von Voigtländer oder Zeiss nicht. Codieren kannst du sie selbst, mit Schablone und dem richtigen Stift. Ein Voigtländer bekommt dabei den Code des Leica-Objektivs, das ihm am nächsten kommt. Es reist mit geliehenem Ausweis, deshalb passt die Korrektur der Kamera nur ungefähr. Die Mühe lohnt sich trotzdem. An der M schreibt die Kamera dann das Objektiv in die Bilddaten und hellt dunkle Ecken selbst auf. Das ist Komfort. An der SL2 und SL3 lohnt es sich doppelt: Dort braucht der Bildstabilisator die Brennweite, die du ohne Code bei jedem Objektivwechsel von Hand im Menü einstellst.
Community-Tipp: Macfilos hat einen tiefgehenden Artikel zur 6-Bit-Codierung und zum EXIF-Tweaking bei Drittanbieter-Objektiven. Zum Artikel.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die 6-Bit-Codierung?
- Was bringt dir die Codierung konkret?
- Welche Objektive profitieren?
- Wie kommt der Code aufs Objektiv?
- Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Code-Tabelle
- Häufige Fehler und Praxis-Tipps
1. Was ist die 6-Bit-Codierung?
Sechs winzige Felder am Bajonett-Ring. Schwarz oder Weiß. Das reicht, damit eine digitale Leica das Objektiv erkennt.
Leica führte dieses System 2006 mit der M8 ein, der ersten digitalen M-Kamera. Zwischen Kamera und Objektiv gibt es beim M-System keine elektrischen Kontakte. Stattdessen sitzen sechs Mulden am Bajonett-Flansch, die entweder mit schwarzer oder weißer Farbe gefüllt sind. Das ergibt einen Binärcode: sechs Stellen, 64 mögliche Kombinationen. Die Kamera liest diesen Code rein optisch: Kleine Lichtsender im Body beleuchten die Felder, daneben messen Lichtempfänger, wie viel Licht zurückkommt. So beschreibt es Leicas Patentanmeldung aus dem Jahr 2006.
Schwarz schluckt das Licht (= 1), Weiß und blankes Metall werfen es zurück (= 0). Gelesen wird die Folge im Uhrzeigersinn, wenn du von hinten aufs Objektiv schaust und die Felder oben auf 12 Uhr stehen. Klingt simpel, funktioniert seit fast 20 Jahren zuverlässig.
Welche Kameras lesen den Code? Alle digitalen Leica M-Bodies ab der M8 (2006), also die Reihen M8, M9, M (Typ 240), M10 und M11 samt ihren Ablegern wie M-P, M-D und Monochrom. An der SL2 und SL3 funktioniert der Code über den originalen Leica M-Adapter L.
Neuere Leica-Objektive (ab ca. 2006) kommen bereits codiert aus der Fabrik. Die Mulden sind maschinell gefräst und dauerhaft lackiert. Ältere Leica-Objektive, Voigtländer, Zeiss ZM, TTArtisan, 7Artisans und andere Drittanbieter: Die haben diesen Code nicht. Genau da setzt die nachträgliche Codierung an.
2. Was bringt dir die Codierung konkret?
Vier Dinge passieren, sobald deine Kamera das Objektiv identifiziert. Zwei davon siehst du im Bild, zwei sparen dir Arbeit.
Was steht ohne Code in den EXIF-Daten?
Ohne Code steht in den Metadaten „Unbekanntes Objektiv“ oder gar nichts. Brennweite, Blende: Fehlanzeige. Wer 15 verschiedene Gläser nutzt und Lightroom nach Objektiv filtern will, kennt den Frust. Mit Codierung schreibt die Kamera das Objektiv automatisch in jede Datei. Bei einem Fremdobjektiv steht dort allerdings das Leica-Modell, dessen Code du ihm gegeben hast.
Welche Bildfehler korrigiert die Kamera selbst?
Das ist der handfesteste Vorteil. Digitale Leica-Bodies speichern interne Korrekturprofile für jedes codierte Objektiv. Damit korrigiert die Kamera direkt die Vignettierung (die dunklen Ecken), die chromatische Aberration und den berüchtigten „Italian Flag“-Effekt. Besonders Weitwinkel unter 35 mm profitieren sichtbar.
Drittanbieter-Objektive clever codieren: Zeiss ZM 35mm f/2 Biogon? Codiere es als Leica Summicron-M 35mm f/2 (IV). Brennweite, Blende und Leuchtrahmen stimmen überein, und in der Empfehlungsliste von Zeiss ist dieses Profil für das Biogon als geeignet aufgeführt. Perfekt muss es nicht sein, das Korrekturprofil deckt den Großteil ab.
Warum der Bildstabilisator der SL2 und SL3 die Brennweite braucht
Das ist der Punkt, den viele unterschätzen. An der Leica SL2 und SL3 arbeitet ein Bildstabilisator im Body (IBIS). Der braucht zwingend die Brennweite, um korrekt zu kompensieren. Ohne Codierung arbeitet die Kamera mit der Brennweite, die im Menü steht, oder sie stabilisiert gar nicht. Montierst du ein 28er und die Kamera rechnet noch mit 90 mm, gleicht der IBIS viel zu stark aus und verwackelt dein Bild selbst.
Klar, du kannst die Brennweite manuell im Menü einstellen. Vergisst du es nach dem Objektivwechsel, sind die nächsten 200 Bilder Ausschuss. Die Codierung löst das automatisch. Einmal gemacht, nie wieder dran denken.
Adapter-Wahl bei der SL: Der originale Leica M-Adapter L leitet den 6-Bit-Code an die SL weiter. Viele Drittanbieter-Adapter (z.B. von K&F Concept, TTArtisan) tun das nicht. Wer will, dass die SL das Objektiv von selbst erkennt, braucht den originalen Adapter.
Schluss mit dem Klicken durchs Menü
Ohne Code: Objektiv wechseln, ins Menü, Brennweite manuell auswählen, bestätigen, zurück. Bei drei Objektivwechseln am Tag nervig. Bei zehn unerträglich. Ein codiertes Objektiv erkennt die Kamera sofort: ansetzen und fotografieren.
Warum du unbedingt codieren solltest (besonders an SL2/SL3)
Jonathan Harris von Worldwide Camera Exchange erklärt die Vorteile und zeigt den Codiervorgang mit dem Akara-Kit.
3. Welche Objektive profitieren?
Kurze Antwort: jedes M-Bajonett-Objektiv ohne werkseitige Codierung, an jeder digitalen Leica M und mit dem passenden Adapter an der SL.
Ältere Leica-Objektive (vor 2006)
Summicron 50mm f/2 Version IV, Summilux 35mm f/1.4 Pre-ASPH, Elmarit 28mm f/2.8: Das sind die Klassiker. Optisch oft auf Augenhöhe mit aktuellen Rechnungen. Aber an der M10 oder M11 bleiben sie „unsichtbar“, bis du sie codierst. Die Korrekturprofile machen aus einem bereits guten Objektiv ein noch besseres.
Voigtländer VM
Die von Cosina gebauten Voigtländer-Objektive sind im M-System die beliebte Alternative zu Leica. Nokton 35mm f/1.2, Ultron 35mm f/2, APO-Lanthar 50mm f/2, optisch erstklassig, preislich ein Bruchteil von Leica. Ab Werk uncodiert. Einige neuere Modelle haben leichte Rillen am Flansch, die aufgetragene Farbe besser halten. Codiere sie als das Leica-Objektiv, das ihnen am nächsten kommt: zuerst derselbe Leuchtrahmen, dann möglichst gleiche Brennweite und ähnliche Blende.
Zeiss ZM
Planar 50mm f/2, Biogon 35mm f/2, C Sonnar 50mm f/1.5. Zeiss hat sogar eine offizielle Empfehlungsliste veröffentlicht, welches Leica-Profil an der M9 und neueren Modellen zu welchem ZM-Weitwinkel passt. Die Liste steht als Frage-Antwort-Artikel im Supportportal von Zeiss. Für 50 und 85 mm hält Zeiss ein Profil nicht für unbedingt nötig.
Objektive aus China von TTArtisan, 7Artisans und Thypoch
Auch die günstigen Drittanbieter profitieren massiv. Ein TTArtisan 50mm f/1.4 ohne Code heißt an der M11: keine Objektivdaten in den EXIF-Daten, keine Korrektur. An der SL musst du dazu für den Bildstabilisator bei jedem Objektivwechsel die Brennweite von Hand im Menü einstellen. Die Korrekturprofile passen nicht perfekt, aber 80 % Verbesserung statt 0 % ist ein klarer Gewinn.
4. Wie kommt der Code aufs Objektiv?
Es gibt vier Wege. Welcher passt, hängt davon ab, was du ausgeben willst und wie viel du dir selbst zutraust.
| Methode | Kosten | Haltbarkeit | Schwierigkeit | Reversibel? |
|---|---|---|---|---|
| Leica Werkservice | ca. 260 EUR | Permanent (gefräst) | Einsenden | Nein |
| Match Technical (Flansch-Tausch) | ca. 80-120 EUR | Permanent | Hoch (Demontage) | Ja (Rückbau) |
| Encoder-Kit (z.B. Ausgeknipst, Akara) | ca. 30-50 EUR | Dauerhaft im Alltag | Sehr einfach | Ja |
| DIY (Sharpie + Papier-Schablone) | unter 5 EUR | Gering (reibt ab) | Mittel | Ja |
Der Leica-Werkservice ist die teuerste Lösung: Die Mulden werden gefräst und lackiert, eine Reinigung ist inklusive. Für ein 5.000-EUR-Noctilux macht das Sinn. Für ein 300-EUR-Voigtländer eher nicht.
Match Technical bietet Ersatz-Flansche mit vorgefrästen Codier-Mulden. Solide Lösung, aber du musst das Objektiv teilweise demontieren. Nicht jedermanns Sache.
Für die allermeisten ist ein Encoder-Kit der beste Kompromiss: Schablone aufklicken und Punkte ausmalen. Kein Werkzeug, keine Demontage. Die Farbe hält im Alltag zuverlässig und lässt sich bei Bedarf rückstandsfrei entfernen.
DIY mit Sharpie und Papier-Vorlage funktioniert, ist aber fummeliger, als es klingt. Ohne feste Schablone brauchst du Geduld, um die Positionen genau zu treffen. Und nicht jede schwarze Tinte erkennt die Kamera zuverlässig als Schwarz.
5. Schritt-für-Schritt: Codierung mit dem Ausgeknipst-Encoder-Kit
Schritt 1: Code nachschlagen
Finde dein Objektiv in der Code-Tabelle weiter unten (sie liegt auch dem Kit bei und steht auf unserer Produktseite). Drittanbieter? Wähle ein Leica-Objektiv mit demselben Leuchtrahmen, dann mit möglichst gleicher Brennweite und ähnlicher Offenblende.
Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.
Schritt 2: Encoder aufklippen
Setz den Encoder, also die Schablone, am Bajonett-Flansch an und lass ihn einrasten. Die Schablone sitzt passgenau und zeigt dir die sechs Positionen. Da wackelt nichts.
Schritt 3: Punkte ausmalen
Mit dem beiliegenden uni Super Ink Marker PNA-125 die schwarzen Felder laut Code ausfüllen. Weiße Felder bleiben frei, das blanke Metall wirft das Licht zurück und zählt als Weiß. Ein Punkt dauert eine Sekunde.
Schritt 4: Encoder abnehmen, testen
Nimm die Schablone ab, lass die Farbe ein paar Minuten trocknen und setz das Objektiv dann auf die Kamera. Im Menü oder im Live View sollte jetzt das Leica-Objektiv angezeigt werden, dessen Code du aufgetragen hast. Wenn nicht: Bessere die Punkte nach und prüfe, ob Schwarz auf ein weißes Feld gerutscht ist.
Schraube an einer Codier-Position? Bei manchen Objektiven sitzt an einer der sechs Positionen eine Fixierschraube. Kein Problem: Füll den Schraubenkopf mit einem Tupfer weißer Farbe oder weißem Nagellack. Falls der Code dort einen schwarzen Punkt verlangt, einfach nach dem Trocknen schwarz übermalen.
6-Bit-Code-Tabelle der Leica M-Objektive
Finde dein Objektiv (oder das nächste Leica-Äquivalent) und lies den Code ab. Schau von hinten aufs Objektiv und dreh es, bis die sechs Felder oben auf 12 Uhr stehen: Position 1 ist dann das linke Feld, Position 6 das rechte.
Legende: ○ = Weiß (keine Farbe/Metall) | ● = Schwarz (anmalen)
| Objektiv | Code | Darstellung | Rahmen |
|---|---|---|---|
| Tri-Elmar-M 16-18-21mm f/4 | 010000 | ○●○○○○ | 28/90 |
| Super-Elmar-M 18mm f/3.8 | 110100 | ●●○●○○ | - |
| Summilux-M 21mm f/1.4 | 101111 | ●○●●●● | 28/90 |
| Elmarit-M 21mm f/2.8 | 000001 | ○○○○○● | 28/90 |
| Elmarit-M 21mm f/2.8 ASPH | 011000 | ○●●○○○ | 28/90 |
| Super-Elmar-M 21mm f/3.4 | 110011 | ●●○○●● | 28/90 |
| Summilux-M 24mm f/1.4 | 110000 | ●●○○○○ | 24/35 |
| Elmarit-M 24mm f/2.8 ASPH | 011001 | ○●●○○● | 24/35 |
| Elmar-M 24mm f/3.8 ASPH | 110010 | ●●○○●○ | 24/35 |
| Summilux-M 28mm f/1.4 ASPH | 110110 | ●●○●●○ | - |
| Summicron-M 28mm f/2 ASPH | 011010 | ○●●○●○ | 28/90 |
| Elmarit-M 28mm f/2.8 (III) | 000011 | ○○○○●● | 28/90 |
| Elmarit-M 28mm f/2.8 (IV) | 011011 | ○●●○●● | - |
| Elmarit-M 28mm f/2.8 ASPH | 011100 | ○●●●○○ | 28/90 |
| Summaron-M 28mm f/5.6 | 001011 | ○○●○●● | 28/90 |
| Summilux-M 35mm f/1.4 Steel Rim | 001100 | ○○●●○○ | - |
| Summilux-M 35mm f/1.4 ASPH (FLE I/II) | 011101 | ○●●●○● | 35/135 |
| Summicron-M 35mm f/2 (IV) | 000110 | ○○○●●○ | 35/135 |
| APO-Summicron-M 35mm f/2 ASPH | 001101 | ○○●●○● | - |
| Summicron-M 35mm f/2 ASPH | 011110 | ○●●●●○ | 35/135 |
| Summarit-M 35mm f/2.4 | 010001 | ○●○○○● | - |
| Summarit-M 35mm f/2.5 | 101011 | ●○●○●● | 35/135 |
| Noctilux-M 50mm f/0.95 ASPH | 110001 | ●●○○○● | 50/75 |
| Noctilux-M 50mm f/1 | 011111 | ○●●●●● | 50/75 |
| Noctilux-M 50mm f/1.2 ASPH | 001110 | ○○●●●○ | - |
| Summilux-M 50mm f/1.4 (II) | 000101 | ○○○●○● | 50/75 |
| Summilux-M 50mm f/1.4 ASPH | 100000 | ●○○○○○ | 50/75 |
| Summicron-M 50mm f/2 (III) | 010111 | ○●○●●● | 50/75 |
| Summicron-M 50mm f/2 (IV/V) | 100001 | ●○○○○● | 50/75 |
| APO-Summicron-M 50mm f/2 ASPH | 101001 | ●○●○○● | 50/75 |
| Summarit-M 50mm f/2.4 | 010010 | ○●○○●○ | - |
| Summarit-M 50mm f/2.5 | 101100 | ●○●●○○ | 50/75 |
| Elmar-M 50mm f/2.8 | 100010 | ●○○○●○ | 50/75 |
| Noctilux-M 75mm f/1.25 | 111010 | ●●●○●○ | - |
| Summilux-M 75mm f/1.4 | 100011 | ●○○○●● | 50/75 |
| APO-Summicron-M 75mm f/2 ASPH | 100100 | ●○○●○○ | 50/75 |
| Summarit-M 75mm f/2.4 | 010011 | ○●○○●● | - |
| Summarit-M 75mm f/2.5 | 101101 | ●○●●○● | 50/75 |
| Summilux-M 90mm f/1.5 | 111011 | ●●●○●● | - |
| Summicron-M 90mm f/2 (II) | 000111 | ○○○●●● | 28/90 |
| APO-Summicron-M 90mm f/2 ASPH | 100101 | ●○○●○● | 28/90 |
| Thambar-M 90mm f/2.2 | 001100 | ○○●●○○ | - |
| Summarit-M 90mm f/2.4 | 010100 | ○●○●○○ | - |
| Summarit-M 90mm f/2.5 | 101110 | ●○●●●○ | 28/90 |
| Tele-Elmarit-M 90mm f/2.8 (II) | 000100 | ○○○●○○ | 28/90 |
| Elmarit-M 90mm f/2.8 | 100110 | ●○○●●○ | 28/90 |
| Macro-Elmar-M 90mm f/4 | 100111 | ●○○●●● | 28/90 |
| Elmarit-M 135mm f/2.8 (I/II) | 001001 | ○○●○○● | 28/90 |
| APO-Telyt-M 135mm f/3.4 | 110101 | ●●○●○● | 35/135 |
| Macro-Adapter-M | 101000 | ●○●○○○ | - |
Auf dem Smartphone: Tabelle horizontal scrollen. Die Spalte „Rahmen“ zeigt, welchen Leuchtrahmen das Objektiv im Sucher einblendet. Ein Strich heißt: Dazu liegt uns keine Angabe vor. Für die Codierung ist sie wichtig: Die Kamera liest Code und Rahmen zusammen und erkennt den Code nur, wenn beide zusammenpassen.
6-Bit-Codierung erklärt und vorgemacht
Dr. Scott McDonald zeigt die Codierung mit Papier-Schablone und Sharpie und erklärt, was die Kamera damit anfängt.
6-Bit Encoder Kit & Spezialstift für Leica M & SL (EUR 39,95)
6. Häufige Fehler und Praxis-Tipps
Fehler Nr. 1: Falscher Stift
Der häufigste Grund, warum von Hand codierte Objektive nicht erkannt werden. Nicht jede schwarze Tinte schluckt das Licht der Sensoren im Bajonett: Glänzt die Farbe, wirft sie Licht zurück, und die Kamera liest „Weiß“ statt „Schwarz“. Dazu kommt die Spitze. Ist sie breiter als die Öffnungen der Schablone, musst du sie durchdrücken, und sie franst nach wenigen Objektiven aus. Genau das haben uns Kunden mit dem Edding 8400 gemeldet, der früher in unserem Kit lag. Heute liegt deshalb der uni Super Ink Marker PNA-125 bei: Seine feine Rundspitze geht durch die Öffnungen, und die Kamera erkennt den Code damit zuverlässig. Auch PetaPixel berichtete 2024 über ein Codier-Kit, dessen Hersteller diesen Stift empfiehlt, weil er in seinen eigenen Tests am besten abschnitt.
Fehler Nr. 2: Falschen Code gewählt
Bei einem Fremdobjektiv muss zuerst der Leuchtrahmen passen, erst dann zählen Brennweite und Offenblende. Ein 40er mit unverändertem Bajonett wie das Voigtländer Nokton classic 40mm f/1.4 blendet an der Leica M den 50er-Rahmen ein. Ein 35er-Code wird daran nicht zuverlässig erkannt, ein 50er-Code schon. Wir empfehlen den des Noctilux-M 50mm f/1 (011111): Er funktioniert auch bei Exemplaren, bei denen eine Schraube unter den Feldern 5 und 6 sitzt. Getestet haben wir das an einer Leica M8. In den Bilddaten steht dann 50 mm. Innerhalb des passenden Rahmens gilt: Brennweite und Offenblende so nah wie möglich, die Offenblende des Leica-Objektivs lieber gleich oder größer. Und lieber ein älteres Leica-Modell, denn die Codes ganz neuer Objektive kennen ältere Kameras nicht immer.
Fehler Nr. 3: Brennweite an der SL nicht umgestellt
Wer ohne Codierung an der SL2/SL3 arbeitet und vergisst, nach dem Objektivwechsel die Brennweite im Menü zu ändern, produziert systematisch unscharfe Bilder. Der IBIS kompensiert dann für die falsche Brennweite. Mit Codierung passiert das nicht.
Fehler Nr. 4: Drittanbieter-Adapter an der SL
Nicht jeder M-auf-L-Adapter leitet den 6-Bit-Code weiter. Nur der originale Leica M-Adapter L überträgt die Codierung. K&F, TTArtisan und viele eBay-Adapter tun das nicht.
Faustregel für Drittanbieter-Objektive: Du hast ein Objektiv, das in keiner Leica-Liste auftaucht? Nimm das Leica-Modell mit identischer Brennweite. Bei gleicher Brennweite, aber unterschiedlicher Blende: Tendenz zum lichtschwächeren Objektiv (z.B. ein f/1.2 als f/1.4 codieren). Die Vignettierungskorrektur für das lichtschwächere Glas ist etwas stärker, besser zu viel als zu wenig.
Fehler Nr. 5: Für eine Filmkamera codieren
6-Bit-Codierung hat an analogen Leica M-Bodies (M6, M7, MP, M-A) keinen Effekt. Die Kameras haben keinen Sensor zum Lesen. Der Code schadet dort nicht, bewirkt aber auch nichts. Spare dir den Aufwand.
Fehler Nr. 6: Farbe nicht richtig trocknen lassen
Wer das Objektiv direkt nach dem Ausmalen auf die Kamera setzt, riskiert verschmierte Farbe am Bajonett der Kamera. Gib der Farbe ein paar Minuten, bis sie vollständig abgebunden hat. Danach ist sie wischfest.
So entfernst du die Codierung: Willst du den Code ändern oder entfernen, gib Isopropanol auf ein Wattestäbchen und wisch die Punkte ab. Die Tinte des uni-Markers löst sich damit rückstandsfrei. Danach kannst du einen neuen Code auftragen oder das Objektiv uncodiert nutzen.
Weiterführende Ressourcen
Die Community hat reichlich Material zusammengetragen. Hier die besten Quellen:
- Macfilos: Third-Party Lenses on Steroids with 6-Bit Coding. Sehr detaillierter Artikel mit Praxisbeispielen
- Moritz Recke: Adding 6-Bit Coding to Leica M Lenses. Step-by-Step DIY Anleitung
- Yukosteel: Leica M Lenses Auto Detection System. Technischer Deep Dive zum Sensor-Mechanismus
- Rangefinderforum: 6-Bit Code-Liste. Vollständige Code-Tabelle mit Community-Ergänzungen
Direkt loslegen? Encoder-Kit mit Spezialstift, alles drin, was du brauchst. Passend für jedes M-Bajonett-Objektiv. Zum 6-Bit Encoder Kit.
Mehr Guides? Filmscanner-Vergleiche und Reparatur-Tipps rund um die Analogfotografie. Alle Blog-Artikel.
Alles an einem Ort: Das komplette Ausgeknipst-Sortiment, von Leica-Zubehör bis Filmscanner. Zum Shop.
2 Kommentare
Hallo Martin,
danke für deine Nachricht. Da es hier um eine konkrete Bestellung geht, schreib uns dazu bitte kurz direkt per E-Mail an info@ausgeknipst.de mit deiner Bestellnummer. Dann können wir das sofort zuordnen und uns direkt darum kümmern.
Viele Grüße,
Vladi
Hallo nach Würzburg, ich hatte den 6Bit-Encoder mit dem Kit Punktabdeckung und der Focus-Tab bestellt und bezahlt. Geliefert wurden aber nur Encounter und Stift. Wann kann ich mit der Zusendung der fehlenden Artikel rechnen?
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Martin Loetz