Wie zwei Hessen für Jeff Bridges die Widelux neu bauen
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Seit dem 24. Oktober steht in der ARD Mediathek ein Dokumentarfilm, der 55 Minuten lang von einer einzigen Kamera handelt. „Jeff Bridges’ analoges Abenteuer“ von Ingo Schmoll begleitet den Schauspieler, seine Frau Susan und zwei Analogfotografen aus Bad Nauheim sechs Jahre lang bei dem Versuch, die Widelux wieder in Produktion zu bringen. Wir waren zur Premiere im hr-Sendesaal in Frankfurt eingeladen. Der Film ist kostenlos und bleibt in der ARD Mediathek bis Oktober 2031 abrufbar, auch aus dem Ausland.
Warum fotografiert Jeff Bridges nur mit der Widelux?
Susan Bridges hat ihm die Kamera 1977 zur Hochzeit geschenkt, so erzählt es die hessenschau. Seit Ende der Siebziger fotografiert er damit an seinen Filmsets. Daraus sind mehrere Bildbände entstanden. Was ihn an der Kamera reizt, sagt er im Film selbst, die hessenschau zitiert ihn so: Wer schnell genug rennt, kann zweimal im selben Bild sein.
Was macht eine Widelux anders als eine normale Kamera?
Das Objektiv steht beim Auslösen nicht still. Es sitzt in einer Trommel, schwenkt einmal quer über die Szene und belichtet den Film durch einen schmalen Schlitz auf einer gebogenen Filmbahn. So entsteht auf Kleinbildfilm ein Negativ von 24 × 59 mm mit rund 126 Grad Bildwinkel, nachzulesen bei Camera-wiki. Ein 36er-Film reicht für etwa 21 Panoramen. Die Szene wird nacheinander belichtet und nicht auf einen Schlag. Wer hinter dem schwenkenden Objektiv herläuft, landet deshalb zweimal auf dem Negativ. Genau das meint Bridges.
Gebaut hat die Widelux die Firma Panon Camera Shoko in Tokio, von 1959 bis 2000, nach den Seriennummern rund 20.000 Kleinbild-Exemplare. Laut hr ist die Fabrik später abgebrannt, und mit ihr gingen Pläne, Maschinen und Wissen verloren. Wer heute eine Widelux will, kauft gebraucht und sollte sich Probebilder zeigen lassen: Helle und dunkle Streifen im Bild entstehen, wenn das Getriebe der Objektivtrommel verschmutzt ist und ungleichmäßig läuft. Camera-wiki zeigt ein Beispiel dafür.
Was ist die WideluxX?
Aus dem Projekt im Film ist eine Firma geworden: SilverBridges, gegründet von Jeff und Susan Bridges zusammen mit Charys Schuler und Marwan El Mozayen, die sonst das Analogmagazin Silvergrain Classics machen. Ihre WideluxX arbeitet nach demselben Prinzip, ist vollmechanisch und wird in Deutschland gebaut. Die erste Serie ist auf 350 Stück begrenzt und kostet in Deutschland 5.200 Euro (Stand Vorverkaufsstart, 35mmc, April 2026).
Das ist eine Kamera für Leute, die schon wissen, dass sie mit Schwenkobjektiv fotografieren wollen. Wer das Prinzip erst kennenlernen möchte, findet es auch in gebrauchten Horizont- und Noblex-Kameras, die ähnlich arbeiten.
Woher kennen wir Marwan?
Marwan kennen wir schon länger. Silvergrain Classics hat über uns geschrieben, Anlass war unser Batteriefachdeckel für die Minolta XM Motor, Marwans geliebte Kamera. Disclaimer: Wir verkaufen einen Teil der Produkte, die hier vorkommen. Der Artikel ist trotzdem zuerst als Hilfe gedacht und nicht als Verkaufstext.
Seitdem haben wir mit seiner Unterstützung weitere Projekte umgesetzt. Die ursprüngliche Idee für unseren Batterieadapter für die Beaulieu 4008 kam zum Beispiel von ihm, heute ist er einer unserer Bestseller.
Weil Marwan wusste, was wir können, hat er uns schon früh von der WideluxX erzählt. Wir waren beide baff, und ehrlich gesagt hätten wir nicht gedacht, dass er und sein Team so weit kommen. Jetzt gibt es die ersten funktionierenden Prototypen. Von dort bis zur Serienfertigung ist es noch ein weiter Weg. Wir sind zuversichtlich, dass Marwan und sein Team auch den Endspurt schaffen, und drücken alle Daumen.
Wie digitalisierst du Widelux-Negative?
Ein normaler Kleinbild-Filmhalter hat ein Fenster von 24 × 36 mm. Ein Widelux-Negativ ist 59 mm breit, im Standardhalter fehlen also fast 40 Prozent des Bildes. Entweder fotografierst du es in zwei Teilen ab und setzt sie am Rechner zusammen, oder du nimmst einen Halter mit Panoramafenster.
Wir haben dafür den Filmhalter Eco für X-Pan 35mm Panorama im Programm. Sein Fenster ist 24 × 65 mm groß, Widelux-Negative mit 24 × 59 mm passen ohne Beschnitt hinein. Du legst den Halter auf eine Lichtquelle und fotografierst das Negativ mit der Digitalkamera ab.
Im hr-Fernsehen läuft die Doku am 3. November um 22 Uhr. Wer nicht so lange warten will, schaut sie in der Mediathek.