Film einspulen ohne Blindflug: Nordic Lab bringt Open-Source-Werkzeuge in die Dunkelkammer
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Den Film im Dunkeln auf die Spule zu bekommen, ist für viele der unangenehmste Moment der ganzen Filmentwicklung. Ein Ingenieur aus Belgrad hat dafür eine erstaunlich simple Lösung konstruiert – und sie kostenlos ins Netz gestellt. Wir fertigen sie jetzt in Deutschland und versenden sie in der EU. Zeit, den Kopf dahinter vorzustellen: Nordic Lab.
Direkt zur Quelle: Nordic Lab
Sashas Projekte, Videos und die kostenlosen Druckdateien gibt es bei ihm selbst – auf nordiclab.org und Ko-fi.
Inhaltsverzeichnis
- Wer ist Nordic Lab?
- Die Zusammenarbeit: er entwirft, wir produzieren
- Die Einfädelhilfen: wofür sie gut sind
- Wie es weitergeht
Wer ist Nordic Lab?
Hinter Nordic Lab steckt Sasha Yakovlev, ein Ingenieur und Designer in Belgrad. Er beschreibt sein Projekt selbst als „Engineering & Design Laboratory“ mit einem klaren Schwerpunkt: analoge Fotografie, und zwar die ganze Kette davon. Film belichten, entwickeln, im Color-Verfahren per RA-4 in der Dunkelkammer printen, scannen, archivieren. Sasha baut und repariert Dunkelkammer-Equipment, verbessert Filmprozessoren und testet Chemie – mit dem erklärten Ziel, den analogen Workflow zugänglicher und reproduzierbarer zu machen.
Sein Leitmotiv ist nicht Nostalgie, sondern Technik. Und er arbeitet an erstaunlich vielen Baustellen gleichzeitig. Ein Auszug aus dem, was bei ihm gerade läuft:
- Bessere Entwicklungsspulen (OpenReel): ein quelloffenes Spulen-Design, das speziell für den Druck zu Hause optimiert ist – kompatibel zum Paterson-System, ohne Stützen druckbar.
- Schnell-Einfädelhilfen für Paterson-Spulen: die beiden Werkzeuge, um die es hier geht (35 mm und 120).
- Eine halbautomatische Film-Entwicklungsmaschine: sein größtes laufendes Projekt – ein Gerät, das die Chemie selbstständig umpumpt, damit niemand sie mehr von Hand anfassen muss.
- Ein günstiges Filmtrocknungs-System, Umbauten für Vergrößerer (u.a. den Intrepid Enlarger) und sogar eine mobile „Darkroom on Wheels“.
Fotos: Nordic Lab
Die Entwicklungsmaschine zeigt am besten, wie er denkt. Es geht ihm nicht darum, alte Technik zu konservieren, sondern den Prozess so weit zu vereinfachen, dass ihn jeder bedienen kann. In seinem Video formuliert er das so:
Sasha Yakovlev über seine Entwicklungsmaschine (YouTube)
„The development machine should work completely based on the liquids contained inside the tool … you have no contact with the chemicals, so even the kids can develop the film.“
Das Gemeinsame an all diesen Projekten: Sasha teilt seine Konstruktionen offen. Genau das ist auch der Grund, warum wir mit ihm so zusammenarbeiten, wie wir es tun.
Die Zusammenarbeit: er entwirft, wir produzieren
Sasha verschenkt seine Designs. Die Druckdateien stehen kostenlos auf seiner Ko-fi-Seite – wer ein eigenes Gerät hat, kann sie sofort selbst herstellen. Spenden finanzieren bei ihm das nächste Filament und die großen Projekte, nicht das Design selbst.
Warum er das so macht, sagt er ungewohnt deutlich. In der Analog-Szene gibt es einen kleinen Glaubenskrieg darum, wie „richtig“ Film eingespult wird – ob man dafür Erfahrung braucht, ob ein Werkzeug „schummeln“ sei. Davon hält Sasha wenig:
Sasha Yakovlev über das Teilen seiner Designs (YouTube)
„People just religiously say ‘okay, you need the skills’ to load the film. Come on, guys. This thing is for free. I share it for free … I see that this thing is needed.“
Hier kommen wir ins Spiel. Wir kaufen Sasha sein Design nicht ab und schließen es weg – im Gegenteil. Er behält das volle Eigentum, die Dateien bleiben frei, und wir produzieren und versenden in Lizenz und mit seiner ausdrücklichen Genehmigung. Aus Deutschland, schnell innerhalb der EU, für alle, die kein eigenes Gerät zu Hause haben und einfach ein fertiges, geprüftes Teil wollen. Selbst drucken oder fertig kaufen – beide Wege stehen offen nebeneinander.
Selbst drucken? Hol dir die Dateien bei Sasha
Die originalen Druckdateien stellt Nordic Lab kostenlos auf Ko-fi bereit. Wer mag, unterstützt ihn dort mit einer Spende.
Die Einfädelhilfen: wofür sie gut sind
Wer seinen Film selbst entwickelt, kennt den Moment: Der Wechselsack ist zu, die Hände stecken drin, und jetzt soll der Film blind auf die Spule. Bei 35-mm-Kleinbild verkantet die Patrone, bei 120-Rollfilm wellt sich das Material und springt aus der Führung. Man dreht, spürt Widerstand, dreht zurück, fummelt – und ein einziger Knick kann die Aufnahmen ruinieren. Das Ärgerliche daran: Es ist kein kreativer Schritt, sondern reine Mechanik, die nur deshalb schwer ist, weil man nichts sieht.
Genau hier setzen Sashas Einfädelhilfen an. Es gibt zwei Varianten, eine für 35-mm-Kleinbild und eine für 120-Rollfilm. Beide passen auf Standard-Paterson-Entwicklungsspulen (Super System 4 und baugleiche) und halten Spule und Film in registrierter Position, sodass der Film gerade einläuft, statt im Sack zu verrutschen.
Hack: Im Hellen einfädeln, im Dunkeln nur drehen
Der schwierige Teil – den Filmanfang sauber in die Spule bekommen – passiert bei Tageslicht. Im Wechselsack drehst du dann nur noch am Knopf. Das eigentliche Risiko fällt damit aus dem dunklen Teil heraus.
Funktion: Drehknopf, der sich im Dunkeln ertasten lässt
An der 35-mm-Version sitzt ein Drehknopf, den man blind findet und mit dem man die Spule kontrolliert weiterdreht. In der aktuellen Version hat Sasha zusätzlich einen kleinen Haken ergänzt, der die Filmpatrone an Ort und Stelle hält – genug Reibung, damit nichts wegrutscht, aber locker genug, um am Ende einfach abzuspringen.
Funktion: kein Zurechtschneiden der Filmenden
Das übliche Anschrägen oder Runden der Filmecken entfällt. Der Film läuft direkt sauber in die Spule, ohne zu verkanten. Das spart nicht nur Zeit, es nimmt auch eine weitere Fehlerquelle aus dem Prozess.
Bei der 120er-Variante zeigt Sasha im Video den gleichen Aufbau für Rollfilm – inklusive des Drehknopfs, der das Führen im Dunkeln erleichtert, und der angepassten Laufrichtung, damit der Film sauber aufgewickelt wird.
Praxis-Tipp: Mehrere Spulen vorladen
Weil das Einfädeln so schnell geht, kannst du mehrere Spulen am Stück bestücken und einsatzbereit lagern. Entwickelt wird dann später in Ruhe – praktisch, wenn mehrere Filme aus einem Wochenende zusammenkommen.
Wir fertigen beide Hilfen bei uns in Würzburg aus PLA+, einem schlagfesten Bioplastik auf Pflanzenbasis, und prüfen jede an einer Paterson-Spule auf Passung. Hier sind die beiden Produkte:
Nordic Lab Film-Einfädelhilfe 35mm für Paterson
Nordic Lab Film-Einfädelhilfe 120 für Paterson
Achtung: Passung prüfen
Die Hilfen sind auf Standard-Paterson-Spulen (Super System 4 und baugleich) ausgelegt. Bei Spulen anderer Hersteller wie Jobo oder AP/Samigon können die Maße abweichen – dort ist die Passung nicht garantiert.
Wie es weitergeht
Die Einfädelhilfen sind erst der Anfang. Bei Nordic Lab liegen genug weitere offene Projekte in der Schublade – von der Entwicklungsmaschine über das Trocknungs-System bis zu den Vergrößerer-Umbauten. Was davon sich sinnvoll fertigen lässt, holen wir nach und nach als fertige Hardware in den Shop. Die Richtung ist gesetzt.
Und Nordic Lab ist erst der Auftakt. Sasha ist der erste Designer, mit dem wir diese Art von Zusammenarbeit aufsetzen: gute, offene Konstruktionen aus der Community als fertige Hardware in den Shop holen, während der Designer sein Werk behält und seinen Anteil bekommt. Wenn das hier gut läuft, kommen weitere dazu.
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Die komplette Collab auf einen Blick – gefertigt in Deutschland, versandfertig in der EU.
Noch mehr aus der Dunkelkammer
Anleitungen, Geräte-Guides und Tipps rund um analoge Fotografie findest du in unserem Blog.